Lucifer

In blinder Verzweiflung habe ich nach dem Ketamin und der nicht feststellbaren Wirkung unter nunmehr gynäkologischer Anleitung – die aus Gründen schon länger in der Pipeline stand – und laborgestützter Analyse, statt einer wie von mir angedachten endokrinologischen Breitseite eine großzügige Salve an Essentials ins Cerebrum geschmissen. Und siehe da, es ward Licht.
Allerdings zeigten sich die Glühwürmchen als ausgesprochen kurzlebig und verwesen seit eineinhalb Wochen wieder, während ich mir die Frage nach einem Placebo-Effekt stelle und es damit dann wohl doch selber in der Hand hätte, aber immer wieder loslasse.
Was ist falsch mit mir?
Ich kann das alles nicht mehr.

SilentHill

Wir haben Glück mit dem Wetter, im Gegensatz zu vorgestern und heute löst sich der Nebel just in time auf und die ausgesprochen ansehnliche Herbstbergbachgraslandschaft sonnt sich unter blauestem Himmel. Ich hasse Menschen, es regnet Asche.

Rückblende. Montag, eine nicht angetretene Urlaubsrückkehr und die Erwartung eines letzten Besuchs im Wunderland enden ohne diesen in einem runtergehandelten gelben Schein und Gedanken in Vantablack. Tage versickern unter pharmakologischen Schwergewichtsdecken und nicht nur Gartenarbeit hinterlässt rote Striemen auf meiner Haut.

Das raumübergreifende Großgrün knallt großorangerot mit dem Rest um die Wette und ich verstehe nicht, wie dieses Übermaß an Buntheit sich am Ende meines Sehnervs einfach im Nichts auflöst, welches seinesgleichen sucht, aber doch nichts neben sich duldet.

Jetzt. Es hat also die bereits die Hälfte meiner gehandelten Krankschreibung gebraucht, dass mir auch nur der Einfall kommt, es könnte hier tatsächlich um mein Leben gehen und nicht um unterbewusste Urlaubstagebeschaffung. Darauf einen Keks.

Iteration

Es beginnt mit nicht unangenehmen Schwindel und hangelt sich über Synästhesien hin zum reinen Licht eines immerwährenden Sonnenaufgangs, der meine Seele umarmt. Weil sich aber auch Tage nach der zweiten Infusion keine weiteren Worte in meinem Kopf zusammenfanden, tat sich mein innerer Stuhlkreis bei der weiteren Bearbeitung eher schwer.


Dann aber folgen Nummer Drei und Vier mit neuerlich erhöhter Dosis und reduzieren mich auf reine Synapsenaktivität, auf Gedanken und Gefühle. Als mir die auch schon nicht mehr aktiv weiterverfolgte Assoziationskette um existenziellphilosophische Fragen endgültig entgleitet und alles zu noch mehr Licht und Wärme wird, schrumpfen die Worte unter der Last der Erinnerung immer schneller und taumelnder zu einer
riesenkleinen, flüsterschreienden
Buchstabenfolge.

Mama.


Vor dem Hintergrund meiner anfänglich ins weiße Rauschen geworfenen Fragestellung, wer ich eigentlich bin und sein will, mag diese Buchstabenfolge angesichts meiner Kinderfreiheit für Fragezeichen sorgen, jedoch gehört sie unanfechtbar zu dem, was mein Verstand bisher nur als diffuse Vermutung aus Erzähltem und Körpererinnerungen ziehen konnte.

Diese vierte Erfahrung definiert das Wort Intensiv einfach mal neu. Alte Einsamkeit und akute Körperspannung werden –  neben dem verzweifelten Widerhall (Mama!!!) – zu einer ganz neuen Dimension von Sehnsucht. 

Nummer Fünf, mit gleicher Dosis wie bei den letzten beiden Trips, kommt nicht mal in die Nähe dieser Tiefenwirkung. Es bleibt bei sachtem inneren Sonnenaufgangsflair – und frustriert mich enorm. Daher, auch wenn ich vom eigentlich angestrebten  Ergebnis bisher ausgesprochen wenig spüre und ein dreistelliger Betrag auf dem Preisschild steht, wird meine Ellenbeuge  um ein weiteres, dann vorerst aber letztes Loch reicher. Und ich hoffentlich um eine tiefgreifende Reise ins Wunderland.

Apathie

Ich frage mich, wann genau ich eigentlich so falsch in der Zeitlinie abgebogen bin, um ausgerechnet in dieser  abgefuckten Realität zu stranden.

OB EIGENTLICH ALLE BESCHEUERT SIND, HAB ICH GEFRAGT!!!

Ich würde echt einfach alles daran hassen, wäre mir nicht genauso alles so entsetzlich egal.
So auch die rund 600€ , die ich kommende Woche gegen zwei Beutel potentielle Glückseligkeit eintauschen und OffLabel in meine Venen jagen lassen werde. Ein Seidenpapierstrohhalm, an den ich einfach mal alles hänge, weil sonst kein Haken mehr frei ist.
Ich weiß nicht, ob die Löcher einfach nur tiefer oder ich bedeutend weniger leidensfähig/-willig werde, aber scheiße, ist das scheiße hier unten.
Ob ich Angst vor mir habe, fragt Schatz in diesem Zusammenhang. Habe ich nicht. And that’s the point.

Repetetiv

Introducing: mental breakdown, pt. drölfzig. Mein nächtlich eskalierendes Gehirn ist leer und mein Akku genauso, was kein Wunder ist nach der Nacht. Die wiederum kein Wunder war, weil – sagen wir, es gab Hinweise.
Und während ich mir ziemlich sicher bin, dass mein Schreibtisch auch morgen nur eine rein dekorative Aufgabe übernehmen wird, hadere ich mit der heutigen Abwesenheit, weil mein aufgekratzter Arm wohl nicht mal eine Narbe zurückbehalten wird und das wohl kaum eine Krankmeldung rechtfertigt.
Aber vielleicht gehts ja nicht um Extremitäten, sondern um Extremitäten, die sich mein Kopf ausdenkt, wenn es draußen dunkel und drinnen noch viel dunkler ist. Auch wenn die Sonne scheint.
Also sitze ich nun hier, mit Streichhölzern in meinen ansonsten zufallenden Augen, und ringe um Worte und Erklärungen und Pläne, um das periodische Abbild meiner mangelnden Stressresistenz Selbstfürsorge in etwas zu überführen, was maximal die Kategorie °okkasionell° verdient.
Wieder einmal.

Eskapismus

So rein endokrin gesehen ist Anarchie wohl gerade der heiße Scheiß. Ich habs jetzt mit Ignoranz, neutraler Datenerhebung und externem, synthetischem Gegenschlag versucht – und alles, was ich erreicht habe, sind mattschwarze Sphären mit massiv-gravitativer Wirkung, die mich auf einen winzigen Punkt aus gleißender Dystopie reduziert haben – weitere Dys-* und Dis-* inklusive. Und ich mag das nicht.