Lucifer

In blinder Verzweiflung habe ich nach dem Ketamin und der nicht feststellbaren Wirkung unter nunmehr gynäkologischer Anleitung – die aus Gründen schon länger in der Pipeline stand – und laborgestützter Analyse, statt einer wie von mir angedachten endokrinologischen Breitseite eine großzügige Salve an Essentials ins Cerebrum geschmissen. Und siehe da, es ward Licht.
Allerdings zeigten sich die Glühwürmchen als ausgesprochen kurzlebig und verwesen seit eineinhalb Wochen wieder, während ich mir die Frage nach einem Placebo-Effekt stelle und es damit dann wohl doch selber in der Hand hätte, aber immer wieder loslasse.
Was ist falsch mit mir?
Ich kann das alles nicht mehr.

Extrinsisch

Die psychologischen Hintergründe sind mir weitgehend klar, und trotzdem bin ich beeindruckt bis überwältigt von der Wucht, mit der mich dieser Teilsatz eines Kollegen erwischt und nachhaltig beschäftigt, als er ebenso unaufgefordert wie selbstverständlich anerkennt, dass so eine Krankheit einfach Scheiße ist. Noch intensiver wird es durch die Tatsache, dass er weder zu denen gehört, die Schleimspuren hinterlassen, noch darauf aus ist, durch seine Worte an in diesem Fall nicht geteilte Oversharing-Informationen zu gelangen, die wie auch immer geartete Hintergedanken befriedigen. 

Mir. Wird. Geglaubt. Und zwar nicht nur von ihm, sondern zusätzlich von denjenigen, mit denen er sich austauscht. Sprich, weitere direkte Kolleg:innen meinerseits, deren Meinung mir mangels ausreichendem Selbstwert etwas bedeutet. 

Heißt aber auch, mein Ego fühlt sich auf eine pervertierte, aber enorm großartige Art und Weise ganz außerordentlich gestreichelt, weil ich scheinbar doch auch wichtig genug bin, dass man über mich spricht.

Seismik

Mentale Eskalationsstufen werden als Folge des seit Wochen bestehenden VerSpannungszustandes ausgerufen – der sich lästigerdings nicht nur in Körper manifestiert, sondern in munter potenzierenden cerebralen Verstrickungen seinen Ursprung fand – und gipfeln in einer angemessenen Portion Benzos, die die Arbeit an diesem Satz auf gute zwanzig Minuten ausdehnen und nicht garantieren können, dass er am Ende irgendeinen Sinn ergibt. Die zuvor getroffene Entscheidung, das Glüxbärchi ab morgen zu erhöhen, erscheint folgerichtig und mindert hoffentlich den – nicht ausschließlich, aber dennoch auch – ekliptisch bedingten Brainfuck auf ein erträgliches Maß.

Elegie

Tristesse kann wohl als definierendes Merkmal der aktuellen Lunation festgehalten werden, betrachtet man den mindestens zu zwei Drittel herrschenden Novembernebel und andere Dinge. Neben kopfschüttelndem Weltschmerz-möv´q ist Wetter-möv´q immerhin etwas, dem ich dank naheliegender Orogenese immerhin zeitweise entkommen kann, so dass nicht all meine Ressourcen dafür draufgehen, nicht draufzugehen.
Dabei ist es an Tagen wie heute, an denen die Hummeln in meinem Hintern das Aufheitern der hiesigen Beleuchtungssituation offensichtlich bedeutend eher ahnten und schon am Morgen ein nervöses, ungerichtetes Summen in Körper verursachten, eigentlich ja ganz okay, so mit Unbesiegbarkeitsüberzeugung durch die Gegend zu laufen – wäre da nicht auch Ratio, die meine Getriebenheit gerne sezieren würde, nur um mir dann das Ergebnis mit °kümmerDichdrum!° um die Ohren zu hauen. Dabei zeigt sie vorwurfsvoll auf das Resultat des nicht mehr so kürzlich stattgefundenen, intensiven und visuell aufwändigen schematischen Aktivismus und drängt auf Neufokussierung.

Persistenz

Es ist fucking acht Tage her, dass ich das letzte Mal beim Sport war, also stand da noch eine 23 am Datumsende. Und nein, das ist keinem beknackten Neujahrsvorsatz geschuldet, sondern einer hartnäckigen Erkältung, die mich erwischt hat, nachdem ich Raus aus dem Teich bin – nicht im eisbadenden, sondern im cineastischen Sinne. Fuck. Nochmal.
Möglicherweise war Psyche an der finalen Ausprägung nicht ganz unschuldig, weil ich aus purer Doofheit rund 5 Jahre Handyfotos einfach mal gelöscht habe – das meiste davon unwiederbringlich. Zwar sind die wirklich guten Fotos immer mit der DSLR entstanden und noch brav da, wo sie sein sollen, aber alles in allem war es wohl ein kleines bisschen viel in letzter Zeit. Mein innerer Sheldon ist jedenfalls gerade nicht sonderlich ausgeglichen und wäre auch mit nur einer der anderen, geplanten Änderungen schon unzufrieden gewesen.
Mit etwas Glück habe ich auf diese Weise immerhin die erste Schwemme an Vorsätzen im Studio verpasst, wenn ich morgen erstmalig im neuen Jahr dort aufschlage und schaue, was von meinen Muskeln übrig ist und den Neujahrskater damit wohl deutlich anders interpretiere, als andere.
Bleibt noch zu erwähnen, dass die wenig professionelle Wiederherstellung der verlorenen Pixel immerhin offenbar die gesamte Galerie von Rosa beinhaltet, was wir beide sehr feiern und sie ein bisschen ablenkt vom dem Umstand, dass Körper die vergangenen Tage ziemlich wundervoll fand.

Anabol

Während ich versuche, meinen Gedankensalat irgendwie sinnvoll einzusortieren, drängt sich eine so simple wie bahnbrechende Erkenntnis relativ dreist dazwischen. Vielleicht ist es ja auch okay, gerade einfach mal fein damit zu sein, wie mein Leben so läuft. Und jetzt steh ich da, vor meinem Salat, dem nur provisorisch eingeräumten Ordnungssystem und dieser Erkenntnis und denke, fuck, sie hat Recht.

Gerade ist echt alles ziemlich okay – hält man die Augen weiterhin hübsch verschlossen vor der Welt – und ich fühle mich auch okay. Echt jetzt!
Arbeit? Läuft.
Sport? Läuft.
Privat? Läuft.

Was ich dennoch gerne einsortieren würde, ist Rosa. Weil, wir arrangieren uns und ich habe Angst, dass sie einfach geht. Ich will sie festhalten, einfach weil halt. Weil Halt, wahrscheinlich. Körper hätte da durchaus ne andere Meinung zu und ist auch ausgesprochen deutlich in seinen Forderungen, was mir wiederum so garnicht in den Kram passt.



Bei 28,3° eine Miezekatze auf dem Schoß zu haben, ist nur so semi 🔥