Aussichtslos

Warten auf den nächsten Termin. Warten auf die bisher ungestellten Fragen. Auf die richtige Uhrzeit zum Essen oder zum Sport. Auf das nächste Wochenende, die nächste Bettgehzeit und das Wundern, dass Körper immer noch mitmacht. Auf das nächste Mal Wiegen, das nächste Mal aufwachen, das nächste Mal Feierabend haben. Auf das Verschwinden von Cravings, auf Konzentration, auf Klickmomente.

Warten aufs Leben.
Rosa bleibt.

Peripherie

Ich frage mich, was unter all dem Nichts so rumliegt und Staub ansetzt. Aber es ist, wenn überhaupt, nur ein geheucheltes Interesse, denn eigentlich ist es mir ziemlich sehr egal. Der Berg Nichts wird jedenfalls täglich höher, aber das sieht keiner, weil das nunmal in der Natur des Nichts liegt.

Die Woche habe ich wieder einmal auf der Überholspur verbracht, auf dem Zahnfleisch kriechend. Wartend – hoffend – auf den finalen Zusammenbruch, den mir mein Körper vehement verweigert und stattdessen weiter munter vor sich hin funktioniert. Wenn auch mit Abstrichen, so dass ich mitunter allein zu Atmen als unzumutbare Belastung empfinde. Gezeigt wird das natürlich niemandem, der Berg Nichts eignet sich da prima als Versteck für alles.

Während Schatz und andere auf meine Vernunft – und die Ernährungsberaterin – vertrauen, kürze ich unbemerkt meinen Ernährungsplan, beschließe, auch weiterhin keine Therapeutentermine und stattdessen Sport zu machen, verschiebe die EB-Termine, würde am liebsten alles hinschmeißen und mir mit Alkohol und einer Rasierklinge mal wieder einen richtig schönen Abend gönnen.

Ratlosigkeit macht sich breit, wenn ich so mein Leben betrachte, aber mehr als ein Schulterzucken habe ich nicht übrig dafür. Zu anstrengend. Zu egal.

Into Darkness

Gut, der Titel ist vielleicht zu dramatisch gewählt, aber er gefällt mir. Denn auch, wenn die Tage okay bis gut sind und ich besonders heute über die Mühelosigkeit staune, mit der ich Sport, Einkaufen, andere Erledigungen und den Haushalt schmeiße – woran vor einigen Wochen nicht einmal zu denken gewesen wäre -, sind es die Abende, an denen sich zeigt, dass ich eben nicht geheilt bin, sondern nur bis zu einem gewissen Grad symptomfrei.
Wenn es Abend wird, sind die Cravings zurück. Nach Alkohol, nach Klingen, nach wie-auch-immer-induziertem Rausch. Der zweifelhafte Vorteil der ES ist, dass Alkohol aufgrund der Kalorien und SV aufgrund des Sports nicht näher in Betracht gezogen werden kann. Bleibt mir also nichts anderes übrig, als über die zugrunde liegenden Bedürfnisse nachzudenken und sie zu verstehen.
Am Montag startet meine Wiedereingliederung. Ich weiß noch nicht, wie ich das finde, aber dass beim näheren drüber Nachdenken auch Alkohol noch einmal an Attraktivität gewinnt. Deutlich.