Unheimlich


Das Gefühl, mich mehr um Schwarz kümmern zu müssen, kommt immer dann auf, wenn zu viele Worte und Halbsätze in meinem Kopf unterwegs sind, die sich ohne ihre Hilfe nur ähnlich leidenschaftslos zu einem Text zusammenfügen lassen, als würde man den Text eines Liedes ohne Melodie monoton und ohne jede Interpunktion vor sich hin lesen. Mag ich nicht.
Mit Rosa bin ich immer verbunden – mal mehr, mal weniger konstruktiv – und auch der Parasit ist – zu? – oft präsent, aber dadurch beherrschbar. Orange fügt sich auch ganz gut ein, hat aber gerade Urlaub. Nur Schwarz sitzt in einer Ecke, schaut zu Boden und sieht gelangweilt dem Staub beim Stauben zu. Und auch, wenn ich sie selbst oft genug für zu dunkel und verdreht halte, um alltagstauglich zu sein, hätte ich sie doch gerne ebenfalls näher bei mir. Zum Schreiben, und vielleicht auch ein kleines bisschen, um besser sehen zu können, was sie so treibt. Um zu wissen, zu fühlen, dass ich mich nicht nur selbst verarsche, sondern dass es tatsächlich ganz gut läuft. Trotz der Katastrophe und den ganzen anderen, ganz und gar ich lustigen Witzen, mit denen das Universum gerade um sich schmeißt.

Abserviert

Ich kann mich an jede einzelne Komponente meines Abendessens erinnern. Die Aubergine aus dem Ofen. Den Salat aus unserem Garten mit Galiamelone, Dill und Bockshornkleesprossen. Das Brot, einmal nackt, einmal mit veganem Aufstrich und einmal mit Hüttenkäse, Senf und Kresse. Und dem winzigkleinen Streifen Almkäse direkt vom Erzeuger, den ich erst geschlagene fünf Sekunden angstarre, bevor ich ihn von Schatz annehme und ihn auch auf mein Brettchen lege.
Ich weiß auch, wie ich alles esse und wie es schmeckt. Die Aubergine. Der Salat. Das Brot. Den Käse dagegen hat mein Gehirn gelöscht. Ich weiß, wie ich ihn in die Hand nehme. Und wie ich anschließend das nackige Brot esse. Und wie es schmeckt. Dazwischen? Nichts. Deleted.
Wenigstens zickt Rosa dann nicht so rum.

Eisprinzessin

Spröde Stabilität. Wie könnte ich das aufgeben, wenn ich nicht weiß, was passiert, wenn ich auftaue. Nicht weiß, ob ich einfach zerfließe und im Staub versickere. Nicht weiß, ob ich einfach verdampfe und mich im Nebel auflöse.
Mich ergefroren zu halten, auch wenn ich weiß, dass jeder, der mich berührt, eine Gänsehaut bekommt, scheint daher der einzig sinnvolle wie mögliche Weg.

Selbstlos

Das konstruierte Selbst, dieses Konstrukt aus Rationalität und Wissen um das, was es tut und welche Konsequenzen es haben kann, zerfällt in der Dunkelheit zu Staub wie ein Vampir im Sonnenlicht. Übrig bleibt ein aschiger Hauch, eine Patina auf dem, was mir ureigen ist. Alles, was im Licht sinnvoll, vernünftig und logisch erscheint, ist nichts mehr, wenn die Nacht beginnt. Logik wird ausgehebelt, Konsequenzen werden negiert. Das Fühlen zählt, nicht das Wissen. Und Fühlen ist nicht bereit zu dem, was das Wissen wollen will.

Schatten

Schwarz hat, was sie will. Mich, in einem verdammt dunklen Loch, dessen Grund die Sonne, die draußen scheint, nicht einmal ansatzweise erreicht.
Wir kauern zusammen dort unten und diskutieren, ob wir trotzdem spazieren gehen sollen oder stattdessen lieber nach der Rasierklinge suchen, während ich mich immer noch frage, warum ich heute überhaupt aufgestanden bin.

Wie gerne würde ich mich in die Sonne stellen und den Vögeln zuhören, die Bienen beobachten. Aber von hier unten geht das nicht, und anstelle von Bedauern fühle ich nichts.
Heute überrascht mich nicht, denn es ist ja nicht so, als hätte ich die Zeichen, die Schwarz mir die ganze Woche über schon alles andere als dezent mit einem Zaunpfahl um die Ohren gehauen hat, nicht bemerkt. Sie waren mir nur einfach egal.
Eine sarkastische Gedankenstimme meldet sich mit den Worten Wie praktisch, dass du am Montag noch deinem tollen neuen Hausarzt erzählt hast, dass es dir „ganz gut“ geht und du schlafen kannst. Ich antworte nichts, während unzusammenhängende Satzfetzen wie wollte nicht jammern, Vertrauen ist doch nicht so einfach wie gedacht und hoffentlich mag er mich auftauchen.

Ich weiß nicht als Antwort auf alle (un)gestellten Fragen.

Still.Stand.

In Filmen gibt es manchmal diese Szenen, dass der Protagonist in einer Menschenmenge steht und alles ganz schnell abläuft, während er still in der Mitte steht. So fühle ich mich gerade. Alles rundherum verschwimmt, passiert, während ich da stehe und versuche, irgendwie das Chaos in meinem Kopf zu sortieren und den Anschluss nicht zu verlieren – was beides nicht so richtig gut funktioniert.

Ich habe sehr schlecht geschlafen. Kopfschmerzen kommen und gehen in Wellen. Ich kann nicht richtig denken, alles ist so … chaotisch. Ich habe mich krank gemeldet und kämpfe mit meinem schlechten Gewissen, wie ich es immer tue in solchen Situationen. Dabei wäre die Stunde Autofahrt heutefrüh wirklich nicht sinnvoll gewesen, das sehe ich sogar ein. Trotzdem. Hätte mir ja auch einfach frei nehmen können, Stunden habe ich ja genug.

Zusätzlich habe ich gerade nicht das Gefühl, Schatz sonderlich unterstützen zu können, weil ich viel zu sehr damit beschäftigt bin, um mich selbst zu kreisen. Dabei passiert all das ihm, ich bin nur eine Randfigur.

Die Katastrophe ist nicht vorbei. Aber mein Leben fühlt sich gerade so an.