Ich fühle mich fiebrig und so müde, dass meine Augen unscharf sind. Beides wird weniger die Folge von zu wenig Schlaf, als von mangelhafter Energieversorgung sein, betrachtet man die im Mittel nur dreistellige Kalorienbilanz der letzten Tage. Gepaart mit der schneefallbedingten Zwangspause in Bezug auf die eigentlich wochenendüblichen ausgedehnten Spaziergänge meint Körper wohl, er bekäme nun tatsächlich eine Pause und fühlt sich trotz oder gerade wegen einem unausgedehnten Spaziergang und der Schneeschaufelei der letzten zwei Tage dazu berechtigt, herunterzufahren. Immerhin aber scheine ich ihm die Idee, zu menstruieren, vorerst wieder abgewöhnt zu haben, so dass er mich zumindest bisher nicht mit den lästigen Begleiterscheinungen nervt. Und natürlich kann ich den Schnitt dieser Woche nicht ruinieren, also fange ich – ganz bestimmt – morgen an, Körper wieder mit mehr Energie zu versorgen.
Körper ist on fire. Dass er dabei nicht glüht, finde ich ausgesprochen nett, weil dann wär Sport natürlich so ne Sache. Aber wenn nur die Lymphknoten motzen, dass da wohl was wäre, ist das zwar lästig – zumal ich nicht wusste, dass die in den Achseln derart weh tun können, vorallem wenn man Nachts auf der Seite schläft und die schön einklemmt – aber kein Hinderungsgrund. Sagt übrigens auch Herr Doktor und das Blutbild. Allerdings gibt es da wohl doch einige Lieferschwierigkeiten heute. Nicht, dass das Rosa und mich davon abhalten würde, das übliche Programm im Fitnessstudio einzufordern, aber sagen wir mal so: könnte mich bitte jemand ins Bett tragen? Gut, Schatz hätte das ausgesprochen gerne schon unter der Dusche in die Wege geleitet, aber das ist ganz sehr nicht das, was ich meine – auch wenn ich mir seiner Intimitätenunterversorgung durchaus bewusst bin und das schlechte Gewissen an mir nagt (nein, er fordert hier nichts von mir, um das klarzustellen).
Immerhin, mit Blick auf die Uhr sagt Rosa, ich darf gleich mein – natürlich schon vorgeplantes und dann abgewogenes – Abendessen haben, auch wenn Körper nicht schon von Weitem aussieht, als wäre sie nach wie vor anwesend. Doof ist nur, dass ich für die Zubereitung stehen muss und Körper das gerade nahezu unzumutbar findet.
Ich kann sie beide verstehen. Körper, wenn er bei jeglichen Aktivitäten immer deutlicher mault – ganz zu schweigen von so etwas wie dem Zeigen von Leistungsfähigkeit oder gar -steigerung im FitnessStudio – und Rosa, die mir aller in jenen Situationen gefassten Vorsätze zum Trotz einen Vogel zeigt, wenn es um Korrekturen geht. Beide umkreisen sich wie Raubtiere und schmeißen mit Amenorrhoe und Kontrolle um sich. Im entstehenden Handgemenge bekomme ich die meisten Ohrfeigen ab und würde mich gerne trösten lassen, aber dann müsste ich ja reden. Igittihbäh. Dass ich eigentlich jederzeit wieder auf Frau Therapeutin zugehen könnte, macht es auch nicht besser, weil ich sehr genau weiß, dass ich mich dort nur ein bisschen streicheln lassen würde, um anschließend wieder einen Weg zu skizzieren, der Lob verdient und nicht stattfindet. Einfach, weil ich es kann, das Ding mit der Manipulation. Also setze ich mich einfach in die Mitte der Kreise, die die Teufel um mich herum ziehen, und schaue ihnen beim kleiner werden zu. Wenigstens die Arbeit funktioniert jetzt. Ist ja schonmal was.
Ich bin müder, als ich es eigentlich sein sollte nach dem heutigen Tag (ähm,ja…) und fühle mich haltlos. Es schmeißt mich ein bisschen, so von °ohwiegeilwirsindfrei° nach °undjetzt?!(Grillenzirpen)° und wieder zurück – Planlosigkeit bekommt mir nicht gut. Das zu wissen, hilft mir allerdings gerade auch nicht weiter. Ich brauche ein Projekt.
Weidekätzchen. Der natürliche Körpergeruch von Schatz. Orgelspiel. Disney-Filmenden. Ich bin berührt und stelle fest, dass ich es seit über 2 Jahren nicht war. Keine Frage, ohne SSRI wäre ich auch sonst einfach nicht(s) mehr, aber dass nicht nur Untiefen untiefer, sondern auch alles andere einfach unbedeutend flacher ist, stand nicht im Beipackzettel – und sagt einem auch keiner. Also taste ich mich langsam wieder an meine Emotionen ran, hoffend, nicht überrannt und niedergetrampelt zu werden – das übernehmen die Absetzerscheinungen zur Genüge.
Derweil. Postet meine von Entzug und Katastrophenterminen unbehelligte Mama ein Spruchbild in ihrem WhatsApp-Status und ich weiß nicht, ob ich weinen, eskalieren oder – thematisch passend – kotzen soll. Augenrollen jedenfalls fällt aus, weil BrainZaps. Ohne Reproduktionsabsicht dennoch das Zitat: Natürlich dürfen dicke Menschen kurze Kleidung tragen! Dumme Menschen reden ja auch. Und erstellen Spruchbilder. °Kalmar!°
Sie hat Geburtstag, also rufe ich meine Mutter ausnahmsweise ohne vorige Verabredung per WhatsApp an. Ich weiß nicht, wann sie mich das letzte Mal unverabredet angerufen hat. Jedenfalls nicht zu meinem Geburtstag, da bekam ich eine WhatsApp. Und an dem davor. Und davor…
Eine Belanglosigkeit folgt der nächsten – nur, dass sie im Juni doch ihren geplanten Urlaub in der Ferienwohnung nicht weit entfernt antreten können, enttäuscht mich dann doch. Direkte soziale Interaktion. „Oh, schön!“, sage ich, und finde es ätzend. Und dann, als ich mich schon fast sicher wähne: „Die Hauptsache ist ja, dass du nicht noch weiter abnimmst. Und du hast ja inzwischen begriffen, dass das nix ist.“ Ich kann meine Augen garnicht so weit verdrehen, wie ich es möchte. „Mhm“, nuschle ich und will sie anschreien, dass es sowas von nicht um meinen Körper und um Butter im Essen geht. Zumindest nicht nur.
Gefühlte zwei Stunden später bin ich erstaunt, dass es angeblich nur 35 Minuten waren. Mein Telefon lügt.
Der Mann den ich liebe ist der Mann, den ich schütteln will und anschreien, er soll sich gefälligst zusammen reißen, aber weil ich weiß, dass er eine Depression und PTBS hat, zerreißt es mich, weil ich weiß, dass er es nicht kann. Ich träume vom Hausmeister und von Lucifer und fühle mich großartig und grauenvoll deswegen.
Wir müssen reden. Ohne dass ein konkretes Wir gesetzt wäre; ist variabel zu befüllen – Schatz und ich, EgoStates und ich, Chef und ich, Leser:innen und ich. Aus Gründen. Ich weiß nur noch nicht, aus welchen. Rosa – die ohne