Schatten


Dass am Anfang der Woche neben dem Muskel- auch ein Hirnrelaxans in meine Körperchemie eingreift, fühlt sich abseits von °fluff° ausnehmend beschissen an, weil ich nicht nur meinen halben ersten Urlaubstag in geistiger Umnachtung verbringe, sondern auch das zu oft zu ausgereizte Vertrauen von Schatz zerknülle und in eine Ecke schmeiße, die es nicht verdient. Weder die Ecke, noch das Vertrauen – geschweige denn, Schatz.
Ratio weint ein bisschen und die Tsunami-Ausflucht glaube ich angesichts parasitärer Grundgedanken nicht einmal selbst.

Den heutigen Tag verbringen wir – nach getaner Vorbereitung zur fachgerechten Beobachtung und Dokumentation der geweissagten nebst alltäglich üblichen Sonnenverdunkelung durch den selbst bewohnten wie lunaren Himmelskörper – in Wartestellung, was der Parasit zum Anlass nimmt, weitschweifige Fantasien und Wünsche Forderungen zu teilen. Nur mit mir, versteht sich, aber Ratio ist mindestens genauso penetrant und beharrt auf ihr mein Recht, das anstehende Phänomen nüchtern zu betrachten. Nüchtern betrachtet phänomenal. Ich lache später.

Brett

Das staubige Brachland meiner eigenen Gefühlswahrnehmung entpuppt sich als zerklüfteter und seit unbestimmter Zeit trockengelaufener Meeresgrund, den gerade ein Tsunami an eigenen und empathisch aufgeschnappten Emotionen samt langzeitabwesender Buchstabensuppe benetzt.
Ursächlich dafür dürfte der sich nicht nur in ausgeprägten BrainZaps zeigende Mangel an SSRI sein, der mit Ausschleichen ungefähr so vergleichbar ist wie die zu erwartende Brandung mit frühmorgendlichem Nebeldunst.
Harren wir der Dinge, die da kommen.

Glut

Ich halte mein Verantwortungs-Los in der Hand und fühle mich wie eine Niete. Die Welt brennt, heiß ist es auch und ich frage mich, wie man das alles eigentlich erträgt und nebenbei auch noch ein Leben führen soll. Mangels ausreichenden Führungsqualitäten streite ich in meinem Kopf seit Tagen, wer nun die besseren Argumente hat – der Parasit, der neben Klingen auch mit dem Wissen um eine vorhandene Quelle an Substanzen wirbt, oder Ratio, die wirklich wirklich von beidem abrät und dann auch noch mit Perspektivwechseln daher kommt. Nüchtern betrachtet ein durchschnittlicher Sonntag.

Dissonanz

Wenn deine Empathie dir Worte mit einem Feenstaubglitzergeräusch auf einem Silbertablett serviert und gleichzeitig mit der rostigen Kettensäge, an der noch – ausgesprochen zahlreich – die gar nicht mal so vergammelten Reste deiner eigenen Gefühle kleben, durch die Eingeweide  fleischt, weißt du wieder ziemlich genau, warum du eigentlich Expertin im Social Distancing bist.

Lucifer

In blinder Verzweiflung habe ich nach dem Ketamin und der nicht feststellbaren Wirkung unter nunmehr gynäkologischer Anleitung – die aus Gründen schon länger in der Pipeline stand – und laborgestützter Analyse, statt einer wie von mir angedachten endokrinologischen Breitseite eine großzügige Salve an Essentials ins Cerebrum geschmissen. Und siehe da, es ward Licht.
Allerdings zeigten sich die Glühwürmchen als ausgesprochen kurzlebig und verwesen seit eineinhalb Wochen wieder, während ich mir die Frage nach einem Placebo-Effekt stelle und es damit dann wohl doch selber in der Hand hätte, aber immer wieder loslasse.
Was ist falsch mit mir?
Ich kann das alles nicht mehr.

SilentHill

Wir haben Glück mit dem Wetter, im Gegensatz zu vorgestern und heute löst sich der Nebel just in time auf und die ausgesprochen ansehnliche Herbstbergbachgraslandschaft sonnt sich unter blauestem Himmel. Ich hasse Menschen, es regnet Asche.

Rückblende. Montag, eine nicht angetretene Urlaubsrückkehr und die Erwartung eines letzten Besuchs im Wunderland enden ohne diesen in einem runtergehandelten gelben Schein und Gedanken in Vantablack. Tage versickern unter pharmakologischen Schwergewichtsdecken und nicht nur Gartenarbeit hinterlässt rote Striemen auf meiner Haut.

Das raumübergreifende Großgrün knallt großorangerot mit dem Rest um die Wette und ich verstehe nicht, wie dieses Übermaß an Buntheit sich am Ende meines Sehnervs einfach im Nichts auflöst, welches seinesgleichen sucht, aber doch nichts neben sich duldet.

Jetzt. Es hat also die bereits die Hälfte meiner gehandelten Krankschreibung gebraucht, dass mir auch nur der Einfall kommt, es könnte hier tatsächlich um mein Leben gehen und nicht um unterbewusste Urlaubstagebeschaffung. Darauf einen Keks.