Hüllenlos

Vielleicht war es absehbar, betrachtet man die Tatsache, dass ich den ersten Abend vor der Wiedereingliederung mit missbräuchlichem Medikamentenkonsum ins Bett gehe. Anders scheint es mir unmöglich, in der Nacht vor der anstehenden 4-Tage-Woche mit Pause am Mittwoch auch nur ein Auge zuzumachen.
Jedenfalls dämmert mir nicht erst seit der Notwendigkeit einer halben Tavor am gestrigen Abend (nach einem 2-Stunden-Arbeits-und-den-Rest-des-Tages-skillen-müssen-wie-blöd-Tag), dass es möglicherweise noch nicht funktioniert.
Fragen wir nächste Woche mal Herrn Hausarzt, wie er das Ganze einschätzt.

Halbwertszeit

Ich zerfalle in meine Einzelteile. Löse mich auf in der Diagnose und weiß immer weniger, wer ich eigentlich bin – geschweige denn, sein will.
EgoStates liegen welk um mich herum verteilt wie abgerissene Blütenblätter einer Blüte, die nie existiert hat. Die nie eine Einheit war und ich habe keine Ahnung, wie ich all das wieder zu etwas Sinnvollem verbinden soll. Zu etwas Einheitlichem.
Die Frage, ob ich je wieder ein Team leiten kann – und will – , wenn nicht einmal ich zusammenpasse, hüllt mich in schweren Nebel, der mich bis auf die Knochen durchnässt und zu Boden drückt. Bewegungsunfähig. Zwischen Entscheidungen, die nur begrenzt in meinen Handlungsspielraum fallen und Symptomen, die nun zwar einen Namen, aber noch keine Lösung haben. Einzementiert.

Inszenierung

Wenn ich mich abends ausziehe und zu dem werde, was ich behaupte, nicht zu sein, fühlt sich der Rest meines Tages an, wie ein Film.
Orange spielt eine der Hauptrollen, glänzt vor sich hin und glaubt erstaunlicherweise, was sie da so von sich gibt. Andere auch, die sich durch ihr abgeklärtes Auftreten überzeugen lassen und mit glauben.
In der zweiten Hauptrolle mein funktionierendes Alltags-Ich. Auch das erzählt überzeugt von Dingen – glaubt sie aber im Gegensatz zu Orange nicht daran, sondern lügt einfach munter vor sich hin. Weniger abgeklärt, aber scheinbar dennoch leidlich überzeugend.
Rosa? Suffliert dann am Abend den unausgesprochen Subtext, der mein eigentliches Handeln bestimmt.

Unwucht

Ich frag mich manchmal echt, wo Orange ihr Selbstbewusstsein hernimmt. Rockt die Arbeit, glänzt vorm Chef und bildet sich auch noch ein, an dem ganzen Scheiß zu wachsen.
Wo immer sie es bei Feierabend wegschließt, ich habe keine Ahnung – und keinen Schlüssel.
Mein Plan funktioniert jedenfalls ganz hervorragend und irgendwie freue ich mich fast noch mehr als Rosa, Chef bald mal wieder persönlich über den Weg zu schweben und meinen bisherigen Erfolg zu demonstrieren.
Und da ist ja dann die Leichtigkeit der bald anstehenden zwei Wochen °sturmfrei° noch nicht mit eingerechnet.
Ein Traum. Nicht.

Windspiel

Mich aufsammeln ist die Antwort auf die Frage vom Chef, was ich denn in meinem Urlaub so vorhabe. Passend dazu heule ich ihm eine halbe Stunde später ins Telefon und er verbringt über eine Stunde damit, meinen zur Singularität eingeschrumpften Blick wieder zu so etwas wie einem Horizont zu erweitern.
Die weltpolitische Lage ist allerdings ziemlich gut darin, selbiges – wenn auch mit anderem Fokus – postwendend zu invertieren. Aber das nur nebenbei.
Heute, an diesem leider nicht mehr palindromen Tag, zeigt mir Rosa außerordentlich stolz das Wiegeergebnis mit einem neuen alten Zehnerschritt vorndran. Ich weiß noch nicht so genau, wie ich das finde und schwanke zwischen absolut großartig und Alter! wie blöd kann man eigentlich sein.
Das. Ist. Irrsinn!
Kann man jetzt für alles Mal so stehen lassen.

Ausrutscher

Irgendwo hat Körper scheinbar doch noch ein einsames Hormon gefunden und rotzt mir heutefrüh tatsächlich meinen Zyklus Extended Version vor die Füße.
Die biologische Notwendigkeit verstehe ich nach wie vor nicht und das Timing. Nunja. Gebrauchen kann mans eh nie.
Rosa jedenfalls hält es für persönliches Versagen. Und was soll ich sagen, I feel you.