SilentHill

Wir haben Glück mit dem Wetter, im Gegensatz zu vorgestern und heute löst sich der Nebel just in time auf und die ausgesprochen ansehnliche Herbstbergbachgraslandschaft sonnt sich unter blauestem Himmel. Ich hasse Menschen, es regnet Asche.

Rückblende. Montag, eine nicht angetretene Urlaubsrückkehr und die Erwartung eines letzten Besuchs im Wunderland enden ohne diesen in einem runtergehandelten gelben Schein und Gedanken in Vantablack. Tage versickern unter pharmakologischen Schwergewichtsdecken und nicht nur Gartenarbeit hinterlässt rote Striemen auf meiner Haut.

Das raumübergreifende Großgrün knallt großorangerot mit dem Rest um die Wette und ich verstehe nicht, wie dieses Übermaß an Buntheit sich am Ende meines Sehnervs einfach im Nichts auflöst, welches seinesgleichen sucht, aber doch nichts neben sich duldet.

Jetzt. Es hat also die bereits die Hälfte meiner gehandelten Krankschreibung gebraucht, dass mir auch nur der Einfall kommt, es könnte hier tatsächlich um mein Leben gehen und nicht um unterbewusste Urlaubstagebeschaffung. Darauf einen Keks.

Apathie

Ich frage mich, wann genau ich eigentlich so falsch in der Zeitlinie abgebogen bin, um ausgerechnet in dieser  abgefuckten Realität zu stranden.

OB EIGENTLICH ALLE BESCHEUERT SIND, HAB ICH GEFRAGT!!!

Ich würde echt einfach alles daran hassen, wäre mir nicht genauso alles so entsetzlich egal.
So auch die rund 600€ , die ich kommende Woche gegen zwei Beutel potentielle Glückseligkeit eintauschen und OffLabel in meine Venen jagen lassen werde. Ein Seidenpapierstrohhalm, an den ich einfach mal alles hänge, weil sonst kein Haken mehr frei ist.
Ich weiß nicht, ob die Löcher einfach nur tiefer oder ich bedeutend weniger leidensfähig/-willig werde, aber scheiße, ist das scheiße hier unten.
Ob ich Angst vor mir habe, fragt Schatz in diesem Zusammenhang. Habe ich nicht. And that’s the point.

Repetetiv

Introducing: mental breakdown, pt. drölfzig. Mein nächtlich eskalierendes Gehirn ist leer und mein Akku genauso, was kein Wunder ist nach der Nacht. Die wiederum kein Wunder war, weil – sagen wir, es gab Hinweise.
Und während ich mir ziemlich sicher bin, dass mein Schreibtisch auch morgen nur eine rein dekorative Aufgabe übernehmen wird, hadere ich mit der heutigen Abwesenheit, weil mein aufgekratzter Arm wohl nicht mal eine Narbe zurückbehalten wird und das wohl kaum eine Krankmeldung rechtfertigt.
Aber vielleicht gehts ja nicht um Extremitäten, sondern um Extremitäten, die sich mein Kopf ausdenkt, wenn es draußen dunkel und drinnen noch viel dunkler ist. Auch wenn die Sonne scheint.
Also sitze ich nun hier, mit Streichhölzern in meinen ansonsten zufallenden Augen, und ringe um Worte und Erklärungen und Pläne, um das periodische Abbild meiner mangelnden Stressresistenz Selbstfürsorge in etwas zu überführen, was maximal die Kategorie °okkasionell° verdient.
Wieder einmal.

Eskapismus

So rein endokrin gesehen ist Anarchie wohl gerade der heiße Scheiß. Ich habs jetzt mit Ignoranz, neutraler Datenerhebung und externem, synthetischem Gegenschlag versucht – und alles, was ich erreicht habe, sind mattschwarze Sphären mit massiv-gravitativer Wirkung, die mich auf einen winzigen Punkt aus gleißender Dystopie reduziert haben – weitere Dys-* und Dis-* inklusive. Und ich mag das nicht.

Akkadese

Ich gehe ins Bett – nicht, weil ich müde wäre (weil, Dauerzustand dieser Tage), sondern weil der Tag bitte enden soll. Das weiß aber der Tag ja nicht, also geht er noch munter weiter und mein Kopf sieht sich angesichts der Tatsache einer bloßen Lageänderung noch lange nicht dazu bewogen, abzuschalten. Im Gegenteil, er nutzt die Reizarmut der Umgebung aus und füllt die Dunkelheit sehr ausgedehnt mit sehr vielen ausschließlich monochromen Möbius-Gedankenschleifchen, imperatives Verstrickungspotential inbegriffen.
Der Versuch, einfach positiv zu denken, fühlt sich auch am nächsten Morgen ziemlich gescheitert an, als ich die Rückenschmerzen, die mich nach zu langer Bettzeit aus dem Bett zwingen, als einzigen, aber immerhin vorhandenen Grund betrachte, aufzustehen.
Überfordert vom Inhalt meines Kopfs, der mich ununterbrochen mit Szenarien, Möglichkeiten und Unmöglichkeiten bombardiert, frage ich mich, wer am Ende wen manipuliert und ob meine unausgesprochene, aber gelebte Weigerung weiterer Therapien am Ende nur ein Vorwand ist, um egoistisch und anders bleiben zu dürfen. Darunter mischt sich die Frage, ob und wie ich morgen – und den Rest der Woche – arbeiten gehen soll und was wohl noch so lustiges in meinem Kopf passiert, wenn ich es tue oder lasse oder ach ich weiß auch nicht.

Persistenz

Es ist fucking acht Tage her, dass ich das letzte Mal beim Sport war, also stand da noch eine 23 am Datumsende. Und nein, das ist keinem beknackten Neujahrsvorsatz geschuldet, sondern einer hartnäckigen Erkältung, die mich erwischt hat, nachdem ich Raus aus dem Teich bin – nicht im eisbadenden, sondern im cineastischen Sinne. Fuck. Nochmal.
Möglicherweise war Psyche an der finalen Ausprägung nicht ganz unschuldig, weil ich aus purer Doofheit rund 5 Jahre Handyfotos einfach mal gelöscht habe – das meiste davon unwiederbringlich. Zwar sind die wirklich guten Fotos immer mit der DSLR entstanden und noch brav da, wo sie sein sollen, aber alles in allem war es wohl ein kleines bisschen viel in letzter Zeit. Mein innerer Sheldon ist jedenfalls gerade nicht sonderlich ausgeglichen und wäre auch mit nur einer der anderen, geplanten Änderungen schon unzufrieden gewesen.
Mit etwas Glück habe ich auf diese Weise immerhin die erste Schwemme an Vorsätzen im Studio verpasst, wenn ich morgen erstmalig im neuen Jahr dort aufschlage und schaue, was von meinen Muskeln übrig ist und den Neujahrskater damit wohl deutlich anders interpretiere, als andere.
Bleibt noch zu erwähnen, dass die wenig professionelle Wiederherstellung der verlorenen Pixel immerhin offenbar die gesamte Galerie von Rosa beinhaltet, was wir beide sehr feiern und sie ein bisschen ablenkt vom dem Umstand, dass Körper die vergangenen Tage ziemlich wundervoll fand.