Dystopie

Für den Fall, dass sich jemand fragt, wo ich bin. Hier. In meiner selbst gewählten Belanglosigkeit. Rosa Zombies haben mein Gehirn gefressen.

Kaskade

Würde ich auf Körper hören, läge ich seit Wochen gestern Abend durchgehend im Bett. Aber sowas fange ich natürlich gar nicht erst an. Wo kämen wir denn denn da hin. Am Ende will er auch noch was essen. Als würde es nicht ausreichen, was er bekommt. Tz.
Lieber schleifen wir ihn spazieren und halten ihn anschließend koffeiniert und dauerbeschallt, damit er immerhin aufrecht sitzen und sowas wie wach bleibt.
Die Woche war unfassbar anstrengend. Mein Glitzerfluffzaubereinhorn steht nass im Regen und hat miese Laune – ich auch. Also theoretisch, wenn ich wüsste, wie ich mich fühle – außer sehr allumfassend fertig. Alles brennt. Und am Ende ist nur Asche übrig, mit der ich den Sturm überstehen soll.

Ascheregen

Ich warte auf die große Erkenntnis, die Erleuchtung oder wenigstens einen kleinen Nervenzusammenbruch. Stattdessen stehe ich meilenweit von Selbigem entfernt und es ist egal, ob ich mich setze oder nicht.
Weißt du eigentlich, wie wenig das war? fragt der Parasit und verweist auf die lächerlich kleine Quängelwarenflasche Vodka.
Weißt du eigentlich, wie viele Kalorien der Mist hat? fragt Rosa.
Weißt du eigentlich, wie bescheuert das ist? fragt Ratio.
Ja. sage ich.

Rosa versteht sich ausgezeichnet darauf, jeglichen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, in dem sie den Parasit aufweckt und anstachelt.

Der Parasit versteht sich ausgezeichnet darauf, jegliche Bedenken über Bord zu werfen und seine eigenen Interessen durchzusetzen.

Ratio versteht sich ausgezeichnet darauf, mir zu sagen, dass es einfach ist, alle Verantwortung auf EgoStates abzuschieben, die doch nur ein Teil meines Selbst sind und deren Entscheidungen am Ende immer die meinen sein werden.

by http://www.anna-cosma.de

EscapeRoom

Die Welt verschwindet, sobald ich die Tür hinter mir schließe. Wenn ich sie nur schnell genug wieder öffnen würde, könnte ich sehen, dass alles außerhalb der Wände um mich herum einfach weg ist und sich erst rematerialisiert, sobald ich hinsehe.
Eingesperrt in meinem winziggroßen Nanoversum herrschen andere Gesetze. Verschrobenheiten kreisen um Destruktivität, Konsequenzen existieren bloß in der Theorie. Oben ist unten, Innen ist überall.
Ich kippe ein Fenster und fühle mich schräg.

Gravitation

Rosa hält sich tapfer. Im Rahmen unserer Möglichkeiten leben wir so viel Essstörung wie möglich und fiebern dem noch nicht final, aber ungefähr definierten Entlasstermin entgegen. Derweil bilden Grau und Schwarz ein immer dunkler und mächtiger werdendes schwarzes Loch mit größtmöglicher Anziehungskraft. Ich lasse mich treiben, wohl wissend, dass ich in diesem Zustand langfristig nicht überleben werde.

Ich bin einsam, ein verlorenes Sternenstaubkorn in einem ansonsten leeren Paralleluniversum, kalt, dunkel und unbelebt. Ich lasse mich brav therapieren, weil man das wohl so macht in einer Klinik, und werde für Fortschritte gelobt, die es nur in meinen Erzählungen gibt. Und für mein – tatsächlich sehr umfangreich vorhandenes – Reflektionsvermögen. Natürlich weiß ich. Es ist ein Fluch.
All das zu wissen – zu wissen, dass mein Denken gerade essgestörter kaum sein könnte und (warum) mir jeglicher Sinn fehlt – hilft mir nicht. Vielmehr zeigt es mir auf, dass tatsächlich etwas fehlt – und es ist gleichermaßen verloren gegangen wie mir gewaltsam entrissen worden – und ich mich ernsthaft fragen sollte, ob ich es jemals zurück bekomme. Aber auch dazu fehlt mir jeglicher Antrieb.

Ich kann hier unmöglich länger bleiben. Ich kann unmöglich von hier weg. Ich bin verloren.

Antworten

Am relativen Ende einer nicht vollständig rekonstruierbaren Assoziationskette, in der es um nicht weniger als sehr existentielle Fragen geht, sammle ich Dinge, die ich mit auf eine einsame Insel – auf der die Überlebensgrundlagen vorhanden sind – nehmen würde und stelle mir plötzlich die Frage, ob ich mich denn dort mit hin nehme. Also, nehmen will, denn egal ob hypothetisch oder nicht, ich wäre in jedem Fall ja dort – im hypothetischen Fall wäre ich ja sogar vor mir da. Glaube ich. Aber darum geht es nicht, auch wenn mein Kopf sich lieber an dieser Überlegung als an der ursprünglichen Fragestellung festbeißt.