Brachland

Der Schlag in die Magengrube treibt mir die Luft aus den Lungen, so dass es nicht für mehr als ein lautloses Wimmern reicht. Mein Kopf dröhnt und ganz viel NichtGefühl verknotet sich zu maximaler Verwirrung, die mich in Ketten legt.
Etwas weint. Verzweifelt, unartikuliert. Kein Wunder, is es doch erst etwas älter als ein Jahr und Sprache ist noch so unbedeutend.
Wieder wird es abgewiesen. Wieder wird es nicht gesehen. Wieder wird es enttäuscht, weil es offensichtlich nichts zu geben scheint, was Beachtung verdient.
Und wieder ist Rot einfach nur so hilflos, dass sie Rosa und den Parasit – vorallem den Parasit – weiter anstachelt und um Sichtbarkeit bettelt.

Wieder stolpere ich über die Dinge, die ich nicht bekomme und nicht artikulieren kann, weil es doch keine Worte dafür gibt. Weil Sprache keine Bedeutung hat. Weil nur und ausschließlich Körperlichkeit zählt.

Ich will flüchten und mich unsichtbar machen, Kontakte beenden und dramatisch und blutüberströmt sein.

Abnorm


°Triggerwarnung°

Manche Entscheidungen müssen einfach getroffen werden. Nicht, weil man sich für oder gegen etwas entscheiden will, sondern weil… Weil halt. Und so entscheide ich mich. Suche nicht weiter nach ambulanten Therapeuten, halte Rosa weiter ein bisschen zu viel an der einen Hand und den Parasit an der anderen. Ich habe keine Lust mehr darauf, zu Warten und gehe stattdessen langsam, aber beständig, rückwärts, während ich versuche, es nach Babyvorwärtsschritten aussehen zu lassen. Auch für mich. Besonders für mich.

Zu sagen, es hat sich verselbstständigt, wird der Sache irgendwie nicht gerecht. Aber anders kann ich trotzdem nicht erklären, warum ich seit nunmehr fast 5 Wochen außerhalb der Klinik die Tage, an denen ich kein Pflaster an teilweise deutlich mehr als das verlangenden Wunden am Arm habe, im einstelligen Bereich ansiedeln muss.
Dabei bin ich meine eisenmangelbedingten Restless-Legs gerade munter vor mich hin supplementierend losgeworden, als heute wieder einmal ein Upsmoment unter der Dusche entsteht, der so nicht ganz geplant, aber auch nicht unwillkommen ist. Tiefschürfend.

Perikarp

Also ein bisschen nervt mich ja die Professionalität, die Orange so wiedereingliedernderdings an den Tag legt. Der Punkt ist, sie glaubt tatsächlich den Kram, den sie da erzählt. Meistens zumindest. Wenn zwischen einem Es geht mir besser, ich habe viel gelernt und arbeite daran, dass es so bleibt oder auch noch besser wird und einem Natürlich kümmere ich mich darum, kein Ding dann aber kein Platz für Frühstück bleibt und auch nicht freigeschaufelt wird, weil Rosa das Werkzeug dafür unter Verschluss hält, kommt auch Orange ins Grübeln und fragt mich, wie das dann eigentlich genau funktionieren soll. So auf Dauer.
Die Antwort auf die Frage bleibe ich ihr schuldig, während ich in aller Heimlichkeit gemeinsam mit Rosa unauffällige Kürzungen bespreche und mit dem Parasit Möglichkeiten und Ausmaße plane.
Dass selbiges bereits hervorragend funktioniert, zeigt mein jeweils niedrigster nächtlicher Puls, der sich in den heute genau vier Wochen seit meiner Entlassung bereits um 20 Schläge verringert hat. Was mein Eisen- und Hb-Wert machen, will ich garnicht erst wissen. Mal gucken, ob es den Hausarzt morgen mehr interessiert als mich.

Was also am Ende dabei rauskommt, wenn verschwiegene Heimlichkeiten auf bewundernswerte und irgendwie tatsächlich auch sinnstiftende Professionalität treffen? Keine Ahnung und Egal wechseln sich ab. Letzteres fände Alkohol gut. Sehr.

Wachkoma

Alles neu macht der Mai. Heißt es. Aber ich so: nö.

Nun waren es doch nur oder doch ganze 2×2 Tage Pause, die in meinem bisherigen Beitragsrythmus nicht einmal aufgefallen wäre, hätte ich es nicht dazu geschrieben. Tadaaa, da bin ich wieder.

Und weil ich mich nach wie vor nicht entscheiden kann, weder fürs Nicht- noch fürs Leben, hänge ich weiterhin zwischen den Welten, in einem rosaparasitären Strudel. Erstarrt und entfremdet, mit einer schrillen, kaum erklärbaren Dissonanz zwischen meiner physischen und meiner mentalen Existenz.

Lost

Es ist nicht so, dass mir die gesprungene Schallplatte nicht selbst unfassbar sehr auf den Keks geht.
Aber.
Ich bin durch für heute. Könnte am Hangover durch die Bedarfsmedikation von gestern oder am ~4-stelligen Kaloriendefizit oder an der nicht unerheblichen Anämie in Kombination mit einem eher lächerlich anmutenden 6,5-Kilometer-Spaziergang liegen. Oder und.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Kapitulation schleichend kam oder *puff* plötzlich einfach da war. Das Ergebnis bleibt das Gleiche. Unglaublich viel ist mir unglaublich egal – sofern es nicht in Rosas Zuständigkeitsbereich fällt – und dazu zählt auch, dass ich einfach allen sage, was sie hören wollen, nur damit ich meine Ruhe habe.
Ausmaße kennt daher niemand und geschenktes Vertrauen wird ohne große Skrupel angenommen, nur um postwendend schändlich missbraucht zu werden.
Der Parasit schmiedet derweil Pläne und erwägt Gelegenheiten, während ich nur noch müde darauf verweise, dass Restless Legs garkein Ausdruck für das Gefühl in mehr als nur meinen Beinen sind und wir uns für die blöden, langsam wirkenden Eisentabletten – die wir auch erst morgen bekommen – statt einer Infusion entschieden haben. Wissend, dass ihn das äußerst wenig interessiert – wie auch die deutlich kritischeren Konsequenzen, wenn er noch lange so weitermacht.