Prävention


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Sport und Podcast. Die einzig denkbare Möglichkeit, überhaupt einen zu hören, weil, man kann ja nicht einfach nur einen Podcast hören und sonst nichts tun.
Es geht um Entwicklungstraumata und noch bevor ich so richtig realisiere, dass sich gerade mehr als eine ziemlich verstaubte Kiste in meinem Kopf öffnet, wirft sich irgendetwas im Innen darauf, als wären es scharfe Granaten. Vermutlich sind es scharfe Granaten. Nichts als latente Übelkeit bleibt zurück und das Gefühl, auf der Suche zu sein, ohne zu wissen wonach. Ein Gefühl, das einfach nicht verschwinden will und nach jeder der vielen Nächte, in der ich von der Klinik träume, an Intensität gewinnt. Was sich nicht wegmachen lässt und den Parasit nährt.

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Orange lässt sich überaus selbstzufrieden das Bauchi vom Chef kraulen.
Wo Rosa, der Parasit und andere so sind, kann ich nicht sagen, weiß aber ziemlich sicher, dass sie sich ähnlich ignor- bis negiert fühlen müssen wie ich, weil Orange einfach keinen Widerspruch zulässt. Dabei hätte ich schon etwas zu sagen. Ist ihr aber sehr egal gerade.

Du wirkst so stabil und stark wie nie zuvor, kann man fast sagen, sagt Chef, nicht nur fast.

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Gib mir endlich den verfickten Alkohol und Klingen, dann zeige ich dir, wie stabil ich bin! kreischt der Parasit und ich weiß kaum noch, was ich ihm entgegensetzen soll.

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Es war Februar – oder März, oder April, jedenfalls einer dieser sehr schwarzdunklen Monate – als ich der sehr beruhigenden Überzeugung war, dieses Jahr nicht zu überleben. Jetzt sind nur noch vierzehn Tage übrig und ich will einen gebührenden Abschluss finden für eine von Menschen erdachte Zeitspanne als ungenaue Abgrenzung eines hochpräzisen astronomischen Zyklus.
Kein Ende, aber einen Abschied, eine letzte Eskalation, bevor das neue Jahr voller Einhörner und Glitzer starten kann.

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Ascheregen

Ich warte auf die große Erkenntnis, die Erleuchtung oder wenigstens einen kleinen Nervenzusammenbruch. Stattdessen stehe ich meilenweit von Selbigem entfernt und es ist egal, ob ich mich setze oder nicht.
Weißt du eigentlich, wie wenig das war? fragt der Parasit und verweist auf die lächerlich kleine Quängelwarenflasche Vodka.
Weißt du eigentlich, wie viele Kalorien der Mist hat? fragt Rosa.
Weißt du eigentlich, wie bescheuert das ist? fragt Ratio.
Ja. sage ich.

Rosa versteht sich ausgezeichnet darauf, jeglichen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, in dem sie den Parasit aufweckt und anstachelt.

Der Parasit versteht sich ausgezeichnet darauf, jegliche Bedenken über Bord zu werfen und seine eigenen Interessen durchzusetzen.

Ratio versteht sich ausgezeichnet darauf, mir zu sagen, dass es einfach ist, alle Verantwortung auf EgoStates abzuschieben, die doch nur ein Teil meines Selbst sind und deren Entscheidungen am Ende immer die meinen sein werden.

by http://www.anna-cosma.de

Körpersprache

Wir müssen reden! sage ich zu Rosa, als ich sie mir unter den Arm klemme, um irgendwo hinzugehen, wo es ruhiger ist.
Aber es ist nirgends ruhiger, ich bin eine Getriebene meiner selbst und trage sie nun schon eine ganze Weile so mit mir rum, unser Gespräch auf ein Später verlegend. Erneut.
Immerhin, der Parasit hat sich in sein Körbchen geringelt und schnarcht selig vor sich hin, nachdem er sich wieder einmal austoben durfte.
Körper nimmt mir die Mangelernährung auf prä-Klinik-Niveau abzunehmend übel und darf deshalb heute schon vor 8 ins Bett, weil er schon seit Tagen immer lauter quängelt. Und ja, ich habe ein bisschen Mitleid mit ihm, weil die Tage langsam echt anstrengend werden.
Bald habe ich Urlaub, nur noch zwei Mal früh aufstehen.
Dann reden wir aber wirklich! sage ich zu Rosa, die inzwischen ziemlich gechillt an meinem Arm rumhängt.

Gravastern

In meinem Innersten ist ein Loch. Ein finsteres Vakuum, das wer weiß wann vor sich hin entstanden, im Kern offensichtlich nie verschwunden und langsam wieder kanzerös vor sich hin gewachsen ist. Inzwischen ist es größer als Rosa und der Parasit zusammen. Größer als ich.
Sanft umschlossen von einer watteweichen Glüxbärchi-Wolke fällt die Schwärze des Lochs, die im Innern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben wird, kaum auf. Aber so sehr ich auch hineinschauen, es füllen mag – einfach mit irgend etwas – , ich habe keinen Zugriff. Es verweigert sehr vehement jeden Versuch, es zu ergründen. Weghungern. Funktioniert nicht. Rausschneiden. Auch nicht. Beides zusammen. Ist zwar irgendwie geil, bringt mich aber auch nicht weiter.
Der Parasit redet mir den heimlichen Kauf von Vodka schön, indem er mir verspricht, dass ich dann bestimmt einen Blick hineinwerfen kann, in das Loch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es mich aufsaugt. Und plane, wann ich trinken kann.

In­di­g­na­ti­on

Zum Glück hat Orange nicht nur selbstverständlich unseren Job, sondern auch unsere Gesichtszüge im Griff, als sie auf ziemlich überzeugende Art und Weise unserem Chef berichtet, wie gut wir zurecht kommen und dass wir uns auf gar keinen Fall überfordert fühlen.
Die als runder Tisch getarnte Illusion bekommt wieder ein paar Risse mehr, als ich mit vor irritiertem Erstaunen offenem Mund und großen Augen in die NichtRunde blicke. Orange, die Rosa und den Parasit negiert, während beide nicht nur Verschwöungspläne schmieden, sondern diese schon mehr oder weniger erfolgreich in Taten umsetzen.

Ich sehne mich nach einem zerbrechlichen, verletzten Körper, von dem Rosa und der Parasit sehr genau wissen, wie ich dorthin komme. Ich winde mich um mich selbst, halb zerrissen von dem Wunsch, gleichzeitig gesund und kaputt zu sein. Dunkel, und verdreht.