Phantasmagorie

Auch, wenn ich jener Halbbekanntverwandten definitiv nicht begegnen werde, die auf der Beerdigung meiner Oma nichts besseres zum nicht menstruierenden Körper zu sagen wusste als °Hömma, schlank bisse!°, ist es vielleicht nachvollziehbar, dass ich nicht in Jubel verfalle, entgegen meinem festen Plan, diesen Urlaub nicht bei meiner Familie vorbeizuregnen, nun keine andere Wahl habe. Aus Gründen.
Die Frage, ob ich mir mit diesen Aussichten Prozente gönne, zerschellt an Rosa, die darauf verweist, dass Wirkstoffe bedeutend weniger Kalorien haben. Recht hat sie.
Immerhin entgehe ich so mal wieder einem Termin mit Frau Therapeutin. Ob das nach dem Katastrophentermin, der ebenfalls nächste Woche ansteht, so besonders schlau ist, wird sich zeigen.
Aber so kann ich wenigstens ihre dringende Empfehlung, beim Ausschleichen laaaangsaaaam zu machen, ganz unbehelligt ignorieren.
BrainZap. 2 Weeks to go.

Rauhnacht

Zwischen den Jahren . ZwischenWelten. Ich scrolle durch Selfies und Monate, die zusammen mit Körpergewicht und Blut im Dunkel versickert sind.

Es ist November, nach einem Monat Psychiatrie, weiteren Wochen Krankschreibung und in meiner nochmal deutlich heruntergeschraubten Wiedereingliederung. Die neue Frau Therapeutin und ich stellen immerhin so viel Gewicht wieder her, dass sich mein Uterus mal wieder angesprochen fühlt. Nicht, dass ich das irgendwie bräuchte, aber was tut frau nicht alles für die Gesundheit.

Zum ersten Mal seit – ja, immer, irgendwie?! – spüre ich das Leben und denke voller Staunen, dass sich so also Leben anfühlt. Nicht nur struggeln, hustlen und irgendwie halbwegs überleben.

Und fuck, ist das geil.

Morast

Der See, der scheinbar so grundlos in meinem Innern vor sich hin existiert, schwappt düster und eisig über mir zusammen, nur kurz nachdem ich den Kopf für den Bruchteil eines Atemzugs an die Oberfläche bringen konnte.
Mein Mund wird instantly taub und ich schlucke Brackwasser. Nicht Husten.

Ich schrecke hoch, weil ich keine Luft bekomme. Der grundlose See in meinem Innern existiert weiter vor sich hin, als sei nichts gewesen. Ich stehe auf – zu schnell wohl, kann ich doch nur durch Vorwärtsbewegung verhindern, umzufallen.

Ich fühle mich lost.

Moonfall

Physi(kali)scher Blödsinn, aber nett zum oschaun.
Rede ich mir ein, auch wenn es nackig wieder mal nicht stimmt, zumindest von hinten. Versuche, strong den neuen heißen Scheiß sein zu lassen, scheitern nicht nur an Rosa, sondern auch an mir und meiner Wollen-Lähmung.
Etwas streift mich, während ich im mentalen Tiefflug vor mich hin dümpel, aber es ist mir deutlich zu anstrengend, den Kopf zu heben und nachzuschauen, was es gewesen sein könnte. Außerdem ist Feierabend, spaziert ist auch, was soll’s also.
Vermutlich nur eine Lästigkeit. So wie leben halt.

Substanz

Mich wundert das Puh, welches der Herr Psychiater mit hochgezogenen Augenbrauen mehr ausatmet als sagt, nachdem ich ihm einen Kurzabriss über meinen mentalen BeschWerdegang und meinen Ist-Status gegeben habe. Dafür, dass ich mich rein überzeugungstechnisch nur anstelle – und ohne Schatz auch keinen Termin gehabt hätte -, scheint er erstaunlich … besorgt.
Also verordnet er mir ein neues Glüxbärchi, so dass ich die nächsten Wochen mit dem Ausschleichen des Alten verbringen und die Müdigkeit und Erschöpfung dieser Tage nun wunderbar als Absetzerscheinung und nicht als Folge mangelnder Kalorienzufuhr deklarieren kann.

Fun Fact: er wäre sowas von der Therapeut, den ich brauche. Direkt. Provokant. Gnadenlos ehrlich.