Ausgedacht

Irgendwann im Laufe des Tages muss ich einen Tab geöffnet haben, der sich aufgehängt hat und jetzt geht er nicht mehr zu und mir auf den Keks.
Das Beste Mittel gegen solche Überflüssigkeiten wie Gefühle ist ja Konsum. Ablenkung. Wenn das gerade nicht per Arbeit, Sport oder anderweitiger mehr oder weniger körperaktiver Beschäftigung geht, ist Hunger und Essensplanung sehr willkommen, aber wenn das alles hübsch routiniert abgearbeitet ist, bleibt nur … °boingboingboing°

Und da endet mein gestern begonnener Blogpost, weil Schwarz samt ihrer Kreativität gemeinsam mit meiner Konzentration unter einem Bällebad – in eine Hüpfburg geschüttet – untergeht. Es war wohl etwas zu viel Koffein.
Aber weil ja heute immer noch Wochenende ist und damit mein Tagesplan dem gestrigen doch sehr ähnelt – gammeln, bitte nicht denken und noch viel weniger was fühlen – mache ich heute weiter. Mit weniger Koffein und dennoch erschreckend eingeschränktem Denkvermögen.

…, bleibt nur YouTube. Ich konsumiere munter Sinnlosigkeiten vor mich hin und warte darauf, dass der Tag vorüber geht. Aber der Tab ist immer noch offen. Und nervt. Weil da irgendetwas ist, was gedacht werden will, aber ich werfe einfach so viel Input in mich hinein, dass Ratio nicht dazu kommt, sich mal näher damit zu beschäftigen.

Kryostase

Ich hetze mir selbst hinterher und bin auf einer Treibjagd nach Erklärungen, die einfach mal so gar nichts daran ändern werden, was ist. Was für einen Unterschied macht es schon, ob nun Asperger, Borderline, Entwicklungstrauma, Hochsensibilität, Depression, Essstörung oder Anstellerei oben drüber stehen. Am Ende stehe ich doch wieder nur vor mir selbst und würde mich gerne umgehen. Gefühle wegmachen und negieren. Die Möglichkeiten sind zahlreich und erprobt, auch wenn Ratio weiterhin den Alkohol verbietet (der Parasit kann immer noch nicht fassen, dass wir die Möglichkeit heute nicht ausgenutzt haben).
Damit ich bei dieser Hatz über niemanden stolpere, der mir im Weg stehen könnte, liegen alle unnötigen Kontakte auf Eis. Social distancing deluxe. Ich ertrage keine Menschen, keine Fragen, keine Antworten oder gar Meinungen. Davon habe ich selbst genug, danke. Ist ja außerdem reine Selbstfürsorge, kann ich doch wenigstens so sicher sein, dass niemand mich verletzt oder gar grundlos verlässt.

Elementar

Orange schnurrt zufrieden vor sich hin und glänzt mit meinem Ego um die Wette, das sie unter den lobend-wohlwollenden Worten meines Chefchefs eifrig aus einer – sehr – verstaubten und vernachlässigten Ecke geborgen hat und fleissig poliert.
Rosa hebt irritiert eine Augenbraue und fragt sich gemeinsam mit mir, warum so ein bisschen Lob mich gleich unbesiegbar und größenwahnsinnig werden lässt, obwohl Rosa den ganzen Termin über nur gelangweilt in der Ecke saß und nichtmal dem Chefchef aus der Ferne zugewunken hat.
Jedenfalls meint mein Ego glänzenderdings nun plötzlich, es sei etwas wert und ich mache tatsächlich nicht alles falsch, was ich so anfasse. Weil mir das aber unheimlich ist, stelle ich es es lieber wieder zurück in seine Ecke, damit es langsam wieder einstauben kann und niemanden blendet.
Das schon vorher bestehende Vakuum in mir drin, was nun noch ein kleines bisschen leerer zu sein scheint, fülle ich mit der Vorfreude und dem schlechten Gewissen für ein neues Handy, was ich nicht wirklich brauche und dessen Füllstoff nach dem Unboxing verpufft – auch wenn es echt schick ist.

Ascheregen

Ich warte auf die große Erkenntnis, die Erleuchtung oder wenigstens einen kleinen Nervenzusammenbruch. Stattdessen stehe ich meilenweit von Selbigem entfernt und es ist egal, ob ich mich setze oder nicht.
Weißt du eigentlich, wie wenig das war? fragt der Parasit und verweist auf die lächerlich kleine Quängelwarenflasche Vodka.
Weißt du eigentlich, wie viele Kalorien der Mist hat? fragt Rosa.
Weißt du eigentlich, wie bescheuert das ist? fragt Ratio.
Ja. sage ich.

Rosa versteht sich ausgezeichnet darauf, jeglichen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, in dem sie den Parasit aufweckt und anstachelt.

Der Parasit versteht sich ausgezeichnet darauf, jegliche Bedenken über Bord zu werfen und seine eigenen Interessen durchzusetzen.

Ratio versteht sich ausgezeichnet darauf, mir zu sagen, dass es einfach ist, alle Verantwortung auf EgoStates abzuschieben, die doch nur ein Teil meines Selbst sind und deren Entscheidungen am Ende immer die meinen sein werden.

by http://www.anna-cosma.de

Gravastern

In meinem Innersten ist ein Loch. Ein finsteres Vakuum, das wer weiß wann vor sich hin entstanden, im Kern offensichtlich nie verschwunden und langsam wieder kanzerös vor sich hin gewachsen ist. Inzwischen ist es größer als Rosa und der Parasit zusammen. Größer als ich.
Sanft umschlossen von einer watteweichen Glüxbärchi-Wolke fällt die Schwärze des Lochs, die im Innern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben wird, kaum auf. Aber so sehr ich auch hineinschauen, es füllen mag – einfach mit irgend etwas – , ich habe keinen Zugriff. Es verweigert sehr vehement jeden Versuch, es zu ergründen. Weghungern. Funktioniert nicht. Rausschneiden. Auch nicht. Beides zusammen. Ist zwar irgendwie geil, bringt mich aber auch nicht weiter.
Der Parasit redet mir den heimlichen Kauf von Vodka schön, indem er mir verspricht, dass ich dann bestimmt einen Blick hineinwerfen kann, in das Loch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es mich aufsaugt. Und plane, wann ich trinken kann.

Brachland

Der Schlag in die Magengrube treibt mir die Luft aus den Lungen, so dass es nicht für mehr als ein lautloses Wimmern reicht. Mein Kopf dröhnt und ganz viel NichtGefühl verknotet sich zu maximaler Verwirrung, die mich in Ketten legt.
Etwas weint. Verzweifelt, unartikuliert. Kein Wunder, is es doch erst etwas älter als ein Jahr und Sprache ist noch so unbedeutend.
Wieder wird es abgewiesen. Wieder wird es nicht gesehen. Wieder wird es enttäuscht, weil es offensichtlich nichts zu geben scheint, was Beachtung verdient.
Und wieder ist Rot einfach nur so hilflos, dass sie Rosa und den Parasit – vorallem den Parasit – weiter anstachelt und um Sichtbarkeit bettelt.

Wieder stolpere ich über die Dinge, die ich nicht bekomme und nicht artikulieren kann, weil es doch keine Worte dafür gibt. Weil Sprache keine Bedeutung hat. Weil nur und ausschließlich Körperlichkeit zählt.

Ich will flüchten und mich unsichtbar machen, Kontakte beenden und dramatisch und blutüberströmt sein.