Seismik

Mentale Eskalationsstufen werden als Folge des seit Wochen bestehenden VerSpannungszustandes ausgerufen – der sich lästigerdings nicht nur in Körper manifestiert, sondern in munter potenzierenden cerebralen Verstrickungen seinen Ursprung fand – und gipfeln in einer angemessenen Portion Benzos, die die Arbeit an diesem Satz auf gute zwanzig Minuten ausdehnen und nicht garantieren können, dass er am Ende irgendeinen Sinn ergibt. Die zuvor getroffene Entscheidung, das Glüxbärchi ab morgen zu erhöhen, erscheint folgerichtig und mindert hoffentlich den – nicht ausschließlich, aber dennoch auch – ekliptisch bedingten Brainfuck auf ein erträgliches Maß.

Flashback

Eine Körpererinnerung holt mich ein. Nur für den Bruchteil einer Sekunde, aber so intensiv und beängstigend, dass sie mir nachhängt. Dabei ist es keine einzeln beschreibbare Situation, eher ein sich über rund 3 Jahre wiederholendes, vergessen geglaubtes gehofftes Gefühl voller Schwere und Abscheu. Ich kann keinen Auslöser identifizieren, also bleibt die Angst, dass es wieder passieren könnte und mir mit voller Wucht ins Gehirn tritt.

Obskurität

Mein Wecker ist gestellt, meine höchstwahrscheinliche Rückkehr an den virtuellen Arbeitsplatz seit Freitag angekündigt, das Wochenende war grauenvoll – was soll da schiefgehen?

Der Beschluss, die Verlobung mit meinen Augenringen zu lösen und stattdessen als elendes Häufchen erneut bei meinem Doc zu sitzen, mag – nicht nur nach Außen –  sinnvoll und verantwortungsbewusst aussehen, anfühlen tut es sich aber wie persönliches Totalversagen. Und das mit mehrwöchigem Anlauf.

Um einen weiteren gewünschten gelben Schein, eine ungewünschte Überweisung zur Psychotherapie (siehe: Totalversagen plus nach den ganzen schon erfolgten Therapien bin ich ja sowas von selber schuld) und einen Dreimonatsvorrat Psychopharmaka, den ich mir letzte Nacht entgegen meiner bisherigen Überzeugung tatsächlich doch wieder als mögliche Hilfe ausgedacht habe, sitze ich nun daheim und versinke in dem nichtGefühl, ein ausgesprochen schlechter Mensch und eine noch schlechtere Kollegin zu sein.

Und wie zur Hölle tue ich jetzt schöne Dinge, wenn mir die Selbststigmatisierung schon bei der bloßen Idee in den Rücken schießt?

Akkadese

Ich gehe ins Bett – nicht, weil ich müde wäre (weil, Dauerzustand dieser Tage), sondern weil der Tag bitte enden soll. Das weiß aber der Tag ja nicht, also geht er noch munter weiter und mein Kopf sieht sich angesichts der Tatsache einer bloßen Lageänderung noch lange nicht dazu bewogen, abzuschalten. Im Gegenteil, er nutzt die Reizarmut der Umgebung aus und füllt die Dunkelheit sehr ausgedehnt mit sehr vielen ausschließlich monochromen Möbius-Gedankenschleifchen, imperatives Verstrickungspotential inbegriffen.
Der Versuch, einfach positiv zu denken, fühlt sich auch am nächsten Morgen ziemlich gescheitert an, als ich die Rückenschmerzen, die mich nach zu langer Bettzeit aus dem Bett zwingen, als einzigen, aber immerhin vorhandenen Grund betrachte, aufzustehen.
Überfordert vom Inhalt meines Kopfs, der mich ununterbrochen mit Szenarien, Möglichkeiten und Unmöglichkeiten bombardiert, frage ich mich, wer am Ende wen manipuliert und ob meine unausgesprochene, aber gelebte Weigerung weiterer Therapien am Ende nur ein Vorwand ist, um egoistisch und anders bleiben zu dürfen. Darunter mischt sich die Frage, ob und wie ich morgen – und den Rest der Woche – arbeiten gehen soll und was wohl noch so lustiges in meinem Kopf passiert, wenn ich es tue oder lasse oder ach ich weiß auch nicht.

Belong

Mit Schatz ist offensichtlich auch der Kleber in Urlaub geflogen, der mich zusammengehalten hat. Anders ist kaum zu erklären, warum ich seit Dienstagabend zerfalle, in immer mehr Teilen um mich herum liege und dauernd über mich drüber stolper.
Vorher waren da Risse, aber irgendwie habe ich doch aneinander geklebt. Da war Resonanz. Stabilität. Und ich dachte, ich bekomme das gut hin mit dem Alleine sein für zwei Wochen. Mach’s mit nett. Aber vielleicht hätte ich drauf hören sollen, als plötzlich das Licht aus- und eine megaphonunterstützte Stimme anging, die die Idee auf einmal für ganz arg doof hielt.
Wenn ich wenigstens wüsste, was ich von mir will Alkohol. Was ich bräuchte Rasierklingen. Was ich tun kann eskalieren, damit sich nicht jede unbeschäftigte Sekunde anfühlt wie °ichwillaufnArmundLeuteanschreien°. Und jede beschäftigte wie °ichwillbitteumgehendschlafenundDummheitenmachen°.
Ich meine, ganz ehrlich, wie machen das normale Menschen? Einen Haushalt, Miezen, Arbeiten, Sport, nicht durchdrehen, Leben? Und dann auch noch im November bei 4° und Schneeregen?
Ach ja. Die essen vielleicht etwas mehr. Und reden. Mit Menschen.

Fluoreszenz

Ich habe ein Nachtlicht gefunden, aber es ist nicht unbedingt bedeutend heller als die Aurora, die sich gestern vor unserer Haustür tummelt und mehr zu erahnen als zu sehen ist. Ich bilde mir dennoch einen roten Schimmer ein, der sich immerhin fotografisch sehr deutlich einfangen und mich vollkommen unbeeindruckt lässt. Nordlichter sehen. Der oberste Eintrag auf meiner nicht vorhandenen BucketList lässt rot schimmernde Süddeutschlandfunzeln nicht gelten und trotzdem frage ich mich, warum jene Seltenheit einfach nüscht in mir auslöst. Also, jaaaa…mich fragen, ich mein, ich weiß schon. Gefühle bräuchten halt ein klitzekleines minibisschen mehr Raum als die winzige Kiste, in der sie vor sich hin verstauben, aber Alter! Die. sind. Gefährlich!