Pulsar

Die Welt ist aus- und ich eingesperrt. Ich bin auf der Suche nach Gründen, um weiterzumachen, egal in welche Richtung, aber mein Kompass ist kaputt. Rosa hält ihm einen Magneten vor die Nase und ich folge ihm blind, trotz nahezu angstvoll geweiteter Augen, weil es mir angesichts der Alternativen alternativlos erscheint.
Ich weiß, wo es endet, doch es ist mir egal. Es ist das Leben, was Angst macht.

Windspiel

Mich aufsammeln ist die Antwort auf die Frage vom Chef, was ich denn in meinem Urlaub so vorhabe. Passend dazu heule ich ihm eine halbe Stunde später ins Telefon und er verbringt über eine Stunde damit, meinen zur Singularität eingeschrumpften Blick wieder zu so etwas wie einem Horizont zu erweitern.
Die weltpolitische Lage ist allerdings ziemlich gut darin, selbiges – wenn auch mit anderem Fokus – postwendend zu invertieren. Aber das nur nebenbei.
Heute, an diesem leider nicht mehr palindromen Tag, zeigt mir Rosa außerordentlich stolz das Wiegeergebnis mit einem neuen alten Zehnerschritt vorndran. Ich weiß noch nicht so genau, wie ich das finde und schwanke zwischen absolut großartig und Alter! wie blöd kann man eigentlich sein.
Das. Ist. Irrsinn!
Kann man jetzt für alles Mal so stehen lassen.

Betäubungsmittel

Die Katastrophe geht in die nächste Runde. Anklageschrift. Ich. Raste. Aus.

Der Parasit schaut nach unserem Klingenvorrat und zeigt sich nur halb zufrieden, aber beruhigt. Er muss etwas geahnt haben, höre ich doch schon seit Tagen das helle Trippeln und Kratzen seiner Klauen von innen an an meiner Schädeldecke.

Rosa findet ebenfalls, dass wir dringend etwas tun müssen, weil Knochen nunmal hübsch sind und wir ja auch nicht ewig so viel essen können, dass es fast reicht. Außerdem könnten bräuchten wir dann nicht mehr so viel Denken, was wirklich wirklich toll wäre. Achja, und uns nicht um den Angeklagten kümmern, ist ja lästig.

Sport. Kann ich bitte Sport machen? So von jetzt bis Montagmorgen, bis ich wieder arbeiten kann? Körper soll sich nicht so anstellen, wer braucht schon Menstruation, wenn es Rosa Parasiten gibt, mit denen man den Tag füllen kann.

Ich wollte wirklich meinen Alltag reflektieren. Und warum ich mich nicht nicht bewegen kann und Zucchinis wiege und überteuerte Klamotten und Nahrungsmittel und Energydrinks kaufe, um Löcher zu füllen. Jetzt habe ich eine super Ausrede. Und keinen Alkohol, was wirklich wirklich bedauerlich ist.

Boykott

Rosa weint und bettelt. Ich nehme sie in den Arm, kann aber ihre Tränen nicht trocknen, weil ich ihr stattdessen selbst die Haare nass heule.
Körper schmerzt munter vor sich hin. Nicht nur von drölfzig Litern Wassereinlagerungen und gereizten Sehnen in den Füßen und anderswo, sondern auch vom Muskelkater meiner nicht autorisierten Sporteinheiten, so dass ich nichtmal öffentlich jammern darf.
Ich mache Hausaufgaben: Körper bewusst und so lange eincremen, bis die Anspannung sinkt. Ich höre auf, als ich heulen muss und trete mein Körperbild endgültig für mindestens den Rest des Tages in die Mülltonne. Schwitze lieber beim Spaziergang in der Sonne, als meine Jacke auszuziehen und Körperformen sichtbar zu machen.
Schatz fragt, wie ich meinen Therapiefortschritt sehe, und ich frage nur, welchen?
Körper regeneriert so vor sich hin, auch wenn er damit noch nicht fertig zu sein scheint und meinen Zyklus nach wie vor für überflüssig hält – ausnahmsweise mal etwas, wo ich ihm nur zustimmen kann.
Blut fließt meinen Arm entlang – wieder einmal – und ich spüre nichts. Für einen Moment auch nicht Körper. Ziel erreicht. Bedauern mischt sich mit Resignation. Viel Resignation.
Zwei Wochen noch – vielleicht drei, falls die Krankenkasse zustimmt – und ich verspreche Rosa, dass wir wieder mehr zusammen machen. Sport zum Beispiel. Restringieren. Uns Halt geben und GrauSchwarz den Saft abdrehen. Überleben.