Betäubungsmittel

Die Katastrophe geht in die nächste Runde. Anklageschrift. Ich. Raste. Aus.

Der Parasit schaut nach unserem Klingenvorrat und zeigt sich nur halb zufrieden, aber beruhigt. Er muss etwas geahnt haben, höre ich doch schon seit Tagen das helle Trippeln und Kratzen seiner Klauen von innen an an meiner Schädeldecke.

Rosa findet ebenfalls, dass wir dringend etwas tun müssen, weil Knochen nunmal hübsch sind und wir ja auch nicht ewig so viel essen können, dass es fast reicht. Außerdem könnten bräuchten wir dann nicht mehr so viel Denken, was wirklich wirklich toll wäre. Achja, und uns nicht um den Angeklagten kümmern, ist ja lästig.

Sport. Kann ich bitte Sport machen? So von jetzt bis Montagmorgen, bis ich wieder arbeiten kann? Körper soll sich nicht so anstellen, wer braucht schon Menstruation, wenn es Rosa Parasiten gibt, mit denen man den Tag füllen kann.

Ich wollte wirklich meinen Alltag reflektieren. Und warum ich mich nicht nicht bewegen kann und Zucchinis wiege und überteuerte Klamotten und Nahrungsmittel und Energydrinks kaufe, um Löcher zu füllen. Jetzt habe ich eine super Ausrede. Und keinen Alkohol, was wirklich wirklich bedauerlich ist.

Falsch

Mein unbändiger Wunsch, ihr mein ganzes Leid ungefiltert und schwallartig vor die Füße zu kotzen, scheitert am Alkoholgehalt meines Leitungswassers, welcher mindestens 45% unter dem liegt, was ich eigentlich gerne in meiner Halbliterflasche hätte.
So rede ich unzusammenhängend von Hunger, selbst zugefügtem Schmerz und tausend Dingen dazwischen in der wahnwitzigen Hoffnung, auf so etwas wie Verstehen zu stoßen und pralle mehr als unsanft an Selbsterklärungversuchen über WeightWatchers und an etwas Anderes denken ab.
Zum Glück merke ich das kaum, weil einfach irgendwer redet, während ich mich – selbst von mir unbemerkt – um den ganzen Rest kümmere, der eigentlich gerne reden würde.
Als sie geht, bedaure ich die aktuelle Trockenheit einmal mehr und hasse es, noch etwas essen zu müssen, um Erwähnenswertes weiterhin aufrechtzuerhalten. Am liebsten würde ich dabei in Schatz hineinkrabbeln und meinen freien Tag morgen genau dort verbringen. Mit meiner Rasierklinge.
Irgendetwas in mir wimmert leise.

Anastomose

Ich bin irritiert. Die Diskussion, die keine war, klingt noch nach in meinem Kopf, als ich plötzlich rede. Mich öffne, wenn auch nur eine Winzigkeit, aber seit langem erstmals wieder im nicht selbstschädigenden Sinne. Dabei bin ich nicht mal betrunken. Was mich zusätzlich erstaunt. Und Angst macht. So viel.
Vielleicht ist es das Verständnis, auf das wir stoßen, dass Rosa und den Parasit perplex verstummen lässt. Und nicht nur mein, sondern auch Schatz‘ Zugeständnis, dass niemand jetzt gleich und für immer weg muss, niemand zum Gehen gezwungen wird, sondern dass Babyschritte okay sind. Und wir einfach schauen, wie sich die Dinge entwickeln, wenn ich nur ein ganz bisschen mehr Verbindung zulasse.
Scheiße, ist das gruselig.

Meta

Ich wollte das in Ruhe mit den Beiden diskutieren. Mit Rosa die Tatsache, dass dreistellige Tagesbilanzen dann echt ein bisschen arg wenig sind und mit dem Parasit, dass die Pflaster am Arm bei dem Wetter auf Dauer blöde weiße Flecken hinterlassen. Allerdings sind beide nicht besonders sachlich und finden meine gar nicht so wenigen Argumente nur so semi.
Also gut. Unsachlich kann ich auch.
Aber es endet dann doch nur damit, dass wieder einmal darüber nachdenke, nachdenken zu müssen. Und endlich reden sollte, ich aber keinen Schimmer habe, wie ich das anstellen soll, ohne dass ich die beiden vorher Genannten gemeinsam mit meinen Hemmungen unter den Tisch trinke.