Schatten


Dass am Anfang der Woche neben dem Muskel- auch ein Hirnrelaxans in meine Körperchemie eingreift, fühlt sich abseits von °fluff° ausnehmend beschissen an, weil ich nicht nur meinen halben ersten Urlaubstag in geistiger Umnachtung verbringe, sondern auch das zu oft zu ausgereizte Vertrauen von Schatz zerknülle und in eine Ecke schmeiße, die es nicht verdient. Weder die Ecke, noch das Vertrauen – geschweige denn, Schatz.
Ratio weint ein bisschen und die Tsunami-Ausflucht glaube ich angesichts parasitärer Grundgedanken nicht einmal selbst.

Den heutigen Tag verbringen wir – nach getaner Vorbereitung zur fachgerechten Beobachtung und Dokumentation der geweissagten nebst alltäglich üblichen Sonnenverdunkelung durch den selbst bewohnten wie lunaren Himmelskörper – in Wartestellung, was der Parasit zum Anlass nimmt, weitschweifige Fantasien und Wünsche Forderungen zu teilen. Nur mit mir, versteht sich, aber Ratio ist mindestens genauso penetrant und beharrt auf ihr mein Recht, das anstehende Phänomen nüchtern zu betrachten. Nüchtern betrachtet phänomenal. Ich lache später.

Glut

Ich halte mein Verantwortungs-Los in der Hand und fühle mich wie eine Niete. Die Welt brennt, heiß ist es auch und ich frage mich, wie man das alles eigentlich erträgt und nebenbei auch noch ein Leben führen soll. Mangels ausreichenden Führungsqualitäten streite ich in meinem Kopf seit Tagen, wer nun die besseren Argumente hat – der Parasit, der neben Klingen auch mit dem Wissen um eine vorhandene Quelle an Substanzen wirbt, oder Ratio, die wirklich wirklich von beidem abrät und dann auch noch mit Perspektivwechseln daher kommt. Nüchtern betrachtet ein durchschnittlicher Sonntag.

Paralyse

Musik rauscht gemeinsam mit anderen Substanzen durch meinen Körper und beides zusammen hüllt mich in eine flauschig weiche Wolke aus Babyeinhornfell, die ich seit drei Tagen suche und heute endlich finde. Und ich liebe alles daran.
Gestern erwähne ich beiläufig meine erfolgte Selbstmedikation (ohne den Hinweis der doppelten Dosis im Vergleich zum Vortag, die einfach mal so gar nicht zündete) – zum Glück vor dem Filmriss, der erst einsetzt, als ich bereits schlafe, später angelöffelt werde und Schatz daraufhin mit Unsinnigkeiten vollquatsche.
Als ich heute immerhin schon einen Hauch der antreibenden Wirkung der von Ratio verordneten Glüxbarchi-Erhöhung zu verspüren meine, hoffe ich auf ein baldiges Mehr, als mir mein Suchtgedächtnis in den Rücken und ich aus versehen mit wühlenden Händen in den Medischrank falle – die Beiden am Boden befindlichen vergessenen Überreste füttern nun das Einhorn.
Ratios Blick ist ziemlich eindeutig not amused. Und das nicht nur wegen Flausch, sondern auch wegen Rosa, die aufgrund der Anzeige auf der Waage ein Dauergrinsen aufgesetzt hat und Grau, die ihr dauernd im Weg liegt – einfach weil sie es kann.

Elektiv

Ratio macht ihren Job geradezu ekelhaft gut und lässt sich ausgesprochen standhaft nicht davon abbringen, mich nicht zum Sport zu lassen, weil es sich seit über einer Woche eine nicht unerhebliche Erkältung in mir gemütlich gemacht hat. Mein Immunsystem nimmt – im Gegensatz zu Rosa und mir – scheinbar keinen besonderen Anstoß an der pathogenen Sportbremse und chillt stattdessen eher unmotiviert vor sich hin.
Als erstes Symptom möglicher Genesung bildet sich ausgerechnet cerebrale Exzitation wieder zur prävirulenten Ausprägung aus, deren Impulse zwar weitgehend an Ratio zerschellen, aber nicht gerade zur Entspannung beitragen, so dass ich mir das °doofdankbrainfog° zurückwünsche. Rosa untergräbt Ratio indes, wo sie kann, aber außer Frühstück und Snackgemüse skippen ist dennoch nichts drin, was über einen Sonnenspaziergang hinaus geht. An Hass grenzende Feindseligkeit schweißt uns zusammen, Rosa und mich.

Elegie

Tristesse kann wohl als definierendes Merkmal der aktuellen Lunation festgehalten werden, betrachtet man den mindestens zu zwei Drittel herrschenden Novembernebel und andere Dinge. Neben kopfschüttelndem Weltschmerz-möv´q ist Wetter-möv´q immerhin etwas, dem ich dank naheliegender Orogenese immerhin zeitweise entkommen kann, so dass nicht all meine Ressourcen dafür draufgehen, nicht draufzugehen.
Dabei ist es an Tagen wie heute, an denen die Hummeln in meinem Hintern das Aufheitern der hiesigen Beleuchtungssituation offensichtlich bedeutend eher ahnten und schon am Morgen ein nervöses, ungerichtetes Summen in Körper verursachten, eigentlich ja ganz okay, so mit Unbesiegbarkeitsüberzeugung durch die Gegend zu laufen – wäre da nicht auch Ratio, die meine Getriebenheit gerne sezieren würde, nur um mir dann das Ergebnis mit °kümmerDichdrum!° um die Ohren zu hauen. Dabei zeigt sie vorwurfsvoll auf das Resultat des nicht mehr so kürzlich stattgefundenen, intensiven und visuell aufwändigen schematischen Aktivismus und drängt auf Neufokussierung.

Reminiszenz

Als ich mit Schatz bei ebenjenem Herrn Psychiater bin, der mich vor zwei Jahre mit seiner eher unterdurchschnittlich erfolgreichen Idee, das Glüxbärchi zu wechseln, in die Psychiatrie brachte, um bei ihm einen Termin zu vereinbaren, stellt sich meine Erinnerung an den Behandlungsraum wie vermutet als entfernt dar. Zwar war ich mir vorher schon ziemlich sicher, dass der Stuhl, auf dem ich damals saß, nicht in zehn Metern Distanz zu seinem Schreibtisch steht, sehe mich aber nun bestätigt – auch wenn sich das Bild in meinem Kopf dadurch keinen Millimeter ändert.

Nachdem das jetzige, psychiatriegetestete Glüxbärchi auch aktuell tut, was es soll – wenngleich auch mit etwas weniger Schmackes als am Anfang, was immerhin der Orgasmusthematik entgegenkommt – bedarf es neben einem neuen Rezept auch belastbarer Informationen zur längerfristigen Einnahme, auch wenn ich die in meinem Kopf – natürlich – bereits wieder zu relativieren beginne.