SilentHill

Wir haben Glück mit dem Wetter, im Gegensatz zu vorgestern und heute löst sich der Nebel just in time auf und die ausgesprochen ansehnliche Herbstbergbachgraslandschaft sonnt sich unter blauestem Himmel. Ich hasse Menschen, es regnet Asche.

Rückblende. Montag, eine nicht angetretene Urlaubsrückkehr und die Erwartung eines letzten Besuchs im Wunderland enden ohne diesen in einem runtergehandelten gelben Schein und Gedanken in Vantablack. Tage versickern unter pharmakologischen Schwergewichtsdecken und nicht nur Gartenarbeit hinterlässt rote Striemen auf meiner Haut.

Das raumübergreifende Großgrün knallt großorangerot mit dem Rest um die Wette und ich verstehe nicht, wie dieses Übermaß an Buntheit sich am Ende meines Sehnervs einfach im Nichts auflöst, welches seinesgleichen sucht, aber doch nichts neben sich duldet.

Jetzt. Es hat also die bereits die Hälfte meiner gehandelten Krankschreibung gebraucht, dass mir auch nur der Einfall kommt, es könnte hier tatsächlich um mein Leben gehen und nicht um unterbewusste Urlaubstagebeschaffung. Darauf einen Keks.

Elegie

Tristesse kann wohl als definierendes Merkmal der aktuellen Lunation festgehalten werden, betrachtet man den mindestens zu zwei Drittel herrschenden Novembernebel und andere Dinge. Neben kopfschüttelndem Weltschmerz-möv´q ist Wetter-möv´q immerhin etwas, dem ich dank naheliegender Orogenese immerhin zeitweise entkommen kann, so dass nicht all meine Ressourcen dafür draufgehen, nicht draufzugehen.
Dabei ist es an Tagen wie heute, an denen die Hummeln in meinem Hintern das Aufheitern der hiesigen Beleuchtungssituation offensichtlich bedeutend eher ahnten und schon am Morgen ein nervöses, ungerichtetes Summen in Körper verursachten, eigentlich ja ganz okay, so mit Unbesiegbarkeitsüberzeugung durch die Gegend zu laufen – wäre da nicht auch Ratio, die meine Getriebenheit gerne sezieren würde, nur um mir dann das Ergebnis mit °kümmerDichdrum!° um die Ohren zu hauen. Dabei zeigt sie vorwurfsvoll auf das Resultat des nicht mehr so kürzlich stattgefundenen, intensiven und visuell aufwändigen schematischen Aktivismus und drängt auf Neufokussierung.

Phorie

Im schmerzlichen Bewusstsein, durchaus Teil des Problems zu sein, betrachte ich die Pasterze, die sich dem wandelnden Klima nur ergeben kann und nichts als nackten, viel zu warmen Fels hinterlässt. Ich spüre ein Ziehen im Körper und versuche, die Inkongruenz dieser rundum außergewöhnlichen, beeindruckenden und so wunderschönen Landschaft mit der aufkommenden Traurigkeit ins Gleichgewicht zu bringen und bin erstaunt, dass es gelingt.
Die zwei Tage Alpenlandschaft-Dusche fühlen sich an wie fünf und machen die darauffolgenden 130 Liter Regen bei 4 Grad Außentemperatur bisher nachhaltig erträglich, auch wenn sie dafür scheinbar mein Gehirn verstopfen und bisher verhindern, weiter an meinen Käfigtüren zu feilen.

Synapse

Mit einem funktionierenden, medikamentös induzierten Serotoningleichgewicht stellen sich die letzten 6 Monate als ziemlicher Blindflug heraus. Klar wird mir das, als ich zwischen Kühen und Wildblumen auf 1.500 Metern nicht nur einfach rumstehe, sondern den Berg, die Sonne und auch alles andere fühle. Vielleicht wäre es schlau gewesen, doch schon eher wieder mit den Glüxbärchis anzufangen, aber das letzte Mal fühlte es sich irgendwie … anders an. Stumpfer. Und war hoffentlich den Umständen vor rund eineinhalb Jahren geschuldet.
Jedenfalls ist die Akkustandsanzeige inzwischen auf einem deutlich verträglicheren Niveau und reicht hoffentlich, den ab morgen wieder eingeschalteten Wecker länger als ein paar Tage zu tolerieren.

Manko: Meine Kreativität ist kaputt. Und mein Orgasmus.

Akkadese

Ich gehe ins Bett – nicht, weil ich müde wäre (weil, Dauerzustand dieser Tage), sondern weil der Tag bitte enden soll. Das weiß aber der Tag ja nicht, also geht er noch munter weiter und mein Kopf sieht sich angesichts der Tatsache einer bloßen Lageänderung noch lange nicht dazu bewogen, abzuschalten. Im Gegenteil, er nutzt die Reizarmut der Umgebung aus und füllt die Dunkelheit sehr ausgedehnt mit sehr vielen ausschließlich monochromen Möbius-Gedankenschleifchen, imperatives Verstrickungspotential inbegriffen.
Der Versuch, einfach positiv zu denken, fühlt sich auch am nächsten Morgen ziemlich gescheitert an, als ich die Rückenschmerzen, die mich nach zu langer Bettzeit aus dem Bett zwingen, als einzigen, aber immerhin vorhandenen Grund betrachte, aufzustehen.
Überfordert vom Inhalt meines Kopfs, der mich ununterbrochen mit Szenarien, Möglichkeiten und Unmöglichkeiten bombardiert, frage ich mich, wer am Ende wen manipuliert und ob meine unausgesprochene, aber gelebte Weigerung weiterer Therapien am Ende nur ein Vorwand ist, um egoistisch und anders bleiben zu dürfen. Darunter mischt sich die Frage, ob und wie ich morgen – und den Rest der Woche – arbeiten gehen soll und was wohl noch so lustiges in meinem Kopf passiert, wenn ich es tue oder lasse oder ach ich weiß auch nicht.

Inkonklusiv

Mein Ego lässt sich in mentaler Dauerschleife nach wie vor vom Chef den Bauch kraulen, und das schon seit Freitag. So schnurrt es fast zufrieden vor sich hin und hält Orange damit etwas in Schach, die schon länger, aber seit knapp zwei Wochen so richtig hustled und mich auch an diesem Wochenende überaus gerne an die noch folgenden Tage erinnert, weil – es sind nur noch 2 Wochen bis zum Urlaub und ich muss noch dieses und jenes und das am Besten auch noch erledigen. Immerhin, Chef sieht, was ich bisher schon alles jongliere und ich kann ihm sogar sagen, dass es viel ist und ich nicht nur versuche, nur so viel zu machen, wie nachhaltig möglich ist.
Trotzdem bekomme ich so vieles in meinem Kopf nicht sortiert, geschweige denn, aufgeräumt und eigentlich will ich da oben nicht mit mir alleine sein. Aber in das Chaos kann man echt keinen reinlassen, auch wenn ich alles in einen Schrank stopfe und die Tür zu mache. Ich muss davor sitzen bleiben, damit sie zu bleibt – Rosa leistet mit Gesellschaft, streitet sich aber dauernd mit Ratio und Körper und mir.
Dennoch ist es auch irgendwie okay – alter, es ist Sommer, jedes Wochenende Bergtour, ich existiere nicht mehr nur von Wochenende zu Wochenende… Vielleicht ist das einfach Leben. Oder? Oder?

Heute ist es 366 Tage her, dass ich mich aus der Psychiatrie entlassen habe, in die ich mich vor 369 Tagen selbst eingewiesen habe – nur, um elf Tage später wieder an deren Tür zu klopfen. Musste ich nur mal sagen – tatsächlich ohne Hintergedanken.