Peripherie

Ich frage mich, was unter all dem Nichts so rumliegt und Staub ansetzt. Aber es ist, wenn überhaupt, nur ein geheucheltes Interesse, denn eigentlich ist es mir ziemlich sehr egal. Der Berg Nichts wird jedenfalls täglich höher, aber das sieht keiner, weil das nunmal in der Natur des Nichts liegt.

Die Woche habe ich wieder einmal auf der Überholspur verbracht, auf dem Zahnfleisch kriechend. Wartend – hoffend – auf den finalen Zusammenbruch, den mir mein Körper vehement verweigert und stattdessen weiter munter vor sich hin funktioniert. Wenn auch mit Abstrichen, so dass ich mitunter allein zu Atmen als unzumutbare Belastung empfinde. Gezeigt wird das natürlich niemandem, der Berg Nichts eignet sich da prima als Versteck für alles.

Während Schatz und andere auf meine Vernunft – und die Ernährungsberaterin – vertrauen, kürze ich unbemerkt meinen Ernährungsplan, beschließe, auch weiterhin keine Therapeutentermine und stattdessen Sport zu machen, verschiebe die EB-Termine, würde am liebsten alles hinschmeißen und mir mit Alkohol und einer Rasierklinge mal wieder einen richtig schönen Abend gönnen.

Ratlosigkeit macht sich breit, wenn ich so mein Leben betrachte, aber mehr als ein Schulterzucken habe ich nicht übrig dafür. Zu anstrengend. Zu egal.

5 Kommentare zu „Peripherie“

  1. Ich hoffe, ich darf dich das an dieser Stelle fragen, aber was erhoffst du dir von einem finalen Zusammenbruch? Für wen soll der nützlich sein?
    Ich verstehe diese Gedanken. Teilweise habe ich sie auch, aber gleichzeitig kämpfe ich so gut es geht gegen sie an, weil ich nicht sterben will, auch wenn mir das Leben manchmal unglaublich unattraktiv vorkommt.
    Aber ganz ehrlich: was erhoffst du dir von einem finalen Zusammenbruch?
    Willst du so unbedingt an der Essstörung sterben? Oder sollen mehr Mitmenschen merken, dass du leidest?
    Du musst die Fragen nicht beantworten und ich entschuldige mich aufrichtig, falls ich dir zu nahe getreten bin. Diese Gedanken kommen mir bloß, weil ich sie selber immer und immer wieder in meinem Kopf habe und mir, wenn ich sie für mich beantworte, auffällt, dass das nicht wirklich „ich“ bin, sondern ein Teil in mir, dem eigentlich etwas ganz anderes fehlt und der sich nur so wirklich Gehör verschafft.
    Liebe Grüße

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    1. Du darfst fragen, danke für deinen Kommentar. Ich stelle mir diese Frage selbst, ohne dass ich eine genaue Antwort geben könnte.
      Sterben? Muss nicht sein, wäre aber gerade auch irgendwie nix schlimmes. Aber ich lege es nicht drauf an.
      Andere mein Leid sehen lassen? Schon eher, aber auch da bin ich zwiegespalten, weil ich auf der einen Seite um keinen Preis möchte, dass mich jemand als hilfsbedürftig einordnet, auf der anderen Seite wahnsinnig gerne jegliche Verantwortung für mein Leben in die Hände eines anderen legen würde.
      Es ist diffus und wenig greifbar, was alles dort mit reinspielt. Ein „ich mag nicht“ ist auf jeden Fall ganz vorne mit dabei, ohne dass es sich näher präzisieren ließe. Und ein „wenn ich zusammenklappe, ist sicher, dass ich mich nicht bloß anstelle“.
      Liebe Grüße
      Flügelwesen

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      1. Aber willst wirklich du sterben? Oder willst du, dass das Leiden „stirbt“? Bei mir ist es oft eher Letzteres, wenn ich diese Gedanken habe.
        Aber ich verstehe deine Gedanken zu der Zwiegespaltenheit im Bezug auf gesehen werden…
        Fühl dich gedrückt!

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  2. „…auf der anderen Seite wahnsinnig gerne jegliche Verantwortung für mein Leben in die Hände eines anderen legen würde.“ Diese Passage erinnert mich fatal an mich selbst! Das war bei mir auch immer der Hauptbeweggrund dafür, dass ich immer mehr abnahm. Ich wollte, dass einer mir alles abnimmt. Dass ich nicht mehr selbst für alles verantwortlich bin. Dass ich mich um nix mehr kümmern muss, weil mir das alles zuviel war. Auch heute noch ist es so, dass mir oft alles zuviel wird, es erdrückt mich förmlich und ich habe das Gefühl, dass das keiner versteht 😦 Deshalb trinke ich auch oft so gern, damit ich wenigstens für ein paar Stunden in der wunderbaren Leichtigkeit alles vergesse – das Leben ist so mühsam…

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  3. Ich möchte keinen Stern da lassen, weil es mir nicht „gefällt“. Aber trotzdem möchte ich dir mitteilen, dass ich hier lese…
    Kenne solche Gedanken von mir selbst auch (wenn auch wahrscheinlich in abgemilderter Form) – aber die Verantwortung für das Leben in die Hände anderer legen, ohja… Würde ich oft genug auch sehr gerne machen…
    Ich wünsche dir jedenfalls, dass du die Kurve kratzt!

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