Paralyse

Musik rauscht gemeinsam mit anderen Substanzen durch meinen Körper und beides zusammen hüllt mich in eine flauschig weiche Wolke aus Babyeinhornfell, die ich seit drei Tagen suche und heute endlich finde. Und ich liebe alles daran.
Gestern erwähne ich beiläufig meine erfolgte Selbstmedikation (ohne den Hinweis der doppelten Dosis im Vergleich zum Vortag, die einfach mal so gar nicht zündete) – zum Glück vor dem Filmriss, der erst einsetzt, als ich bereits schlafe, später angelöffelt werde und Schatz daraufhin mit Unsinnigkeiten vollquatsche.
Als ich heute immerhin schon einen Hauch der antreibenden Wirkung der von Ratio verordneten Glüxbarchi-Erhöhung zu verspüren meine, hoffe ich auf ein baldiges Mehr, als mir mein Suchtgedächtnis in den Rücken und ich aus versehen mit wühlenden Händen in den Medischrank falle – die Beiden am Boden befindlichen vergessenen Überreste füttern nun das Einhorn.
Ratios Blick ist ziemlich eindeutig not amused. Und das nicht nur wegen Flausch, sondern auch wegen Rosa, die aufgrund der Anzeige auf der Waage ein Dauergrinsen aufgesetzt hat und Grau, die ihr dauernd im Weg liegt – einfach weil sie es kann.

Akkadese

Ich gehe ins Bett – nicht, weil ich müde wäre (weil, Dauerzustand dieser Tage), sondern weil der Tag bitte enden soll. Das weiß aber der Tag ja nicht, also geht er noch munter weiter und mein Kopf sieht sich angesichts der Tatsache einer bloßen Lageänderung noch lange nicht dazu bewogen, abzuschalten. Im Gegenteil, er nutzt die Reizarmut der Umgebung aus und füllt die Dunkelheit sehr ausgedehnt mit sehr vielen ausschließlich monochromen Möbius-Gedankenschleifchen, imperatives Verstrickungspotential inbegriffen.
Der Versuch, einfach positiv zu denken, fühlt sich auch am nächsten Morgen ziemlich gescheitert an, als ich die Rückenschmerzen, die mich nach zu langer Bettzeit aus dem Bett zwingen, als einzigen, aber immerhin vorhandenen Grund betrachte, aufzustehen.
Überfordert vom Inhalt meines Kopfs, der mich ununterbrochen mit Szenarien, Möglichkeiten und Unmöglichkeiten bombardiert, frage ich mich, wer am Ende wen manipuliert und ob meine unausgesprochene, aber gelebte Weigerung weiterer Therapien am Ende nur ein Vorwand ist, um egoistisch und anders bleiben zu dürfen. Darunter mischt sich die Frage, ob und wie ich morgen – und den Rest der Woche – arbeiten gehen soll und was wohl noch so lustiges in meinem Kopf passiert, wenn ich es tue oder lasse oder ach ich weiß auch nicht.

Suppenwetter

Ich fühle mich fiebrig und so müde, dass meine Augen unscharf sind. Beides wird weniger die Folge von zu wenig Schlaf, als von mangelhafter Energieversorgung sein, betrachtet man die im Mittel nur dreistellige Kalorienbilanz der letzten Tage. Gepaart mit der schneefallbedingten Zwangspause in Bezug auf die eigentlich wochenendüblichen ausgedehnten Spaziergänge meint Körper wohl, er bekäme nun tatsächlich eine Pause und fühlt sich trotz oder gerade wegen einem unausgedehnten Spaziergang und der Schneeschaufelei der letzten zwei Tage dazu berechtigt, herunterzufahren.
Immerhin aber scheine ich ihm die Idee, zu menstruieren, vorerst wieder abgewöhnt zu haben, so dass er mich zumindest bisher nicht mit den lästigen Begleiterscheinungen nervt.
Und natürlich kann ich den Schnitt dieser Woche nicht ruinieren, also fange ich – ganz bestimmt – morgen an, Körper wieder mit mehr Energie zu versorgen.

Konvulut

Ich habe Körper spazieren gehen geschickt – gut, andere Leute walken langsamer als ich gerade-noch-nicht-renne -, aber leider vergessen, meinen Kopf zuhause zu lassen. Stattdessen rennt er mit, was wenig verwunderlich ist, wenn er seine freie Zeit am Wochenende und auch sonst damit verbringt, auditiv und visuell vollgemüllt zu werden, sobald er gerade nicht mit Notwendigkeiten wie Haushalt oder sportlicher Koordination beschäftigt ist. Die Blase aus Noise-gecancelleder Musik beeindruckt ihn auch nicht besonders und sobald ich nicht hinschaue – also immer – verspannt er Zunge und Kiefer zu einem festen Klumpen, der mich heute Abend an mich erinnern wird, sobald ich etwas trinken will.
Die zwei Tage, die ich noch alleine mit mir in meinem Kopf verbringen muss, sind akribisch durchgeplant und drehen endlose Ehrenrunden in meinen Gehirnwindungen. Das verbliebene halbe Benzodiazepin ist inzwischen auf dem Weg in ebenjene, weil ungerichtet-wütend-angespanntes gerade-noch-Gehen so ziemlich nichts ausgerichtet hat, als mich weiter in mir selbst zu verlaufen.

Determinismus

Der pridinolunterstützte Benzodiazepinmatsch in meinem Kopf sorgt für eine nicht unangenehme Flauschigkeit im ganzen Körper, begrenzt meine Wortfindungsfähigkeiten aber auf ähnlich einschränkende Weise wie das Zuviel an Gedanken, wegen derer ich den Flausch heute Nachmittag induziere und hoffe, dass er mich später noch ins Bett begleitet.
Der unangenehme Geruch aus Schrödingers Kiste lässt sich nicht mehr ignorieren und ich habe die naive Vorstellung, mich des Problems an einem einzigen Tag zu entledigen, nach Anheben des Deckels gleich dazu gelegt und die Kiste wieder zu gemacht.
Ich kann nicht denken und nicht fühlen, Rosa bockt und ich habe keine Energie (ach?!), mich mit irgendetwas davon näher auseinanderzusetzen. Finde den Fehler.

Fluoreszenz

Ich habe ein Nachtlicht gefunden, aber es ist nicht unbedingt bedeutend heller als die Aurora, die sich gestern vor unserer Haustür tummelt und mehr zu erahnen als zu sehen ist. Ich bilde mir dennoch einen roten Schimmer ein, der sich immerhin fotografisch sehr deutlich einfangen und mich vollkommen unbeeindruckt lässt. Nordlichter sehen. Der oberste Eintrag auf meiner nicht vorhandenen BucketList lässt rot schimmernde Süddeutschlandfunzeln nicht gelten und trotzdem frage ich mich, warum jene Seltenheit einfach nüscht in mir auslöst. Also, jaaaa…mich fragen, ich mein, ich weiß schon. Gefühle bräuchten halt ein klitzekleines minibisschen mehr Raum als die winzige Kiste, in der sie vor sich hin verstauben, aber Alter! Die. sind. Gefährlich!