Signalstärke

Nach dem Stress der letzten Wochen, in denen auf eine Pilzinfektion erst das Ausbleiben meiner Menstruation und dann eine Blasenentzündung folgten, ist meine Mama erneut zu Besuch. Du siehst gut aus! sagt sie. Siehste! sagt Rosa, die am nächsten Morgen mit mir das neue Tiefstgewicht seit meiner Entlassung bewundert.

Wir essen jetzt trotzdem mehr und ich bin ein kleines bisschen stolz auf Rosa, dass sie einigermaßen brav mitzieht.

Lumen

Rosa strahlt, weil wir an dem Tag, an dem wir die selbst gesetzte Minimalgrenze auf der Waage unterschreiten, auch unsere Menstruation hätten bekommen sollen. Die hustet aber nur kurz und ich bin über mich selbst erstaunt, als ich ein ernstes Gesicht aufsetze und Rosa erkläre, dass Husten gerade garnicht gut ankommt.
Betreten schaut sie auf ihre Füße und murmelt ein leises Ups vor sich hin, während ich – immer noch erstaunt – an höhere Fettzufuhr denke.
Und weil ich Rosa nicht böse sein möchte und sie gut verstehen kann – erst der Besuch* meiner weiterhin diätenden Mama, die vieles nicht versteht, dann der von furchtbar krampfig-oberflächlichen Gesprächen dominierte Besuch* von Papa und anschließend der wundertolle, aber körperlich anstrengende Besuch* sehr lieber Freunde innerhalb von nur 3 Wochen – machen wir uns gemeinsam an die richtige Planung.
Ein paar Kalorien mehr – und Mandelmus. Das ist der Deal. Rosa findet das zwar eher so semi, aber sie ist auch erstaunlich einsichtig und froh, dass sie die Küchenwaage dennoch weiter exzessiv benutzen darf.

Ich bin ein bisschen stolz auf uns.

*Besuch in einer Urlaubsregion, in der wir wohnen, heißt für andere genau das: Urlaub. Für uns ist das eher so: wah, Menschen.

Erwähnenswertes

.kein Pflaster
.keine Notwendigkeit für eines
.eine seit 1 1/2 Wochen auch an Schatz kommunizierte Kaloriensteigerung
.Rosa, die sich freut, dass es dennoch zu wenig sein und weiterhin hübsch kontrolliert wird
.ich, die ich den wahrscheinlich bloß zyklisch bedingten Fast-Stillstand auf der Waage kritisch beäuge

Anastomose

Ich bin irritiert. Die Diskussion, die keine war, klingt noch nach in meinem Kopf, als ich plötzlich rede. Mich öffne, wenn auch nur eine Winzigkeit, aber seit langem erstmals wieder im nicht selbstschädigenden Sinne. Dabei bin ich nicht mal betrunken. Was mich zusätzlich erstaunt. Und Angst macht. So viel.
Vielleicht ist es das Verständnis, auf das wir stoßen, dass Rosa und den Parasit perplex verstummen lässt. Und nicht nur mein, sondern auch Schatz‘ Zugeständnis, dass niemand jetzt gleich und für immer weg muss, niemand zum Gehen gezwungen wird, sondern dass Babyschritte okay sind. Und wir einfach schauen, wie sich die Dinge entwickeln, wenn ich nur ein ganz bisschen mehr Verbindung zulasse.
Scheiße, ist das gruselig.

Abnorm


°Triggerwarnung°

Manche Entscheidungen müssen einfach getroffen werden. Nicht, weil man sich für oder gegen etwas entscheiden will, sondern weil… Weil halt. Und so entscheide ich mich. Suche nicht weiter nach ambulanten Therapeuten, halte Rosa weiter ein bisschen zu viel an der einen Hand und den Parasit an der anderen. Ich habe keine Lust mehr darauf, zu Warten und gehe stattdessen langsam, aber beständig, rückwärts, während ich versuche, es nach Babyvorwärtsschritten aussehen zu lassen. Auch für mich. Besonders für mich.

Zu sagen, es hat sich verselbstständigt, wird der Sache irgendwie nicht gerecht. Aber anders kann ich trotzdem nicht erklären, warum ich seit nunmehr fast 5 Wochen außerhalb der Klinik die Tage, an denen ich kein Pflaster an teilweise deutlich mehr als das verlangenden Wunden am Arm habe, im einstelligen Bereich ansiedeln muss.
Dabei bin ich meine eisenmangelbedingten Restless-Legs gerade munter vor mich hin supplementierend losgeworden, als heute wieder einmal ein Upsmoment unter der Dusche entsteht, der so nicht ganz geplant, aber auch nicht unwillkommen ist. Tiefschürfend.