Paralyse

Musik rauscht gemeinsam mit anderen Substanzen durch meinen Körper und beides zusammen hüllt mich in eine flauschig weiche Wolke aus Babyeinhornfell, die ich seit drei Tagen suche und heute endlich finde. Und ich liebe alles daran.
Gestern erwähne ich beiläufig meine erfolgte Selbstmedikation (ohne den Hinweis der doppelten Dosis im Vergleich zum Vortag, die einfach mal so gar nicht zündete) – zum Glück vor dem Filmriss, der erst einsetzt, als ich bereits schlafe, später angelöffelt werde und Schatz daraufhin mit Unsinnigkeiten vollquatsche.
Als ich heute immerhin schon einen Hauch der antreibenden Wirkung der von Ratio verordneten Glüxbarchi-Erhöhung zu verspüren meine, hoffe ich auf ein baldiges Mehr, als mir mein Suchtgedächtnis in den Rücken und ich aus versehen mit wühlenden Händen in den Medischrank falle – die Beiden am Boden befindlichen vergessenen Überreste füttern nun das Einhorn.
Ratios Blick ist ziemlich eindeutig not amused. Und das nicht nur wegen Flausch, sondern auch wegen Rosa, die aufgrund der Anzeige auf der Waage ein Dauergrinsen aufgesetzt hat und Grau, die ihr dauernd im Weg liegt – einfach weil sie es kann.

Elektiv

Ratio macht ihren Job geradezu ekelhaft gut und lässt sich ausgesprochen standhaft nicht davon abbringen, mich nicht zum Sport zu lassen, weil es sich seit über einer Woche eine nicht unerhebliche Erkältung in mir gemütlich gemacht hat. Mein Immunsystem nimmt – im Gegensatz zu Rosa und mir – scheinbar keinen besonderen Anstoß an der pathogenen Sportbremse und chillt stattdessen eher unmotiviert vor sich hin.
Als erstes Symptom möglicher Genesung bildet sich ausgerechnet cerebrale Exzitation wieder zur prävirulenten Ausprägung aus, deren Impulse zwar weitgehend an Ratio zerschellen, aber nicht gerade zur Entspannung beitragen, so dass ich mir das °doofdankbrainfog° zurückwünsche. Rosa untergräbt Ratio indes, wo sie kann, aber außer Frühstück und Snackgemüse skippen ist dennoch nichts drin, was über einen Sonnenspaziergang hinaus geht. An Hass grenzende Feindseligkeit schweißt uns zusammen, Rosa und mich.

Elegie

Tristesse kann wohl als definierendes Merkmal der aktuellen Lunation festgehalten werden, betrachtet man den mindestens zu zwei Drittel herrschenden Novembernebel und andere Dinge. Neben kopfschüttelndem Weltschmerz-möv´q ist Wetter-möv´q immerhin etwas, dem ich dank naheliegender Orogenese immerhin zeitweise entkommen kann, so dass nicht all meine Ressourcen dafür draufgehen, nicht draufzugehen.
Dabei ist es an Tagen wie heute, an denen die Hummeln in meinem Hintern das Aufheitern der hiesigen Beleuchtungssituation offensichtlich bedeutend eher ahnten und schon am Morgen ein nervöses, ungerichtetes Summen in Körper verursachten, eigentlich ja ganz okay, so mit Unbesiegbarkeitsüberzeugung durch die Gegend zu laufen – wäre da nicht auch Ratio, die meine Getriebenheit gerne sezieren würde, nur um mir dann das Ergebnis mit °kümmerDichdrum!° um die Ohren zu hauen. Dabei zeigt sie vorwurfsvoll auf das Resultat des nicht mehr so kürzlich stattgefundenen, intensiven und visuell aufwändigen schematischen Aktivismus und drängt auf Neufokussierung.

Reminiszenz

Als ich mit Schatz bei ebenjenem Herrn Psychiater bin, der mich vor zwei Jahre mit seiner eher unterdurchschnittlich erfolgreichen Idee, das Glüxbärchi zu wechseln, in die Psychiatrie brachte, um bei ihm einen Termin zu vereinbaren, stellt sich meine Erinnerung an den Behandlungsraum wie vermutet als entfernt dar. Zwar war ich mir vorher schon ziemlich sicher, dass der Stuhl, auf dem ich damals saß, nicht in zehn Metern Distanz zu seinem Schreibtisch steht, sehe mich aber nun bestätigt – auch wenn sich das Bild in meinem Kopf dadurch keinen Millimeter ändert.

Nachdem das jetzige, psychiatriegetestete Glüxbärchi auch aktuell tut, was es soll – wenngleich auch mit etwas weniger Schmackes als am Anfang, was immerhin der Orgasmusthematik entgegenkommt – bedarf es neben einem neuen Rezept auch belastbarer Informationen zur längerfristigen Einnahme, auch wenn ich die in meinem Kopf – natürlich – bereits wieder zu relativieren beginne.

Anomalie

Meine f*cking Selbstreflektion weiß natürlich, dass der Weg gerade nur in eine Richtung führt. Und das erzählt sie natürlich auch brav dem Herrn Doktor, der die Verneinung auf seine Frage nach therapeutischer Unterstützung an meiner Seite mit hochgezogener Augenbraue kommentiert und mir dann mit der Frage in den Rücken fällt, ob mir die Klinik aber schon sehr weitergeholfen habe, oder? Das Ja klar! ist nur noch ein Reflex und er bietet sofort an, ein entsprechendes Schreiben zur Notwendigkeit zu verfassen, um die jetzige Phase zu überstehen, sollte ich mich dafür entscheiden.
Mein Unterbewusstsein scheint unausgesprochener Fan dieser Möglichkeit zu sein, auch wenn ich die seither gerade gegen Abend – zur °variablen° Mahlzeit – aufkommende Übelkeit mal ganz ignorant auf die zwei Ibu und das Schleudertrauma vom Donnerstag schiebe und natürlich nur deswegen noch keine Kalorienerhöhung vorgenommen habe. Vornehmen konnte!
Es ist so. armselig.

Wegrationalisierung

Ratio so beim Reden zuzuhören macht nicht immer wirklich Spaß. Also darf sie sich derzeit so richtig oft bei Orange einmischen, dann macht sie anderen halt keinen Spaß. Und Orange hat gerade echt nen Arsch voll Arbeit. So kann Ratio wenigstens nicht allzu offensichtlich darüber nachdenken, wie es gerade so läuft. Nicht, nämlich.
Nicht nur, dass die inzwischen ~2/3 meines wiederhergestellten Gewichts auch gleich auch meinen Zyklus entfernt haben, sondern auch, dass meine nur klangvoll hübsche Röschenflechte zurück und meine Verdauung nochmal ein ganz eigenes Thema ist.
Mit ein Grund, sie Orange aufs Auge zu drücken, ist auch ihre Meinung zur Klinik und meinem Talent, Offensichtlichkeiten vorzuschieben (…therapiere man mich!), um ja nicht in die Verlegenheit zu kommen, wirklich Wichtiges zu thematisieren.
Und auch, wenn es ziemlich sicher eine weitere Selbstlüge ist, rede ich mir ein, dass es halt auch am Alter liegt. Natürlich ist es leicht, einem:r gerade so postpubartären Patient:in – wie sie zu 98% die Erwachsenenstation füllen – zur Heilung die Möglichkeit zu bieten, das eigene Leben zu hinterfragen und sich samt selbigem selbst ganz neu zu erfinden. Mach das mal mit Verpflichtungen. °inbeideRichtungenmitdenAugenroll°
Wir haben also eine Stille Übereinkunft, Ratio und ich. Nur brüllt die leider sehr laut, wenn sie gerade nüscht zu tun hat.