Brandopfer

Da eine Löschung unmöglich scheint und ich die Flammen schon wieder und seit zu langer Zeit nur mit Backburning bekämpfe, wundere ich mich nicht so richtig darüber, dass Körper auf den Stress nicht nur mit einem gepflegten kleinen Nervenzusammenbruch auf die Reste meines Teams, das trotz aller Bemühungen in immer kleinere Trümmerteile zerfällt, reagiert, sondern gerade auch keinerlei Kapazitäten zum Menstruieren zur Verfügung stellt. Stattdessen investiert er einen Teil seiner nicht-Energie in lustige Verdauungsbeschwerden – über die maximal Rosa sich freut – und anderen Körperkram, so dass ich heute nicht mal spazieren gehen mag. Das wiederum mag Rosa gar nicht, aber ich rede mich raus mit der Nähe der Sanitäranlage und dass ich ja schon einkaufen war, das Bad geputzt und das Erdgeschoss gestaubsaugt habe. Hm, sagt sie.

Mutausbruch

Manchmal* muss man son Team einfach mal am Stück zusammenfalten. Nicht, weil es vorher entfaltet war, sondern so zerknittert, das nur noch laut raschelt und einreißt, sobald man an einer Stelle was gerade rücken möchte. Mal gucken, wie lange es jetzt so hübsch verdattert da steht.

*also, heute. aus gründen. und in derart ungefilterter weise zum allerersten mal überhaupt in meiner funktion als teamleiterin.

Ascheregen

Ich warte auf die große Erkenntnis, die Erleuchtung oder wenigstens einen kleinen Nervenzusammenbruch. Stattdessen stehe ich meilenweit von Selbigem entfernt und es ist egal, ob ich mich setze oder nicht.
Weißt du eigentlich, wie wenig das war? fragt der Parasit und verweist auf die lächerlich kleine Quängelwarenflasche Vodka.
Weißt du eigentlich, wie viele Kalorien der Mist hat? fragt Rosa.
Weißt du eigentlich, wie bescheuert das ist? fragt Ratio.
Ja. sage ich.

Rosa versteht sich ausgezeichnet darauf, jeglichen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, in dem sie den Parasit aufweckt und anstachelt.

Der Parasit versteht sich ausgezeichnet darauf, jegliche Bedenken über Bord zu werfen und seine eigenen Interessen durchzusetzen.

Ratio versteht sich ausgezeichnet darauf, mir zu sagen, dass es einfach ist, alle Verantwortung auf EgoStates abzuschieben, die doch nur ein Teil meines Selbst sind und deren Entscheidungen am Ende immer die meinen sein werden.

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Eigenfrequenz

Du bist meine Wichsvorlage. Gut, das entspricht nicht ganz dem Wortlaut, aber am Ende ist es genau das, was er zu mir sagt – und auch wieder nicht.

Er ist einer dieser sehr wenigen Menschen in meinem Leben, zu denen ich einen Draht habe. Zu denen eine nicht erklär-, sondern nur fühlbare Verbindung besteht.
Seit wir uns kennen, sind wir flirty miteinander. Nichts, was ich normalerweise bin – schließlich bin ich grundsätzlich der Überzeugung, dass man mich maximal aufgrund körperlicher Attribute, denen ich mich nur durch strengste Restriktionen überhaupt annähern kann, interessant, geschweige denn attraktiv oder gar begehrenswert finden kann. Auch halte ich dieses flirty für pure Einbildung meinerseits und seine immer schon vorhandene Offenheit für nichts weiter als ein generelles Persönlichleitsmerkmal.
Bis diese Woche. Bis er mich fragt, ob er es sich einbildet, oder ob da was ist. Und Dinge sagt, über die ich nicht gedacht hatte, sie jemals von irgendjemandem zu hören.
Nichts, worauf ich vorbereitet war. So gar nicht.

Wir halten fest, da ist etwas. Plus zwei glückliche Ehen.

Äquilibrium

Kannste schon so machen, dann wirds halt kacke sagt Rosa und behält natürlich Recht.

Ich habe Rosa, den Parasit und die nicht näher definier- wie fassbaren Schatten diverser Anderer an den runden Tisch zitiert. Lagebesprechung.
Lage? Schief. Ziemlich schief. Sage ich und schon reden wieder alle wild durcheinander, was mir und der Lage nicht wirklich weiterhilft. Überfordert und überreizt ist mein Impuls, mir einfach die Augen und Ohren zuzuhalten – omg, es wäre so viel einfacher. So viel leichter. Aber wir würden am Ende halt doch wieder allesamt auf der Fresse liegen. Auch irgendwie doof.
Also blinzle ich mit einem Auge in das wirre Durcheinander, aber weil alle meine nur so semi vorhandene Motivation riechen können, fühlt sich natürlich niemand von meinem ach bitte, vielleicht könnten wir…? so richtig angesprochen.
Der Parasit ist der Überzeugung, sich nach der pandemisch äußerst fragwürdigen beruflichen Veranstaltung morgen anschließend wieder aktiv an mir beteiligen zu können. Rosa hält sich für die einzige Möglichkeit, die Zeit bis dahin zu überstehen – und auch darüber hinaus.
Beide wollen mich auf ihre Weise schützen – und wenn es das Letzte ist, was sie tun – und sehen nicht, dass ich das gleiche versuche.
Die Lage? Immernoch schief. Immer noch ziemlich schief.