Ascheregen

Ich warte auf die große Erkenntnis, die Erleuchtung oder wenigstens einen kleinen Nervenzusammenbruch. Stattdessen stehe ich meilenweit von Selbigem entfernt und es ist egal, ob ich mich setze oder nicht.
Weißt du eigentlich, wie wenig das war? fragt der Parasit und verweist auf die lächerlich kleine Quängelwarenflasche Vodka.
Weißt du eigentlich, wie viele Kalorien der Mist hat? fragt Rosa.
Weißt du eigentlich, wie bescheuert das ist? fragt Ratio.
Ja. sage ich.

Rosa versteht sich ausgezeichnet darauf, jeglichen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, in dem sie den Parasit aufweckt und anstachelt.

Der Parasit versteht sich ausgezeichnet darauf, jegliche Bedenken über Bord zu werfen und seine eigenen Interessen durchzusetzen.

Ratio versteht sich ausgezeichnet darauf, mir zu sagen, dass es einfach ist, alle Verantwortung auf EgoStates abzuschieben, die doch nur ein Teil meines Selbst sind und deren Entscheidungen am Ende immer die meinen sein werden.

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Körpersprache

Wir müssen reden! sage ich zu Rosa, als ich sie mir unter den Arm klemme, um irgendwo hinzugehen, wo es ruhiger ist.
Aber es ist nirgends ruhiger, ich bin eine Getriebene meiner selbst und trage sie nun schon eine ganze Weile so mit mir rum, unser Gespräch auf ein Später verlegend. Erneut.
Immerhin, der Parasit hat sich in sein Körbchen geringelt und schnarcht selig vor sich hin, nachdem er sich wieder einmal austoben durfte.
Körper nimmt mir die Mangelernährung auf prä-Klinik-Niveau abzunehmend übel und darf deshalb heute schon vor 8 ins Bett, weil er schon seit Tagen immer lauter quängelt. Und ja, ich habe ein bisschen Mitleid mit ihm, weil die Tage langsam echt anstrengend werden.
Bald habe ich Urlaub, nur noch zwei Mal früh aufstehen.
Dann reden wir aber wirklich! sage ich zu Rosa, die inzwischen ziemlich gechillt an meinem Arm rumhängt.

Eigenfrequenz

Du bist meine Wichsvorlage. Gut, das entspricht nicht ganz dem Wortlaut, aber am Ende ist es genau das, was er zu mir sagt – und auch wieder nicht.

Er ist einer dieser sehr wenigen Menschen in meinem Leben, zu denen ich einen Draht habe. Zu denen eine nicht erklär-, sondern nur fühlbare Verbindung besteht.
Seit wir uns kennen, sind wir flirty miteinander. Nichts, was ich normalerweise bin – schließlich bin ich grundsätzlich der Überzeugung, dass man mich maximal aufgrund körperlicher Attribute, denen ich mich nur durch strengste Restriktionen überhaupt annähern kann, interessant, geschweige denn attraktiv oder gar begehrenswert finden kann. Auch halte ich dieses flirty für pure Einbildung meinerseits und seine immer schon vorhandene Offenheit für nichts weiter als ein generelles Persönlichleitsmerkmal.
Bis diese Woche. Bis er mich fragt, ob er es sich einbildet, oder ob da was ist. Und Dinge sagt, über die ich nicht gedacht hatte, sie jemals von irgendjemandem zu hören.
Nichts, worauf ich vorbereitet war. So gar nicht.

Wir halten fest, da ist etwas. Plus zwei glückliche Ehen.

Gravastern

In meinem Innersten ist ein Loch. Ein finsteres Vakuum, das wer weiß wann vor sich hin entstanden, im Kern offensichtlich nie verschwunden und langsam wieder kanzerös vor sich hin gewachsen ist. Inzwischen ist es größer als Rosa und der Parasit zusammen. Größer als ich.
Sanft umschlossen von einer watteweichen Glüxbärchi-Wolke fällt die Schwärze des Lochs, die im Innern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben wird, kaum auf. Aber so sehr ich auch hineinschauen, es füllen mag – einfach mit irgend etwas – , ich habe keinen Zugriff. Es verweigert sehr vehement jeden Versuch, es zu ergründen. Weghungern. Funktioniert nicht. Rausschneiden. Auch nicht. Beides zusammen. Ist zwar irgendwie geil, bringt mich aber auch nicht weiter.
Der Parasit redet mir den heimlichen Kauf von Vodka schön, indem er mir verspricht, dass ich dann bestimmt einen Blick hineinwerfen kann, in das Loch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es mich aufsaugt. Und plane, wann ich trinken kann.

Anführungszeichen

Ich frage mich, was sie meint mit Hauptsache, du bist „gesund“ und welchen Unterschied es macht, ob ich gesund oder „gesund“ bin, oder ob es einen geben sollte oder könnte oder müsste? Oder ob es nicht wichtiger wäre, wenn es mir einfach gut ginge?
Da ist sie, meine unangefragte Antwort darauf, warum ich eine Pause von meiner Familie brauche und die bloße geografische Entfernung mehrerer 100 Kilometer nicht ausreichend ist. Abstand ist mehr als physische Distanz.
Und nein, ich bin nichts davon. Nicht gesund – egal in welcher Schreibweise – und gut geht es mir auch nicht.
Und wieder einmal möchte ich eskalieren und dramatisch sein.