Mankei

Es geht mir gut, auch wenn es da ein mehr oder weniger scharf abgegrenztes Aber gibt, das ständig vor mir im Weg rumsteht.
Eigentlich steht es da ja ganz gut, weil es auf dem unheimlich anmutenden Loch steht, in das ich garnicht so genau reinsehen möchte. Aber Loch und Aber sind auch ziemlich anhänglich, so dass ich sie fast immer im Blickfeld habe, außer wenn ich etwas mache. Egal was, hauptsache es ist was mit Bewegung. Wandern, Spazieren, Studio. Aber Abends ist das Aber dann meistens ziemlich angepisst und fragt mich mit hochgezogener Augenbraue und einem passiv-aggressiven Unterton, ob ich nicht vielleicht auch einfach mal Nichts machen könnte. So richtig echt gammeln. Und abends stimme ich überzeugt zu, mit dem festen Willen, den Wecker heutefrüh nur und ausschließlich dazu zu nutzen, Schatz zu sagen, dass ich nicht aufn Berg latschen, sondern den Tag im Bett oder maximal auf der Couch verbringen möchte – muss! – weil die sonst weint und sich nutzlos fühlt.
Aber dann geht der Wecker und es ist früh und Sommer und die schönste aller Tageszeiten und ich habe Energie und Lust und hey, es ist halt schön aufm Berg! Also gehen wir, sehen handgroße Libellen, flauschige Murmeltierhintern und keine Gämsen, aber davon hatten wir dafür beim letzten Mal schon Vier und unser Kontingent ist wahrscheinlich damit erst einmal erschöpft. Ja, es ist verdammt scheißschön aufm Berg.
Und jetzt kann ich gammeln. Keinen ganzen Tag, nichtmal einen halben, aber das Aber wird ein bisschen kleiner und es scheint etwas Sonne ins Loch. So gruslig ist es garnicht. Ich muss nur ab und zu mal reinsehen.

Lumen

Rosa strahlt, weil wir an dem Tag, an dem wir die selbst gesetzte Minimalgrenze auf der Waage unterschreiten, auch unsere Menstruation hätten bekommen sollen. Die hustet aber nur kurz und ich bin über mich selbst erstaunt, als ich ein ernstes Gesicht aufsetze und Rosa erkläre, dass Husten gerade garnicht gut ankommt.
Betreten schaut sie auf ihre Füße und murmelt ein leises Ups vor sich hin, während ich – immer noch erstaunt – an höhere Fettzufuhr denke.
Und weil ich Rosa nicht böse sein möchte und sie gut verstehen kann – erst der Besuch* meiner weiterhin diätenden Mama, die vieles nicht versteht, dann der von furchtbar krampfig-oberflächlichen Gesprächen dominierte Besuch* von Papa und anschließend der wundertolle, aber körperlich anstrengende Besuch* sehr lieber Freunde innerhalb von nur 3 Wochen – machen wir uns gemeinsam an die richtige Planung.
Ein paar Kalorien mehr – und Mandelmus. Das ist der Deal. Rosa findet das zwar eher so semi, aber sie ist auch erstaunlich einsichtig und froh, dass sie die Küchenwaage dennoch weiter exzessiv benutzen darf.

Ich bin ein bisschen stolz auf uns.

*Besuch in einer Urlaubsregion, in der wir wohnen, heißt für andere genau das: Urlaub. Für uns ist das eher so: wah, Menschen.

>Q|s|u|n|a|i|s|e|i|M<

Selbstwert und Stimmung stehen sorgfältig austariert, aber nicht besonders sicher auf den tönernen Füßen von Arbeit und Sport, während ich aufmerksam darauf achten muss, dass Rosa und der Parasit nicht plötzlich los- und alles über den Haufen rennen.
Ich bin mir selbst nicht sicher, ob es bloß ein Quasi ist und Rosa mich nicht äußerst geschickt an der Nase herum führt, oder doch einfach mein Weg, meine Babyschritte in die richtige Richtung. Meins. Mein Leben, dass sich gerade wieder lebenswert anfühlt, trotz Küchen- und Körperwaage, trotz vorhandener Restriktionen, die aber so unendlich weit von dem entfernt sind, wie es vor oder auch kurz nach der Klinik war. Mit Sport, mit Essen, was sich auf einer Skala zwischen krank und gesund zwar sicher noch bei gestört, aber mit deutlicher Tendenz zur gesunden Seite hin einordnen lässt. 50kg mehr bei der Beinpresse als vorher kommen sicher nicht von ungefähr.
Auch Grau gönnt sich und mir eine Auszeit und lässt wieder Farben zu.
Meins.

Bähm!

Argwöhnisch und mit hochgezogener Augenbraue betrachte ich dieses seltsam fantastische Gefühl, einen Plan zu haben, ohne dass es ein wirkliches Ziel braucht.
Gestern. Ich stehe auf dem CrossTrainer im FitnessStudio, nachdem ich dort – nachmittags, also mit Essen und Trinken in mir drin – auf der Waage war, um meinen Muskel- und Körperfettstatus zu erfahren und einen Termin zur Trainingsplanbesprechung für nächste Woche ausgemacht habe und °pling° ist er da. Der Plan. Für die Arbeit. Für Sport. Fürs Essen. Mit Rosa. Mit dem Parasit. Beide an der Hand, halb umarmt, lassen mich planen. Und schauen beinahe neugierig zu.
Und heute? Ist er immer noch da. Ein Plan für mein Leben. Ganz unaufgeregt, kein 5-Jahres-Masterplan mit smarten (Treppen-)Zielen, sondern einfach ein ok, ich mach einfach weiter 3 Mal die Woche Sport für richtig echten Muskelaufbau, schaue weiter trackend, aber kritisch auf meine Ernährung und konzentriere mich in der Arbeit auf die und die Punkte. Und dann schau ich mal, was passiert.
Ja, ich bin genauso perplex. Freue mich und habe Angst, mich zu freuen, weil es mich ja auch nur verarschen könnte. Also, das Leben. Oder mein Gehirn. Oder so.
°Bähm° halt.

Erwähnenswertes

.kein Pflaster
.keine Notwendigkeit für eines
.eine seit 1 1/2 Wochen auch an Schatz kommunizierte Kaloriensteigerung
.Rosa, die sich freut, dass es dennoch zu wenig sein und weiterhin hübsch kontrolliert wird
.ich, die ich den wahrscheinlich bloß zyklisch bedingten Fast-Stillstand auf der Waage kritisch beäuge