Lucifer

In blinder Verzweiflung habe ich nach dem Ketamin und der nicht feststellbaren Wirkung unter nunmehr gynäkologischer Anleitung – die aus Gründen schon länger in der Pipeline stand – und laborgestützter Analyse, statt einer wie von mir angedachten endokrinologischen Breitseite eine großzügige Salve an Essentials ins Cerebrum geschmissen. Und siehe da, es ward Licht.
Allerdings zeigten sich die Glühwürmchen als ausgesprochen kurzlebig und verwesen seit eineinhalb Wochen wieder, während ich mir die Frage nach einem Placebo-Effekt stelle und es damit dann wohl doch selber in der Hand hätte, aber immer wieder loslasse.
Was ist falsch mit mir?
Ich kann das alles nicht mehr.

Extrinsisch

Die psychologischen Hintergründe sind mir weitgehend klar, und trotzdem bin ich beeindruckt bis überwältigt von der Wucht, mit der mich dieser Teilsatz eines Kollegen erwischt und nachhaltig beschäftigt, als er ebenso unaufgefordert wie selbstverständlich anerkennt, dass so eine Krankheit einfach Scheiße ist. Noch intensiver wird es durch die Tatsache, dass er weder zu denen gehört, die Schleimspuren hinterlassen, noch darauf aus ist, durch seine Worte an in diesem Fall nicht geteilte Oversharing-Informationen zu gelangen, die wie auch immer geartete Hintergedanken befriedigen. 

Mir. Wird. Geglaubt. Und zwar nicht nur von ihm, sondern zusätzlich von denjenigen, mit denen er sich austauscht. Sprich, weitere direkte Kolleg:innen meinerseits, deren Meinung mir mangels ausreichendem Selbstwert etwas bedeutet. 

Heißt aber auch, mein Ego fühlt sich auf eine pervertierte, aber enorm großartige Art und Weise ganz außerordentlich gestreichelt, weil ich scheinbar doch auch wichtig genug bin, dass man über mich spricht.

Apathie

Ich frage mich, wann genau ich eigentlich so falsch in der Zeitlinie abgebogen bin, um ausgerechnet in dieser  abgefuckten Realität zu stranden.

OB EIGENTLICH ALLE BESCHEUERT SIND, HAB ICH GEFRAGT!!!

Ich würde echt einfach alles daran hassen, wäre mir nicht genauso alles so entsetzlich egal.
So auch die rund 600€ , die ich kommende Woche gegen zwei Beutel potentielle Glückseligkeit eintauschen und OffLabel in meine Venen jagen lassen werde. Ein Seidenpapierstrohhalm, an den ich einfach mal alles hänge, weil sonst kein Haken mehr frei ist.
Ich weiß nicht, ob die Löcher einfach nur tiefer oder ich bedeutend weniger leidensfähig/-willig werde, aber scheiße, ist das scheiße hier unten.
Ob ich Angst vor mir habe, fragt Schatz in diesem Zusammenhang. Habe ich nicht. And that’s the point.

Repetetiv

Introducing: mental breakdown, pt. drölfzig. Mein nächtlich eskalierendes Gehirn ist leer und mein Akku genauso, was kein Wunder ist nach der Nacht. Die wiederum kein Wunder war, weil – sagen wir, es gab Hinweise.
Und während ich mir ziemlich sicher bin, dass mein Schreibtisch auch morgen nur eine rein dekorative Aufgabe übernehmen wird, hadere ich mit der heutigen Abwesenheit, weil mein aufgekratzter Arm wohl nicht mal eine Narbe zurückbehalten wird und das wohl kaum eine Krankmeldung rechtfertigt.
Aber vielleicht gehts ja nicht um Extremitäten, sondern um Extremitäten, die sich mein Kopf ausdenkt, wenn es draußen dunkel und drinnen noch viel dunkler ist. Auch wenn die Sonne scheint.
Also sitze ich nun hier, mit Streichhölzern in meinen ansonsten zufallenden Augen, und ringe um Worte und Erklärungen und Pläne, um das periodische Abbild meiner mangelnden Stressresistenz Selbstfürsorge in etwas zu überführen, was maximal die Kategorie °okkasionell° verdient.
Wieder einmal.

Impuls

Trotz des roten, aufgeregt blinkenden Warnlämpchens, welches auf den nicht unerheblichen Füllstand meiner Blase verweist, diskutiere ich deutlich mehr als eine halbe Stunde lang mit Körper, ob wir nun aufstehen oder nicht. °Nicht° ist definitiv Favorit, woran auch der Gedanke an potentiell gefrorene Wasserfälle und deren digitale Ausbelichtung in Lieblingsmenschgesellschaft nichts ändert.
Irgendwann gewinnt aber das Warnlämpchen und auch wenn Körper es durchaus ernsthaft in Erwägung zieht, krabbeln wir nicht ins Bad, sondern tun so, als wäre aufrechtes Gehen total normal. Ich bewege mich mental irgendwo zwischen unfassbar erschöpft bis total zerstört und einige mich auf ziemlich sehr zerschöpft. Mein ganzes System läuft auf Notstrom und statt der Abbildung kristalliner Kaskaden beschränke ich mich – chauffiert – auf die Aufstockung belletristischer Druckerzeugnisse und wochenendlicher Notwendigkeiten, auch wenn die Paperbacks daheim erst einmal an meiner derzeitigen intellektuellen Kapazität und meiner mangelnden Motivation zerschellen.

Nothing changes if nothing changes.

Quantum

Mein Gehirn schmeißt – natürlich ungefragt – eine ebenso spontane, wie exzessive Botenstoffparty und schüttet in Körper mal alles aus, was es gerade so findet. Da ist es vollkommen unerheblich, dass die Nachricht, die diese mir unangemessen erscheinende Maßlosigkeit auslöst, eine positive ist, auf die ich seit geraumer Zeit hoffte. Also gehe ich exorbitant euphorisiert in den Feierabend und bin viel zu overwhelmed, diesen inneren Zustand auch nur irgendwie zu verbalisieren. Erst nach dem Fitnessstudio mit BeastMode-Musik statt Podcast und einer kalten Dusche finde ich ein paar Hirnzellen, die mir sprachlich nützlich erscheinen, wenn sie auch nur dazu ausreichen, eine grobe Umschreibung des bunten Nachmittags zu zeichnen, der mir zuteilt wurde.
Derweil geht die Aftershowparty munter weiter und Grenzlinien stellen sich wieder einmal als deutlich verschoben dar.