Inception

Wer will ich sein?
Abgesehen von der Möglichkeit, die Intonation so auszulegen, dass die Folgefrage Irgendjemand? Will irgendjemand ich sein? lauten könnte und die Frage ad absurdum führt, wäre meine bevorzugte Antwort Meine eigene Katze. Bedingungslos liebgehabt, in Grund und Boden gekrault, und wenn ich den felinen Mittelfinger zeige, bin ich trotzdem noch niedlich.

Wer will ich °thefuck° sein?
Diejenige, die mit einem angetäuschten Suizidversuch nach Hilfe schreit, möglicherweise ein paar Tage in der Psychiatrie landet und deutlich mehr als nur sich selbst verletzt? Keine so schlaue Idee. Aber eine – sehr detailliert ausgemalte – Option.

Wer will ich sein?
Das ist die Frage, die er stellt. Und ich hasse ihn dafür. Weil er Recht hat. Weil sie wichtiger ist als Wer bin ich.

Moonfall

Physi(kali)scher Blödsinn, aber nett zum oschaun.
Rede ich mir ein, auch wenn es nackig wieder mal nicht stimmt, zumindest von hinten. Versuche, strong den neuen heißen Scheiß sein zu lassen, scheitern nicht nur an Rosa, sondern auch an mir und meiner Wollen-Lähmung.
Etwas streift mich, während ich im mentalen Tiefflug vor mich hin dümpel, aber es ist mir deutlich zu anstrengend, den Kopf zu heben und nachzuschauen, was es gewesen sein könnte. Außerdem ist Feierabend, spaziert ist auch, was soll’s also.
Vermutlich nur eine Lästigkeit. So wie leben halt.

Substanz

Mich wundert das Puh, welches der Herr Psychiater mit hochgezogenen Augenbrauen mehr ausatmet als sagt, nachdem ich ihm einen Kurzabriss über meinen mentalen BeschWerdegang und meinen Ist-Status gegeben habe. Dafür, dass ich mich rein überzeugungstechnisch nur anstelle – und ohne Schatz auch keinen Termin gehabt hätte -, scheint er erstaunlich … besorgt.
Also verordnet er mir ein neues Glüxbärchi, so dass ich die nächsten Wochen mit dem Ausschleichen des Alten verbringen und die Müdigkeit und Erschöpfung dieser Tage nun wunderbar als Absetzerscheinung und nicht als Folge mangelnder Kalorienzufuhr deklarieren kann.

Fun Fact: er wäre sowas von der Therapeut, den ich brauche. Direkt. Provokant. Gnadenlos ehrlich.

Symbiont

Wären meine Neuronen nicht etwas mangelernährt, könnte das vermutlich ein recht schicker Wortsalat werden. Ich fürchte aber eher, dass es am Ende eher wie ich aussieht – irgendwie zerrieben.
Körper und ich sind uns gerade deutlich einiger als Rosa und ich, was schon, sagen wir, mindestens merkwürdig ist. Ich habe zwar noch etwas Puffer im Vergleich zur präklinischen Zeit, aber a) nicht besonders viel und b) war meine Kalorienbilanz nie niedriger als in den letzten – zu vielen – Wochen. Das rächt sich. So sehr, dass nun eben jene Überlagerung von Körpers und meinen Interessen ziemlich genau im Gleichgewicht zu jenen von Rosa und mir stehen und ich nun immerhin schon seit gestern täglich eine winzigkleine Zwischenmahlzeit in unsere Seite der Waagschale werfen konnte.

°Focus on the weight you lift, not on the weight you lose°

Wegrationalisierung

Ratio so beim Reden zuzuhören macht nicht immer wirklich Spaß. Also darf sie sich derzeit so richtig oft bei Orange einmischen, dann macht sie anderen halt keinen Spaß. Und Orange hat gerade echt nen Arsch voll Arbeit. So kann Ratio wenigstens nicht allzu offensichtlich darüber nachdenken, wie es gerade so läuft. Nicht, nämlich.
Nicht nur, dass die inzwischen ~2/3 meines wiederhergestellten Gewichts auch gleich auch meinen Zyklus entfernt haben, sondern auch, dass meine nur klangvoll hübsche Röschenflechte zurück und meine Verdauung nochmal ein ganz eigenes Thema ist.
Mit ein Grund, sie Orange aufs Auge zu drücken, ist auch ihre Meinung zur Klinik und meinem Talent, Offensichtlichkeiten vorzuschieben (…therapiere man mich!), um ja nicht in die Verlegenheit zu kommen, wirklich Wichtiges zu thematisieren.
Und auch, wenn es ziemlich sicher eine weitere Selbstlüge ist, rede ich mir ein, dass es halt auch am Alter liegt. Natürlich ist es leicht, einem:r gerade so postpubartären Patient:in – wie sie zu 98% die Erwachsenenstation füllen – zur Heilung die Möglichkeit zu bieten, das eigene Leben zu hinterfragen und sich samt selbigem selbst ganz neu zu erfinden. Mach das mal mit Verpflichtungen. °inbeideRichtungenmitdenAugenroll°
Wir haben also eine Stille Übereinkunft, Ratio und ich. Nur brüllt die leider sehr laut, wenn sie gerade nüscht zu tun hat.

Zielbild

Am Rande des Abgrunds sind noch Plätze frei, also setze ich mich und baumle mit den Füßen im Dunkel. Nur noch ein Hauch trennt mich von einer Panikattacke, die wühlend und brüllend knapp an der Wahrnehmungsgrenze kratzt. Ich halte mir Augen und Ohren zu – seh ich dich nicht, siehst du mich nicht. Erstaunlicherweise funktioniert es, was kaum weniger beängstigend und nicht besonders zukunftsorientiert ist. Körper würde außerordentlich gerne einfach loslassen, sich überschwemmen und zermalmen lassen von dem, was dort droht, aber ich lasse ihn nicht – allein schon aus dem absoluten Unverständnis heraus, dass erst 2/3 des Weges geschafft sind und er sich schon anstellt, als wären wir am Ziel. So nicht, mein Lieber. Wir waren schon ganz woanders, also bilde dir nicht ein, jetzt schon einknicken zu dürfen.