Lumen

Rosa strahlt, weil wir an dem Tag, an dem wir die selbst gesetzte Minimalgrenze auf der Waage unterschreiten, auch unsere Menstruation hätten bekommen sollen. Die hustet aber nur kurz und ich bin über mich selbst erstaunt, als ich ein ernstes Gesicht aufsetze und Rosa erkläre, dass Husten gerade garnicht gut ankommt.
Betreten schaut sie auf ihre Füße und murmelt ein leises Ups vor sich hin, während ich – immer noch erstaunt – an höhere Fettzufuhr denke.
Und weil ich Rosa nicht böse sein möchte und sie gut verstehen kann – erst der Besuch* meiner weiterhin diätenden Mama, die vieles nicht versteht, dann der von furchtbar krampfig-oberflächlichen Gesprächen dominierte Besuch* von Papa und anschließend der wundertolle, aber körperlich anstrengende Besuch* sehr lieber Freunde innerhalb von nur 3 Wochen – machen wir uns gemeinsam an die richtige Planung.
Ein paar Kalorien mehr – und Mandelmus. Das ist der Deal. Rosa findet das zwar eher so semi, aber sie ist auch erstaunlich einsichtig und froh, dass sie die Küchenwaage dennoch weiter exzessiv benutzen darf.

Ich bin ein bisschen stolz auf uns.

*Besuch in einer Urlaubsregion, in der wir wohnen, heißt für andere genau das: Urlaub. Für uns ist das eher so: wah, Menschen.

>Q|s|u|n|a|i|s|e|i|M<

Selbstwert und Stimmung stehen sorgfältig austariert, aber nicht besonders sicher auf den tönernen Füßen von Arbeit und Sport, während ich aufmerksam darauf achten muss, dass Rosa und der Parasit nicht plötzlich los- und alles über den Haufen rennen.
Ich bin mir selbst nicht sicher, ob es bloß ein Quasi ist und Rosa mich nicht äußerst geschickt an der Nase herum führt, oder doch einfach mein Weg, meine Babyschritte in die richtige Richtung. Meins. Mein Leben, dass sich gerade wieder lebenswert anfühlt, trotz Küchen- und Körperwaage, trotz vorhandener Restriktionen, die aber so unendlich weit von dem entfernt sind, wie es vor oder auch kurz nach der Klinik war. Mit Sport, mit Essen, was sich auf einer Skala zwischen krank und gesund zwar sicher noch bei gestört, aber mit deutlicher Tendenz zur gesunden Seite hin einordnen lässt. 50kg mehr bei der Beinpresse als vorher kommen sicher nicht von ungefähr.
Auch Grau gönnt sich und mir eine Auszeit und lässt wieder Farben zu.
Meins.

Bähm!

Argwöhnisch und mit hochgezogener Augenbraue betrachte ich dieses seltsam fantastische Gefühl, einen Plan zu haben, ohne dass es ein wirkliches Ziel braucht.
Gestern. Ich stehe auf dem CrossTrainer im FitnessStudio, nachdem ich dort – nachmittags, also mit Essen und Trinken in mir drin – auf der Waage war, um meinen Muskel- und Körperfettstatus zu erfahren und einen Termin zur Trainingsplanbesprechung für nächste Woche ausgemacht habe und °pling° ist er da. Der Plan. Für die Arbeit. Für Sport. Fürs Essen. Mit Rosa. Mit dem Parasit. Beide an der Hand, halb umarmt, lassen mich planen. Und schauen beinahe neugierig zu.
Und heute? Ist er immer noch da. Ein Plan für mein Leben. Ganz unaufgeregt, kein 5-Jahres-Masterplan mit smarten (Treppen-)Zielen, sondern einfach ein ok, ich mach einfach weiter 3 Mal die Woche Sport für richtig echten Muskelaufbau, schaue weiter trackend, aber kritisch auf meine Ernährung und konzentriere mich in der Arbeit auf die und die Punkte. Und dann schau ich mal, was passiert.
Ja, ich bin genauso perplex. Freue mich und habe Angst, mich zu freuen, weil es mich ja auch nur verarschen könnte. Also, das Leben. Oder mein Gehirn. Oder so.
°Bähm° halt.

Awesome Blogger Award

Als Anhängerin von eindeutig mehrdeutigen Einwortüberschriften ist mir der hier entstehende Bruch zwar zuwider – aber mir fällt auch kein aber ein.

Wenigstens die Schuld daran kann ich jemand anderem im die Schuhe schieben: Juliane, die meinen Blog mit den Worten Flügelwesen. Schmerzhaft-schöne Texte. Sauviel Respekt für ihre Sprache und ihre Ehrlichkeit. nominierte und mich so ehrlich überraschte und ein bisschen stolz macht, weil ich ihre Texte (und ihr bizarr-schönes Headerbild) so toll finde.
Es gibt sie also tatsächlich, die Menschen, die meine Texte lesen, auch wenn ich bis zum Hals durch mein Innerstes wate und mein Sein sich dabei mit all dem Selbstmitleid vollsaugt, das dabei aus mir heraustrieft. Und die meine Sprache mögen, die ich manchmal selbst übelst genial finde, es aber nie zugeben würde.

Über den Awesome Blogger Award: „Dies ist eine Auszeichnung für die absolut wundervollen Schriftsteller auf der ganzen Welt des Bloggens. Sie haben hinreißende und wunderschöne Blogs, sind bezaubernd und liebenswürdig und finden immer einen Weg, dem Leben ihrer Leser Glück und Lachen zu verleihen. Das ist es, was einen großartigen Blogger wirklich ausmacht.“

Regeln, um Teil des „Awesome Blogger Award“ zu sein:
Danke der Person, die Dich nominiert hat – danke, Carlie! *check*
Kennzeichne den Beitrag mit #awesomebloggeraward – *check*
Beantworte die Fragen, die Dir gestellt wurden – *check*
Nominiere mindestens 5 Blogger, informiere diese über ihre Nominierung und gib ihnen 10 neue Fragen zur Beantwortung – tatsächlich ist das die Stelle, an der ich *raus* bin. weil halt. aber weil ich die Nominierung eben auch ziemlich geil finde, möchte ich dennoch die 10 Fragen von Juliane beantworten:In welchem Moment warst du zuletzt abartig stolz auf dich?

Das würde ich gerne spontan beantworten können. Aber stattdessen beantworte ich Frage um Frage, stelle diese aber immer wieder hinten an, weil mir keine Antwort einfällt, die nicht Jahre zurückliegt oder deren Kontext ich zu albern finde.



Doch, das kann ich erzählen. Als ein Astrofoto von mir in einem Buch über Fotografie veröffentlicht wurde. Winzig klein.

Was sind die schönsten Dinge, die dir jemals gesagt wurden?

Hier würde ich gerne ganz viele der wunderbaren Sachen aufschreiben, die Schatz nahezu täglich zu mir sagt. Tatsächlich fielen mir aber als Erstes die Worte meines Chefs von vor vielen Monaten ein, als er sagte, ich sei einer der drei Menschen, denen er bedingungslos vertraut. Warum das schöner ist als ehrlichst gemeinte Heiratsanträge, Liebesbekundungen und Vertrauensbeweise, weiß ich auch nicht. Finde ich auch ein bisschen armselig.

Was ist dein stärkstes Körperteil und warum?

Mein Kopf. Weil da meine Augen und Ohren drin sind, meine Gedanken, meine EgoStates und all das, was mich ausmacht. Und mich wundert selber, dass ich das sage. Rosa ebenfalls.

Wenn du unter Wasser leben würdest, welche Temperatur hätte das Wasser?

Warm. Schön warm. Die Richtige halt.

Was für ein Gebäude wärst du, mit welcher Funktion und mit welchen Eigenschaften (groß, klein, einstöckig, turmhoch, prunkvoll, modern, schlicht, große Fenster, verwinkelt, weitläufig, unterirdisch, trutzig…)?

Von außen: weiß, modern, große Fenster, schwarze Rahmen, lichtdurchflutet, nicht zu groß oder zu klein, abgeschiedene und schönes Lage
Von innen: so wie von außen erwartet, aber mit einem geheimen Keller und geheimen Zwischengeschossen, die eher nach einer dunklen, verlassenen Villa aussehen *lostplace*

Wenn noch nichts auf der Welt entdeckt worden wäre, was würdest du gerne entdecken – und wie?

Wenn auf der Welt das All enthält, dann bitte das – mit den besten und stärksten Teleskopen, oder auch gerne persönlich vor Ort mittels Warp-, Quanten- oder Glitzerantrieb. Sternenstaub in jeglichen Zuständen sehen und fotografieren und schön finden.

Was würde dein Teenager-Ich an deinem heutigen Ich bewundern – und umgekehrt?

Ich weiß nicht, ob es etwas gibt, was das Raupen- am Flügelwesen bewundern würde. Das Geflügelte bewundert aber am Raupigen, dass es einfach so zufrieden vor sich hingelebt hat. Wäre jetzt auch mal wieder schön.

Was ist dein liebster Gegenstand und warum?

Meine Spiegelreflexkamera, ohne die ich (außer zum Arbeiten – wenn ich es denn mal wieder außerhalb des Homeoffice tun muss, und zum Einkaufen) das Haus nicht verlasse. Hätte ich gerne gesagt, wenn sie mir als Erstes in den Sinn gekommen wäre. Tatsächlich war aber mein erster Gedanke: mein Handy. Weil es mich mit all der Außenwelt verbindet, die irgendwie nötig ist, sich aber auch prima stumm- und in den Flugmodus schalten lässt. Ohne wäre ich verloren. Ohne Kamera nicht ganz so – weil, ich hab ja ein Handy. Auch wenn es eindeutig schlechtere Fotos macht.

Ein außerirdisches Wesen materialisiert sich in deinem Zimmer. Reagierst du mit einem Frontalangriff, einem Friedensgeschenk oder ganz anders?

Ich warte ab, was das Wesen tut. Beobachte es mit Neugier und versuche, seine Motive zu ergründen. Ich wäre bestimmt gerne sein Freund, damit es mich mal mitnimmt auf seine Welt oder mit mir durchs All fliegt und all die Orte mit mir besucht, die ich nur durchs Teleskop kenne.

Was löst dieses Bild in dir aus? https://artsandculture.google.com/asset/while-you-are-sleeping/-gG-5sCY0gbDZg

Dass meine Assoziation eine andere ist, als die, die der Titel impliziert und es doof finde, dass der Titel meine zu der falschen macht. Und, dass ich es nicht ästhetisch schön, sondern plump finde, was wiederum schade ist, weil es in subjektiv schön halt schöner aussähe und noch besser zu meiner falschen Assoziation passen würde.

Sodala. Der wohl im Zeit- wie auch im Buchstabenaufwand längste Blogtext bisher. Jetzt sind aber die Worte erstmal alle.

Entscheidung fürs Leben

Ich bewundere Menschen, die öffentlich dazu stehen, psychisch krank zu sein und/oder sich für Entstigmatisierung stark machen. Ich wäre gerne ein Teil dieser Bewegung, doch dann kommt das Aber.

Ich finde es wichtig, darüber zu reden. Anderen klar zu machen, dass es, am Beispiel meiner Depression, nicht nur ein schlechter Tag ist, dem man mit Zusammenreißen oder Schokolade essen entgegen wirken kann. Dass es keine Ausrede ist, sondern eine zum Teil lebensgefährliche Krankheit, die jedem, der daran erkrankt ist, das Letzte abverlangt.

Aber

Das große Aber, was mich davon abhält, auf Facebook, Instagram und meiner Foto-Homepage, wo ich mich als „öffentlicher“ Mensch zeige, darüber zu schreiben, hat zwei Aspekte. Mit dem einen könnte ich vielleicht sogar nach einer Weile leben: öffentliche Ablehnung, öffentlicher Angriff, Hater. Ich glaube, das könnte mich sogar noch darin bestärken, weiterzumachen.
Wovor ich wirklich Angst habe, ist, dass Menschen, die mich kennen (oder zu kennen glauben), mir meine Krankheit absprechen oder mir (beruflich) einen Strick daraus drehen.
Ich weiß, dass ich mich durch diese Angst selbst diskriminiere. Mir nicht erlaube, in bestimmten Bereichen meines Lebens ganz ich selbst zu sein. Denn auch wenn ich nicht vorhätte, in der Arbeit mit Megaphon und Schild durch die Gänge zu laufen und „End the Stigma“ zu rufen, könnte ja jemand beim Stöbern (oder gezielten Suchen) im Netz darüber stolpern und es irgendwie benutzen.

Respekt

Daher ziehe ich meinen Hut vor allen, die es trotzdem tun. Die sich öffentlich so verletzlich und so stark zeigen, wie sie wirklich sind und für mehr Toleranz und Verständnis kämpfen. Danke.