Dystopie

Für den Fall, dass sich jemand fragt, wo ich bin. Hier. In meiner selbst gewählten Belanglosigkeit. Rosa Zombies haben mein Gehirn gefressen.

Unwucht

Ich frag mich manchmal echt, wo Orange ihr Selbstbewusstsein hernimmt. Rockt die Arbeit, glänzt vorm Chef und bildet sich auch noch ein, an dem ganzen Scheiß zu wachsen.
Wo immer sie es bei Feierabend wegschließt, ich habe keine Ahnung – und keinen Schlüssel.
Mein Plan funktioniert jedenfalls ganz hervorragend und irgendwie freue ich mich fast noch mehr als Rosa, Chef bald mal wieder persönlich über den Weg zu schweben und meinen bisherigen Erfolg zu demonstrieren.
Und da ist ja dann die Leichtigkeit der bald anstehenden zwei Wochen °sturmfrei° noch nicht mit eingerechnet.
Ein Traum. Nicht.

Kokon

Kann man Flashbacks voll mit Nichts haben? Oder ist es mehr der Moment des Erinnerns an Nichts in den Sekunden danach, die zwischen °am Schrank festhalten° und °auf dem Fußboden aufwachen° lagen? Seit jenem Donnerstag vor 1 1/2 Wochen finde ich mich jedenfalls mehrfach täglich in diesem Nichts wieder – und finde es großartig.
Ein Nichts, (in) dem einfach alles egal ist, weil es halt Nichts ist – finster und gleißend hell zugleich. Heiß und kalt. Nichts und großartig.
Was anderen in letzter Konsequenz grauenerregend erscheint, wird mein sicherer letzter Hafen.

Ich mag keine Kopfstöße verteilen. Aber noch viel weniger will ich gerade gesund werden. Ich kuschle mich zu Rosa und lasse die Welt passieren.

Anomalie

Meine f*cking Selbstreflektion weiß natürlich, dass der Weg gerade nur in eine Richtung führt. Und das erzählt sie natürlich auch brav dem Herrn Doktor, der die Verneinung auf seine Frage nach therapeutischer Unterstützung an meiner Seite mit hochgezogener Augenbraue kommentiert und mir dann mit der Frage in den Rücken fällt, ob mir die Klinik aber schon sehr weitergeholfen habe, oder? Das Ja klar! ist nur noch ein Reflex und er bietet sofort an, ein entsprechendes Schreiben zur Notwendigkeit zu verfassen, um die jetzige Phase zu überstehen, sollte ich mich dafür entscheiden.
Mein Unterbewusstsein scheint unausgesprochener Fan dieser Möglichkeit zu sein, auch wenn ich die seither gerade gegen Abend – zur °variablen° Mahlzeit – aufkommende Übelkeit mal ganz ignorant auf die zwei Ibu und das Schleudertrauma vom Donnerstag schiebe und natürlich nur deswegen noch keine Kalorienerhöhung vorgenommen habe. Vornehmen konnte!
Es ist so. armselig.

Inzidenz

So hatte ich das dann doch nicht gemeint, was ich zu meinem Chef gesagt habe.

Ich wache auf und habe höllische Kopfschmerzen, die ich mir ebenso wenig erklären kann wie die Frage, warum der Untergrund, auf dem ich liege, eigentlich so verdammt hart und kalt ist. Oder warum Schatz neben mir kniet und irgendwie zu wissen scheint, dass ich Kopfschmerzen habe. Bis es dann zu mir durchdringt. Dass ich eben nicht mehr im flauschig warmen Bett liege, sondern auf dem Fußboden vor dem Kleiderschrank, in dem ich gerade noch stand und mich am Regal festgehalten habe, weil mein Kreislauf wohl die gemütliche Flauschigkeit noch nicht mit mir gemeinsam verlassen wollte. Gut, ich wollte auch nicht – so. unfassbar. nicht. – aber das hatte ich auf den Bedarfsmedihangover geschoben, der dann schon weggeht, wenn ich aufstehe.
Den Banktermin tausche ich daraufhin gegen den beim Doc und verbringe den Tag bisher damit, genau nichts zu tun. Und es zu hassen, aber das ist jetzt wirklich. nicht. lustig.
Rosa schaut schon den ganzen Tag betreten ihre Füße an und versucht, sich rauszureden und dass der nur den Bruchteil einer Sekunde dauernden Schwindel, der mich gestern schon fast vom Stuhl hätte fallen lassen, a) rein gar nichts mit heute und b) natürlich auch nicht mit ihr zu tun hat.

.gnarf.

Wegrationalisierung

Ratio so beim Reden zuzuhören macht nicht immer wirklich Spaß. Also darf sie sich derzeit so richtig oft bei Orange einmischen, dann macht sie anderen halt keinen Spaß. Und Orange hat gerade echt nen Arsch voll Arbeit. So kann Ratio wenigstens nicht allzu offensichtlich darüber nachdenken, wie es gerade so läuft. Nicht, nämlich.
Nicht nur, dass die inzwischen ~2/3 meines wiederhergestellten Gewichts auch gleich auch meinen Zyklus entfernt haben, sondern auch, dass meine nur klangvoll hübsche Röschenflechte zurück und meine Verdauung nochmal ein ganz eigenes Thema ist.
Mit ein Grund, sie Orange aufs Auge zu drücken, ist auch ihre Meinung zur Klinik und meinem Talent, Offensichtlichkeiten vorzuschieben (…therapiere man mich!), um ja nicht in die Verlegenheit zu kommen, wirklich Wichtiges zu thematisieren.
Und auch, wenn es ziemlich sicher eine weitere Selbstlüge ist, rede ich mir ein, dass es halt auch am Alter liegt. Natürlich ist es leicht, einem:r gerade so postpubartären Patient:in – wie sie zu 98% die Erwachsenenstation füllen – zur Heilung die Möglichkeit zu bieten, das eigene Leben zu hinterfragen und sich samt selbigem selbst ganz neu zu erfinden. Mach das mal mit Verpflichtungen. °inbeideRichtungenmitdenAugenroll°
Wir haben also eine Stille Übereinkunft, Ratio und ich. Nur brüllt die leider sehr laut, wenn sie gerade nüscht zu tun hat.