Exkursion

Die polypharmakotoxe Dreifaltigkeit mit einem echt fiesen Likör durch meine Synapsen zu jagen, dessen Umdrehungen nur knapp die Anzahl meiner Jahresringe unterschreitet, stellt sich auf wundersame Weise als nicht besonders schlau heraus. Als ich nach knapp 3 Stunden aufwache, ohne überhaupt Schlafabsichten gehabt zu haben, schaffe ich es irgendwie, mir im nächstbesten Supermarkt eine Bowl zu erlegen, an die ich mich heute nur noch des Fotos wegen erinnern kann – anders als an den Weg aus dem oder zurück zum Hotelzimmer, der ist nämlich ganz weg. Genau genommen verweigern mir meine Augen auch zusätzlich jede Kooperation, so dass ich keine 2 Stunden später erneut eingekringelt im Bett liege und weitere 10 Stunden fast traumlos schlafe.
Die Frage nach dem Warum kann ich wie immer nicht beantworten, ohne mir Dinge eingestehen zu müssen, die nicht sein dürfen.

Lucifer

In blinder Verzweiflung habe ich nach dem Ketamin und der nicht feststellbaren Wirkung unter nunmehr gynäkologischer Anleitung – die aus Gründen schon länger in der Pipeline stand – und laborgestützter Analyse, statt einer wie von mir angedachten endokrinologischen Breitseite eine großzügige Salve an Essentials ins Cerebrum geschmissen. Und siehe da, es ward Licht.
Allerdings zeigten sich die Glühwürmchen als ausgesprochen kurzlebig und verwesen seit eineinhalb Wochen wieder, während ich mir die Frage nach einem Placebo-Effekt stelle und es damit dann wohl doch selber in der Hand hätte, aber immer wieder loslasse.
Was ist falsch mit mir?
Ich kann das alles nicht mehr.

Belong

Mit Schatz ist offensichtlich auch der Kleber in Urlaub geflogen, der mich zusammengehalten hat. Anders ist kaum zu erklären, warum ich seit Dienstagabend zerfalle, in immer mehr Teilen um mich herum liege und dauernd über mich drüber stolper.
Vorher waren da Risse, aber irgendwie habe ich doch aneinander geklebt. Da war Resonanz. Stabilität. Und ich dachte, ich bekomme das gut hin mit dem Alleine sein für zwei Wochen. Mach’s mit nett. Aber vielleicht hätte ich drauf hören sollen, als plötzlich das Licht aus- und eine megaphonunterstützte Stimme anging, die die Idee auf einmal für ganz arg doof hielt.
Wenn ich wenigstens wüsste, was ich von mir will Alkohol. Was ich bräuchte Rasierklingen. Was ich tun kann eskalieren, damit sich nicht jede unbeschäftigte Sekunde anfühlt wie °ichwillaufnArmundLeuteanschreien°. Und jede beschäftigte wie °ichwillbitteumgehendschlafenundDummheitenmachen°.
Ich meine, ganz ehrlich, wie machen das normale Menschen? Einen Haushalt, Miezen, Arbeiten, Sport, nicht durchdrehen, Leben? Und dann auch noch im November bei 4° und Schneeregen?
Ach ja. Die essen vielleicht etwas mehr. Und reden. Mit Menschen.

Pleonasmus


Als Kind meiner Eltern bin ich es ja gewohnt, über Klatsch und Tratsch Neuigkeiten aus dem engsten bis entferntesten Umfeld zu plänkeln informiert zu werden, statt Gespräche über persönliches Befinden oder gar psychische Verfassungen zu führen, was das Ganze auf der Metaebene doch irgendwie wieder interessant macht.
Neben einer kollektiven Suchtberatung würde ich zwar schon gerne meinen gesammelten Kopfsalat aus dem letzten Jahr vermitteln – zumal Rosa sich maximal ignoriert fühlt, während ich garnicht so unglücklich darüber bin, nicht permanent dazu gedrängt zu werden, doch Waffeln, Kuchen oder gezuckerten Kaffee zu konsumieren – aber so kann ich einfach lächeln und nicken und metamäßig den Kopf schütteln über all das, was sonst gute 700 Kilometer von mir entfernt stattfindet.

Jetzt, auf dem Rückweg in meine dunkelbunte Fluffblase, bin ich zwar sowas wie dankbar, dass mich die 3 Tage wenigstens vom vergangenen und bevorstehenden Katastrophentermin abgelenkt haben, aber noch viel mehr, dass mich daheim nicht nur drei Flauschemiezen, sondern auch Distanz erwarten.

Achja, außerdem: letzter Krümel SSRI.

Phantasmagorie

Auch, wenn ich jener Halbbekanntverwandten definitiv nicht begegnen werde, die auf der Beerdigung meiner Oma nichts besseres zum nicht menstruierenden Körper zu sagen wusste als °Hömma, schlank bisse!°, ist es vielleicht nachvollziehbar, dass ich nicht in Jubel verfalle, entgegen meinem festen Plan, diesen Urlaub nicht bei meiner Familie vorbeizuregnen, nun keine andere Wahl habe. Aus Gründen.
Die Frage, ob ich mir mit diesen Aussichten Prozente gönne, zerschellt an Rosa, die darauf verweist, dass Wirkstoffe bedeutend weniger Kalorien haben. Recht hat sie.
Immerhin entgehe ich so mal wieder einem Termin mit Frau Therapeutin. Ob das nach dem Katastrophentermin, der ebenfalls nächste Woche ansteht, so besonders schlau ist, wird sich zeigen.
Aber so kann ich wenigstens ihre dringende Empfehlung, beim Ausschleichen laaaangsaaaam zu machen, ganz unbehelligt ignorieren.
BrainZap. 2 Weeks to go.

Fluktuation

Ich entgleite mir ein bisschen. Nicht viel, glaube ich, aber der Jahreswechsel hat irgendwas mit mir gemacht. Vielleicht, weil ich langsam verstehe, wie dramatisch das für mich war. Wie viel es verändert hat.
So hat sich da neben dem fuck, ist das geil-Gefühl auch Rosa ein bisschen mehr wieder eingeschlichen – und wir arrangieren uns unauffällig. Der Parasit säuselt mir gelegentlich Cravings ins Ohr und omg, wie gerne ich ihn mit Prozenten zum Schweigen bringen würde.
Wir müssen wohl mal einen Stuhlkreis machen.