Legalisierung

Die Entflechtung meiner Leidensfähigkeit von der korrespondierenden –willigkeit erscheint mir enorm wichtig, um den leider nötigen verfrühten Feierabend nicht als persönliches Versagen zu werten, sondern den freien Nachmittag als genau das zu fühlen, was er sein soll.
Zugegeben, ich bin selbst erstaunt, als nach neuem Framing am Ende sogar ein paar Prozent mehr auf meiner Akkuanzeige stehen – ein Grund mehr, meine verringerten Wochenstunden schlichtweg zu feiern.

Bekekst starte ich ins Wochenende, und auch wenn die Dosis dieses Mal dann doch zu hoch war, um es noch alltags(wochenend)tauglich zu nennen und finde den Effekt auf meine Synapsen am nächsten Tag einfach phänomenal. So müssen sich normale* Menschen fühlen, es ist einfach irgendwie aufgeräumter in meinem Kopf.

* gibt’s nicht, weiß ich. aber you know what I mean.

Synapse

Mit einem funktionierenden, medikamentös induzierten Serotoningleichgewicht stellen sich die letzten 6 Monate als ziemlicher Blindflug heraus. Klar wird mir das, als ich zwischen Kühen und Wildblumen auf 1.500 Metern nicht nur einfach rumstehe, sondern den Berg, die Sonne und auch alles andere fühle. Vielleicht wäre es schlau gewesen, doch schon eher wieder mit den Glüxbärchis anzufangen, aber das letzte Mal fühlte es sich irgendwie … anders an. Stumpfer. Und war hoffentlich den Umständen vor rund eineinhalb Jahren geschuldet.
Jedenfalls ist die Akkustandsanzeige inzwischen auf einem deutlich verträglicheren Niveau und reicht hoffentlich, den ab morgen wieder eingeschalteten Wecker länger als ein paar Tage zu tolerieren.

Manko: Meine Kreativität ist kaputt. Und mein Orgasmus.

Varianz

Sein äußeres Erscheinungsbild als Laune der Natur zu bezeichnen ist nicht nur ausgesprochen oberflächlich, sondern auch hart untertrieben. Und ich frage mich, ob das kleine rote Warnlämpchen in meinem Kopf einem rein urzeitlich begründeten Art(gesund)erhaltungsinstinkt entspringt, oder doch etwas dran ist an dem Gefühl, dass dort nicht nur sprichwörtliche Leichen im Keller liegen könnten. Angesichts meiner generell nicht vorhandenen Reproduktionsabsichten halte ich Möglichkeit Zwei für gar nicht mal so abwegig und bin dennoch diffus überzeugt, dass ich meine Antennen eindeutig überbewerte. Hoffentlich.

Rauhnacht

Zwischen den Jahren . ZwischenWelten. Ich scrolle durch Selfies und Monate, die zusammen mit Körpergewicht und Blut im Dunkel versickert sind.

Es ist November, nach einem Monat Psychiatrie, weiteren Wochen Krankschreibung und in meiner nochmal deutlich heruntergeschraubten Wiedereingliederung. Die neue Frau Therapeutin und ich stellen immerhin so viel Gewicht wieder her, dass sich mein Uterus mal wieder angesprochen fühlt. Nicht, dass ich das irgendwie bräuchte, aber was tut frau nicht alles für die Gesundheit.

Zum ersten Mal seit – ja, immer, irgendwie?! – spüre ich das Leben und denke voller Staunen, dass sich so also Leben anfühlt. Nicht nur struggeln, hustlen und irgendwie halbwegs überleben.

Und fuck, ist das geil.

Windspiel

Mich aufsammeln ist die Antwort auf die Frage vom Chef, was ich denn in meinem Urlaub so vorhabe. Passend dazu heule ich ihm eine halbe Stunde später ins Telefon und er verbringt über eine Stunde damit, meinen zur Singularität eingeschrumpften Blick wieder zu so etwas wie einem Horizont zu erweitern.
Die weltpolitische Lage ist allerdings ziemlich gut darin, selbiges – wenn auch mit anderem Fokus – postwendend zu invertieren. Aber das nur nebenbei.
Heute, an diesem leider nicht mehr palindromen Tag, zeigt mir Rosa außerordentlich stolz das Wiegeergebnis mit einem neuen alten Zehnerschritt vorndran. Ich weiß noch nicht so genau, wie ich das finde und schwanke zwischen absolut großartig und Alter! wie blöd kann man eigentlich sein.
Das. Ist. Irrsinn!
Kann man jetzt für alles Mal so stehen lassen.

Heuhaufen

Weil Körper die zugegeben etwas begrenzten Ressourcen aus mir unerfindlichen Gründen nicht für die aus meiner Sicht sehr viel nötigere Wärmeproduktion einsetzt, sondern stattdessen Orange mit Hirn und einer aufrechten Sitzposition umsorgt, sitze ich bei 23,9 Grad mit Langarmshirt, einer wirklich dicken Sweatjacke und meiner eigentlich-draussen-Daunenweste im sonnendurchfluteten Wintergarten HomeOffice und merke zu spät, dass das am Telefon zwar keiner hören, in der Teams-Besprechung aber alle sehen können. Immerhin ist eine:r meiner deutlich weniger winterlich angezogenen Gesprächspartner:innen so freundlich, die eigentlich unterhalb der Kamera befindliche Wärmflasche ins Bild zu halten und rettet mich damit zumindest etwas aus meiner Verlegenheit.
Das Boostern morgen mit bisher unbekanntem Impfstoff ist da sicher eine richtig gute Idee.