Interiors

Etwas sehnsüchtig denke ich an die identisch medikamentierten knapp 13 Stunden Schlaf der vorigen Nacht zurück, als ich jetzt nach nicht einmal der Hälfte und noch mitten in der Nacht meine nur-so-semi-Wachheit darauf verschwende, gedanklich Dinge in meinem Leben zu ändern, statt Dinge in meinem Leben zu ändern.

Ausgedacht

Irgendwann im Laufe des Tages muss ich einen Tab geöffnet haben, der sich aufgehängt hat und jetzt geht er nicht mehr zu und mir auf den Keks.
Das Beste Mittel gegen solche Überflüssigkeiten wie Gefühle ist ja Konsum. Ablenkung. Wenn das gerade nicht per Arbeit, Sport oder anderweitiger mehr oder weniger körperaktiver Beschäftigung geht, ist Hunger und Essensplanung sehr willkommen, aber wenn das alles hübsch routiniert abgearbeitet ist, bleibt nur … °boingboingboing°

Und da endet mein gestern begonnener Blogpost, weil Schwarz samt ihrer Kreativität gemeinsam mit meiner Konzentration unter einem Bällebad – in eine Hüpfburg geschüttet – untergeht. Es war wohl etwas zu viel Koffein.
Aber weil ja heute immer noch Wochenende ist und damit mein Tagesplan dem gestrigen doch sehr ähnelt – gammeln, bitte nicht denken und noch viel weniger was fühlen – mache ich heute weiter. Mit weniger Koffein und dennoch erschreckend eingeschränktem Denkvermögen.

…, bleibt nur YouTube. Ich konsumiere munter Sinnlosigkeiten vor mich hin und warte darauf, dass der Tag vorüber geht. Aber der Tab ist immer noch offen. Und nervt. Weil da irgendetwas ist, was gedacht werden will, aber ich werfe einfach so viel Input in mich hinein, dass Ratio nicht dazu kommt, sich mal näher damit zu beschäftigen.

Kryostase

Ich hetze mir selbst hinterher und bin auf einer Treibjagd nach Erklärungen, die einfach mal so gar nichts daran ändern werden, was ist. Was für einen Unterschied macht es schon, ob nun Asperger, Borderline, Entwicklungstrauma, Hochsensibilität, Depression, Essstörung oder Anstellerei oben drüber stehen. Am Ende stehe ich doch wieder nur vor mir selbst und würde mich gerne umgehen. Gefühle wegmachen und negieren. Die Möglichkeiten sind zahlreich und erprobt, auch wenn Ratio weiterhin den Alkohol verbietet (der Parasit kann immer noch nicht fassen, dass wir die Möglichkeit heute nicht ausgenutzt haben).
Damit ich bei dieser Hatz über niemanden stolpere, der mir im Weg stehen könnte, liegen alle unnötigen Kontakte auf Eis. Social distancing deluxe. Ich ertrage keine Menschen, keine Fragen, keine Antworten oder gar Meinungen. Davon habe ich selbst genug, danke. Ist ja außerdem reine Selbstfürsorge, kann ich doch wenigstens so sicher sein, dass niemand mich verletzt oder gar grundlos verlässt.

Elementar

Orange schnurrt zufrieden vor sich hin und glänzt mit meinem Ego um die Wette, das sie unter den lobend-wohlwollenden Worten meines Chefchefs eifrig aus einer – sehr – verstaubten und vernachlässigten Ecke geborgen hat und fleissig poliert.
Rosa hebt irritiert eine Augenbraue und fragt sich gemeinsam mit mir, warum so ein bisschen Lob mich gleich unbesiegbar und größenwahnsinnig werden lässt, obwohl Rosa den ganzen Termin über nur gelangweilt in der Ecke saß und nichtmal dem Chefchef aus der Ferne zugewunken hat.
Jedenfalls meint mein Ego glänzenderdings nun plötzlich, es sei etwas wert und ich mache tatsächlich nicht alles falsch, was ich so anfasse. Weil mir das aber unheimlich ist, stelle ich es es lieber wieder zurück in seine Ecke, damit es langsam wieder einstauben kann und niemanden blendet.
Das schon vorher bestehende Vakuum in mir drin, was nun noch ein kleines bisschen leerer zu sein scheint, fülle ich mit der Vorfreude und dem schlechten Gewissen für ein neues Handy, was ich nicht wirklich brauche und dessen Füllstoff nach dem Unboxing verpufft – auch wenn es echt schick ist.

Dekompensation

Introducing Ratio.
Ratio ist der Teil von mir, der meist mit hochgezogen Augenbrauen neben mir steht und mich fragt, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Wenn ich überhaupt antworte, dann, dass ich mich nicht traue, nachzuschauen.
Auch wenn sie sich – wie ich auch – eigentlich immer fragt, °was würde ein:e Erwachsene:r jetzt tun?°, hat sie doch ein durchaus vernünftiges Wesen – aber kein wirkliches Durchsetzungsvermögen. Daran hat die Klinik nichts geändert, auch wenn sie da verdammt viel gelernt hat und mich dauernd damit nervt.
Also spiele ich nicht mehr mit ihr und schubse stattdessen lieber Rosa auf der Schaukel an und spendiere dem Parasit Förmchen für den Sandkasten.