Glut

Ich halte mein Verantwortungs-Los in der Hand und fühle mich wie eine Niete. Die Welt brennt, heiß ist es auch und ich frage mich, wie man das alles eigentlich erträgt und nebenbei auch noch ein Leben führen soll. Mangels ausreichenden Führungsqualitäten streite ich in meinem Kopf seit Tagen, wer nun die besseren Argumente hat – der Parasit, der neben Klingen auch mit dem Wissen um eine vorhandene Quelle an Substanzen wirbt, oder Ratio, die wirklich wirklich von beidem abrät und dann auch noch mit Perspektivwechseln daher kommt. Nüchtern betrachtet ein durchschnittlicher Sonntag.

Exkursion

Die polypharmakotoxe Dreifaltigkeit mit einem echt fiesen Likör durch meine Synapsen zu jagen, dessen Umdrehungen nur knapp die Anzahl meiner Jahresringe unterschreitet, stellt sich auf wundersame Weise als nicht besonders schlau heraus. Als ich nach knapp 3 Stunden aufwache, ohne überhaupt Schlafabsichten gehabt zu haben, schaffe ich es irgendwie, mir im nächstbesten Supermarkt eine Bowl zu erlegen, an die ich mich heute nur noch des Fotos wegen erinnern kann – anders als an den Weg aus dem oder zurück zum Hotelzimmer, der ist nämlich ganz weg. Genau genommen verweigern mir meine Augen auch zusätzlich jede Kooperation, so dass ich keine 2 Stunden später erneut eingekringelt im Bett liege und weitere 10 Stunden fast traumlos schlafe.
Die Frage nach dem Warum kann ich wie immer nicht beantworten, ohne mir Dinge eingestehen zu müssen, die nicht sein dürfen.

Dissonanz

Wenn deine Empathie dir Worte mit einem Feenstaubglitzergeräusch auf einem Silbertablett serviert und gleichzeitig mit der rostigen Kettensäge, an der noch – ausgesprochen zahlreich – die gar nicht mal so vergammelten Reste deiner eigenen Gefühle kleben, durch die Eingeweide  fleischt, weißt du wieder ziemlich genau, warum du eigentlich Expertin im Social Distancing bist.

Lucifer

In blinder Verzweiflung habe ich nach dem Ketamin und der nicht feststellbaren Wirkung unter nunmehr gynäkologischer Anleitung – die aus Gründen schon länger in der Pipeline stand – und laborgestützter Analyse, statt einer wie von mir angedachten endokrinologischen Breitseite eine großzügige Salve an Essentials ins Cerebrum geschmissen. Und siehe da, es ward Licht.
Allerdings zeigten sich die Glühwürmchen als ausgesprochen kurzlebig und verwesen seit eineinhalb Wochen wieder, während ich mir die Frage nach einem Placebo-Effekt stelle und es damit dann wohl doch selber in der Hand hätte, aber immer wieder loslasse.
Was ist falsch mit mir?
Ich kann das alles nicht mehr.

Extrinsisch

Die psychologischen Hintergründe sind mir weitgehend klar, und trotzdem bin ich beeindruckt bis überwältigt von der Wucht, mit der mich dieser Teilsatz eines Kollegen erwischt und nachhaltig beschäftigt, als er ebenso unaufgefordert wie selbstverständlich anerkennt, dass so eine Krankheit einfach Scheiße ist. Noch intensiver wird es durch die Tatsache, dass er weder zu denen gehört, die Schleimspuren hinterlassen, noch darauf aus ist, durch seine Worte an in diesem Fall nicht geteilte Oversharing-Informationen zu gelangen, die wie auch immer geartete Hintergedanken befriedigen. 

Mir. Wird. Geglaubt. Und zwar nicht nur von ihm, sondern zusätzlich von denjenigen, mit denen er sich austauscht. Sprich, weitere direkte Kolleg:innen meinerseits, deren Meinung mir mangels ausreichendem Selbstwert etwas bedeutet. 

Heißt aber auch, mein Ego fühlt sich auf eine pervertierte, aber enorm großartige Art und Weise ganz außerordentlich gestreichelt, weil ich scheinbar doch auch wichtig genug bin, dass man über mich spricht.

SilentHill

Wir haben Glück mit dem Wetter, im Gegensatz zu vorgestern und heute löst sich der Nebel just in time auf und die ausgesprochen ansehnliche Herbstbergbachgraslandschaft sonnt sich unter blauestem Himmel. Ich hasse Menschen, es regnet Asche.

Rückblende. Montag, eine nicht angetretene Urlaubsrückkehr und die Erwartung eines letzten Besuchs im Wunderland enden ohne diesen in einem runtergehandelten gelben Schein und Gedanken in Vantablack. Tage versickern unter pharmakologischen Schwergewichtsdecken und nicht nur Gartenarbeit hinterlässt rote Striemen auf meiner Haut.

Das raumübergreifende Großgrün knallt großorangerot mit dem Rest um die Wette und ich verstehe nicht, wie dieses Übermaß an Buntheit sich am Ende meines Sehnervs einfach im Nichts auflöst, welches seinesgleichen sucht, aber doch nichts neben sich duldet.

Jetzt. Es hat also die bereits die Hälfte meiner gehandelten Krankschreibung gebraucht, dass mir auch nur der Einfall kommt, es könnte hier tatsächlich um mein Leben gehen und nicht um unterbewusste Urlaubstagebeschaffung. Darauf einen Keks.