Exkursion

Die polypharmakotoxe Dreifaltigkeit mit einem echt fiesen Likör durch meine Synapsen zu jagen, dessen Umdrehungen nur knapp die Anzahl meiner Jahresringe unterschreitet, stellt sich auf wundersame Weise als nicht besonders schlau heraus. Als ich nach knapp 3 Stunden aufwache, ohne überhaupt Schlafabsichten gehabt zu haben, schaffe ich es irgendwie, mir im nächstbesten Supermarkt eine Bowl zu erlegen, an die ich mich heute nur noch des Fotos wegen erinnern kann – anders als an den Weg aus dem oder zurück zum Hotelzimmer, der ist nämlich ganz weg. Genau genommen verweigern mir meine Augen auch zusätzlich jede Kooperation, so dass ich keine 2 Stunden später erneut eingekringelt im Bett liege und weitere 10 Stunden fast traumlos schlafe.
Die Frage nach dem Warum kann ich wie immer nicht beantworten, ohne mir Dinge eingestehen zu müssen, die nicht sein dürfen.

Repetetiv

Introducing: mental breakdown, pt. drölfzig. Mein nächtlich eskalierendes Gehirn ist leer und mein Akku genauso, was kein Wunder ist nach der Nacht. Die wiederum kein Wunder war, weil – sagen wir, es gab Hinweise.
Und während ich mir ziemlich sicher bin, dass mein Schreibtisch auch morgen nur eine rein dekorative Aufgabe übernehmen wird, hadere ich mit der heutigen Abwesenheit, weil mein aufgekratzter Arm wohl nicht mal eine Narbe zurückbehalten wird und das wohl kaum eine Krankmeldung rechtfertigt.
Aber vielleicht gehts ja nicht um Extremitäten, sondern um Extremitäten, die sich mein Kopf ausdenkt, wenn es draußen dunkel und drinnen noch viel dunkler ist. Auch wenn die Sonne scheint.
Also sitze ich nun hier, mit Streichhölzern in meinen ansonsten zufallenden Augen, und ringe um Worte und Erklärungen und Pläne, um das periodische Abbild meiner mangelnden Stressresistenz Selbstfürsorge in etwas zu überführen, was maximal die Kategorie °okkasionell° verdient.
Wieder einmal.

Eskapismus

So rein endokrin gesehen ist Anarchie wohl gerade der heiße Scheiß. Ich habs jetzt mit Ignoranz, neutraler Datenerhebung und externem, synthetischem Gegenschlag versucht – und alles, was ich erreicht habe, sind mattschwarze Sphären mit massiv-gravitativer Wirkung, die mich auf einen winzigen Punkt aus gleißender Dystopie reduziert haben – weitere Dys-* und Dis-* inklusive. Und ich mag das nicht.

Hysterie

Der patriarchalgesellschaftlich vorinstallierte Keimling meines Selbstverständnisses ist wie zu erwarten beschämend gut mitgewachsen und trägt seine Früchte. Und auch, wenn ich ein paar Faule erkannt und reseziert habe, sind viele einfach derart verwoben mit meinem ganzen Sein, dass sie entweder nur mit großem Aufwand entfernt werden könnten oder sogar frei von jeder Infragestellung schlicht wuchern. Rosa mag dieses üppige Grün, weil es prima zum möglichst minimalistischen Ergebnis ihres Kontrollzwangs passt und zu widersprüchlich breitem in- wie externen Zuspruch führt, der nicht nur ihr schmeichelt.

Die als Akzeptanz getarnte Resignation gegenüber meiner mentalen Fluktuation manifestiert sich in anhaltender Therapiemüdigkeit und der Suche nach physiologisch beeinflussbare(re)n Faktoren, die gerade präperifuckmenopausal in Anarchie verfallen und dem wuchernden Ungetüm (siehe oben) als hochintensive Nährlösung dienen.

Der neonfarbene, penetrant blinkende Leuchtpfeil, der mein gesellschaftliches Stattfinden als Beendet erklärt, während mein Ablaufdatum gerade einmal Halbzeit ankündigt und eifrig ein Fähnchen mit der Aufschrift Feminismus! schwenkt, führt gemeinsam mit dem ganzen endokrinen Rotz zu Brainfuck, der seinesgleichen sucht.

Ich, weit entfernt von Erwachsen, in (m)einem einundvierzigjährigen Körper, der jetzt dann per Definition alt ist.

Obskurität

Mein Wecker ist gestellt, meine höchstwahrscheinliche Rückkehr an den virtuellen Arbeitsplatz seit Freitag angekündigt, das Wochenende war grauenvoll – was soll da schiefgehen?

Der Beschluss, die Verlobung mit meinen Augenringen zu lösen und stattdessen als elendes Häufchen erneut bei meinem Doc zu sitzen, mag – nicht nur nach Außen –  sinnvoll und verantwortungsbewusst aussehen, anfühlen tut es sich aber wie persönliches Totalversagen. Und das mit mehrwöchigem Anlauf.

Um einen weiteren gewünschten gelben Schein, eine ungewünschte Überweisung zur Psychotherapie (siehe: Totalversagen plus nach den ganzen schon erfolgten Therapien bin ich ja sowas von selber schuld) und einen Dreimonatsvorrat Psychopharmaka, den ich mir letzte Nacht entgegen meiner bisherigen Überzeugung tatsächlich doch wieder als mögliche Hilfe ausgedacht habe, sitze ich nun daheim und versinke in dem nichtGefühl, ein ausgesprochen schlechter Mensch und eine noch schlechtere Kollegin zu sein.

Und wie zur Hölle tue ich jetzt schöne Dinge, wenn mir die Selbststigmatisierung schon bei der bloßen Idee in den Rücken schießt?

Pygmalion

Vor mir liegt ein Haufen Steine. Hinter mir ebenfalls. Ich weiß nicht, ob diese rein konstruktivistischer Natur sind oder (oder und?) ob ich sie mir selbst heimlich von hinten nach vorn in den Weg räume – beides führt aber dazu, dass ich mir schlicht nicht mehr über den Weg traue bei der Frage, ob der nicht nur berechtigte, sondern notwendige gelbe Schein von vergangenem Montag an dem Kommenden einer Verlängerung bedarf oder lediglich eine sommerliche Flause darstellt.

Auch wenn ein Teil meines Gehirns denkt, dass  es nur eine richtige Antwort auf die Frage nach °Montag wieder arbeiten, weil Funktionieren funktioniert schon oder lieber noch ne Woche Pause und Leben funktioniert mit etwas Glück auch wieder ein bisschen?° gibt, denkt ein anderer Teil, dass Erstgenannter bloß krankheitsgewinnorientiert Argumente konstruiert.

Lia möchte bitte aus dem Bällebad abholt werden.