Wegrationalisierung

Ratio so beim Reden zuzuhören macht nicht immer wirklich Spaß. Also darf sie sich derzeit so richtig oft bei Orange einmischen, dann macht sie anderen halt keinen Spaß. Und Orange hat gerade echt nen Arsch voll Arbeit. So kann Ratio wenigstens nicht allzu offensichtlich darüber nachdenken, wie es gerade so läuft. Nicht, nämlich.
Nicht nur, dass die inzwischen ~2/3 meines wiederhergestellten Gewichts auch gleich auch meinen Zyklus entfernt haben, sondern auch, dass meine nur klangvoll hübsche Röschenflechte zurück und meine Verdauung nochmal ein ganz eigenes Thema ist.
Mit ein Grund, sie Orange aufs Auge zu drücken, ist auch ihre Meinung zur Klinik und meinem Talent, Offensichtlichkeiten vorzuschieben (…therapiere man mich!), um ja nicht in die Verlegenheit zu kommen, wirklich Wichtiges zu thematisieren.
Und auch, wenn es ziemlich sicher eine weitere Selbstlüge ist, rede ich mir ein, dass es halt auch am Alter liegt. Natürlich ist es leicht, einem:r gerade so postpubartären Patient:in – wie sie zu 98% die Erwachsenenstation füllen – zur Heilung die Möglichkeit zu bieten, das eigene Leben zu hinterfragen und sich samt selbigem selbst ganz neu zu erfinden. Mach das mal mit Verpflichtungen. °inbeideRichtungenmitdenAugenroll°
Wir haben also eine Stille Übereinkunft, Ratio und ich. Nur brüllt die leider sehr laut, wenn sie gerade nüscht zu tun hat.

Zielbild

Am Rande des Abgrunds sind noch Plätze frei, also setze ich mich und baumle mit den Füßen im Dunkel. Nur noch ein Hauch trennt mich von einer Panikattacke, die wühlend und brüllend knapp an der Wahrnehmungsgrenze kratzt. Ich halte mir Augen und Ohren zu – seh ich dich nicht, siehst du mich nicht. Erstaunlicherweise funktioniert es, was kaum weniger beängstigend und nicht besonders zukunftsorientiert ist. Körper würde außerordentlich gerne einfach loslassen, sich überschwemmen und zermalmen lassen von dem, was dort droht, aber ich lasse ihn nicht – allein schon aus dem absoluten Unverständnis heraus, dass erst 2/3 des Weges geschafft sind und er sich schon anstellt, als wären wir am Ziel. So nicht, mein Lieber. Wir waren schon ganz woanders, also bilde dir nicht ein, jetzt schon einknicken zu dürfen.

Brandopfer

Da eine Löschung unmöglich scheint und ich die Flammen schon wieder und seit zu langer Zeit nur mit Backburning bekämpfe, wundere ich mich nicht so richtig darüber, dass Körper auf den Stress nicht nur mit einem gepflegten kleinen Nervenzusammenbruch auf die Reste meines Teams, das trotz aller Bemühungen in immer kleinere Trümmerteile zerfällt, reagiert, sondern gerade auch keinerlei Kapazitäten zum Menstruieren zur Verfügung stellt. Stattdessen investiert er einen Teil seiner nicht-Energie in lustige Verdauungsbeschwerden – über die maximal Rosa sich freut – und anderen Körperkram, so dass ich heute nicht mal spazieren gehen mag. Das wiederum mag Rosa gar nicht, aber ich rede mich raus mit der Nähe der Sanitäranlage und dass ich ja schon einkaufen war, das Bad geputzt und das Erdgeschoss gestaubsaugt habe. Hm, sagt sie.

Ascheregen

Ich warte auf die große Erkenntnis, die Erleuchtung oder wenigstens einen kleinen Nervenzusammenbruch. Stattdessen stehe ich meilenweit von Selbigem entfernt und es ist egal, ob ich mich setze oder nicht.
Weißt du eigentlich, wie wenig das war? fragt der Parasit und verweist auf die lächerlich kleine Quängelwarenflasche Vodka.
Weißt du eigentlich, wie viele Kalorien der Mist hat? fragt Rosa.
Weißt du eigentlich, wie bescheuert das ist? fragt Ratio.
Ja. sage ich.

Rosa versteht sich ausgezeichnet darauf, jeglichen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, in dem sie den Parasit aufweckt und anstachelt.

Der Parasit versteht sich ausgezeichnet darauf, jegliche Bedenken über Bord zu werfen und seine eigenen Interessen durchzusetzen.

Ratio versteht sich ausgezeichnet darauf, mir zu sagen, dass es einfach ist, alle Verantwortung auf EgoStates abzuschieben, die doch nur ein Teil meines Selbst sind und deren Entscheidungen am Ende immer die meinen sein werden.

by http://www.anna-cosma.de

PNR

Ich sitze im Wald auf einem umgefallenen Baum und denke an Dinge, die viele ver- und manche zerstören würde. Vogelgezwitscher dringt zwischen den Liedern in mein Bewusstsein und erinnert mich daran, dass es etwas außerhalb meines Kopfes gibt. Dennoch ich habe ich das Gefühl, weder hierher, noch irgendwohin zu gehören. Zu viel Raum einzunehmen in einer Welt, die nicht für mich gemacht ist – und ich nicht für sie.
Unsere Oberflächen interagieren, aber nichts berührt mich wirklich. Ich höre und lese die Bekundungen, wie stolz alle auf mich sind, wieviel ich erreicht hätte, wie stark ich sei und ziehe es vor, nur heimlich und in aller Stille zusammenzubrechen. In meinem Kopf Szenarien durchzuspielen und mich an die winzigen Momente zu halten, in denen es aushaltbar scheint.