Konnotation

Etwas jagt mich. Hetzt mich durch einen Wald, dessen Dunkelheit sich nicht durch die reine Abwesenheit von Licht erklären lässt. Finsternis nistet in allen Verstecken und breitet sich aus wie ein Myzel.
Ich weiß nicht, ob ich mit offenen oder geschlossenen Augen durch das Dickicht stolpere, denn es scheint keinen Unterschied zu geben. Beides ist schwarz, beides ist gefährlich.
Ich suche etwas, ohne genau zu wissen, was es eigentlich genau ist und renne dabei immer wieder gegen Bäume, die Eins sind mit der Finsternis.
Es jagt mich.

Halbwertszeit

Ich zerfalle in meine Einzelteile. Löse mich auf in der Diagnose und weiß immer weniger, wer ich eigentlich bin – geschweige denn, sein will.
EgoStates liegen welk um mich herum verteilt wie abgerissene Blütenblätter einer Blüte, die nie existiert hat. Die nie eine Einheit war und ich habe keine Ahnung, wie ich all das wieder zu etwas Sinnvollem verbinden soll. Zu etwas Einheitlichem.
Die Frage, ob ich je wieder ein Team leiten kann – und will – , wenn nicht einmal ich zusammenpasse, hüllt mich in schweren Nebel, der mich bis auf die Knochen durchnässt und zu Boden drückt. Bewegungsunfähig. Zwischen Entscheidungen, die nur begrenzt in meinen Handlungsspielraum fallen und Symptomen, die nun zwar einen Namen, aber noch keine Lösung haben. Einzementiert.

Interiors

Etwas sehnsüchtig denke ich an die identisch medikamentierten knapp 13 Stunden Schlaf der vorigen Nacht zurück, als ich jetzt nach nicht einmal der Hälfte und noch mitten in der Nacht meine nur-so-semi-Wachheit darauf verschwende, gedanklich Dinge in meinem Leben zu ändern, statt Dinge in meinem Leben zu ändern.

Mutausbruch

Manchmal* muss man son Team einfach mal am Stück zusammenfalten. Nicht, weil es vorher entfaltet war, sondern so zerknittert, das nur noch laut raschelt und einreißt, sobald man an einer Stelle was gerade rücken möchte. Mal gucken, wie lange es jetzt so hübsch verdattert da steht.

*also, heute. aus gründen. und in derart ungefilterter weise zum allerersten mal überhaupt in meiner funktion als teamleiterin.

Kryostase

Ich hetze mir selbst hinterher und bin auf einer Treibjagd nach Erklärungen, die einfach mal so gar nichts daran ändern werden, was ist. Was für einen Unterschied macht es schon, ob nun Asperger, Borderline, Entwicklungstrauma, Hochsensibilität, Depression, Essstörung oder Anstellerei oben drüber stehen. Am Ende stehe ich doch wieder nur vor mir selbst und würde mich gerne umgehen. Gefühle wegmachen und negieren. Die Möglichkeiten sind zahlreich und erprobt, auch wenn Ratio weiterhin den Alkohol verbietet (der Parasit kann immer noch nicht fassen, dass wir die Möglichkeit heute nicht ausgenutzt haben).
Damit ich bei dieser Hatz über niemanden stolpere, der mir im Weg stehen könnte, liegen alle unnötigen Kontakte auf Eis. Social distancing deluxe. Ich ertrage keine Menschen, keine Fragen, keine Antworten oder gar Meinungen. Davon habe ich selbst genug, danke. Ist ja außerdem reine Selbstfürsorge, kann ich doch wenigstens so sicher sein, dass niemand mich verletzt oder gar grundlos verlässt.

Elementar

Orange schnurrt zufrieden vor sich hin und glänzt mit meinem Ego um die Wette, das sie unter den lobend-wohlwollenden Worten meines Chefchefs eifrig aus einer – sehr – verstaubten und vernachlässigten Ecke geborgen hat und fleissig poliert.
Rosa hebt irritiert eine Augenbraue und fragt sich gemeinsam mit mir, warum so ein bisschen Lob mich gleich unbesiegbar und größenwahnsinnig werden lässt, obwohl Rosa den ganzen Termin über nur gelangweilt in der Ecke saß und nichtmal dem Chefchef aus der Ferne zugewunken hat.
Jedenfalls meint mein Ego glänzenderdings nun plötzlich, es sei etwas wert und ich mache tatsächlich nicht alles falsch, was ich so anfasse. Weil mir das aber unheimlich ist, stelle ich es es lieber wieder zurück in seine Ecke, damit es langsam wieder einstauben kann und niemanden blendet.
Das schon vorher bestehende Vakuum in mir drin, was nun noch ein kleines bisschen leerer zu sein scheint, fülle ich mit der Vorfreude und dem schlechten Gewissen für ein neues Handy, was ich nicht wirklich brauche und dessen Füllstoff nach dem Unboxing verpufft – auch wenn es echt schick ist.