Me
°kuschelt sich zum Einschlafen ein, weil wichtiger Termin morgen und so°
Gehirn
Mag sein. Aber hast du schonmal darüber nachgedacht?
Me
°denkt darüber nach°
Jetzt dann aber! Letzte Nacht war schon so kurz.
Gehirn
Ja. Aber bedenke!
Me
°bedenkt°
Jetzt aber wirklich! Gründe und so!
Gehirn
°tut so, als würde es wegnicken°
Blase
°Überraschung!°
Me
°geht pieseln°
°kriecht wieder ins Bett°
Darf ich jetzt?
Gehirn
°lacht°
Warum noch gleich wartest du eigentlich seit x Tagen auf deine nächste Mens?
Me
°weil halt°
°überlegt tatsächlich, dass es gerade nicht so geil läuft°
°googelt und denkt, was sich so frühstücken ließe°
°findet den Gedanken außerordentlich vernünftig und gruslig°
Blase
°Überraschung!°
Me
°geht pieseln°
°kriecht wieder ins Bett°
°schielt auf die Uhr und gähnt°
Gehirn
°gähnt auch°
°macht das Licht aus°
°feiert Party°
Me
Ich kann dich hööören!
Gehirn
Oh, sorry not sorry! Blog?
Me
°mag nicht, weil immernoch spät und müde und Gründe°
°kneift die Augen zu°
…
…
°greift zum Handy°
°bloggt°
Gehirn
°hält mich für bekloppt, weil spät und heute wichtiger Termin und so°
Schlagwort: Anspannung
Brandopfer
Da eine Löschung unmöglich scheint und ich die Flammen schon wieder und seit zu langer Zeit nur mit Backburning bekämpfe, wundere ich mich nicht so richtig darüber, dass Körper auf den Stress nicht nur mit einem gepflegten kleinen Nervenzusammenbruch auf die Reste meines Teams, das trotz aller Bemühungen in immer kleinere Trümmerteile zerfällt, reagiert, sondern gerade auch keinerlei Kapazitäten zum Menstruieren zur Verfügung stellt. Stattdessen investiert er einen Teil seiner nicht-Energie in lustige Verdauungsbeschwerden – über die maximal Rosa sich freut – und anderen Körperkram, so dass ich heute nicht mal spazieren gehen mag. Das wiederum mag Rosa gar nicht, aber ich rede mich raus mit der Nähe der Sanitäranlage und dass ich ja schon einkaufen war, das Bad geputzt und das Erdgeschoss gestaubsaugt habe. Hm, sagt sie.
Prävention
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Sport und Podcast. Die einzig denkbare Möglichkeit, überhaupt einen zu hören, weil, man kann ja nicht einfach nur einen Podcast hören und sonst nichts tun.
Es geht um Entwicklungstraumata und noch bevor ich so richtig realisiere, dass sich gerade mehr als eine ziemlich verstaubte Kiste in meinem Kopf öffnet, wirft sich irgendetwas im Innen darauf, als wären es scharfe Granaten. Vermutlich sind es scharfe Granaten. Nichts als latente Übelkeit bleibt zurück und das Gefühl, auf der Suche zu sein, ohne zu wissen wonach. Ein Gefühl, das einfach nicht verschwinden will und nach jeder der vielen Nächte, in der ich von der Klinik träume, an Intensität gewinnt. Was sich nicht wegmachen lässt und den Parasit nährt.
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Orange lässt sich überaus selbstzufrieden das Bauchi vom Chef kraulen.
Wo Rosa, der Parasit und andere so sind, kann ich nicht sagen, weiß aber ziemlich sicher, dass sie sich ähnlich ignor- bis negiert fühlen müssen wie ich, weil Orange einfach keinen Widerspruch zulässt. Dabei hätte ich schon etwas zu sagen. Ist ihr aber sehr egal gerade.
Du wirkst so stabil und stark wie nie zuvor, kann man fast sagen, sagt Chef, nicht nur fast.
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Gib mir endlich den verfickten Alkohol und Klingen, dann zeige ich dir, wie stabil ich bin! kreischt der Parasit und ich weiß kaum noch, was ich ihm entgegensetzen soll.
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Es war Februar – oder März, oder April, jedenfalls einer dieser sehr schwarzdunklen Monate – als ich der sehr beruhigenden Überzeugung war, dieses Jahr nicht zu überleben. Jetzt sind nur noch vierzehn Tage übrig und ich will einen gebührenden Abschluss finden für eine von Menschen erdachte Zeitspanne als ungenaue Abgrenzung eines hochpräzisen astronomischen Zyklus.
Kein Ende, aber einen Abschied, eine letzte Eskalation, bevor das neue Jahr voller Einhörner und Glitzer starten kann.
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Elementar
Orange schnurrt zufrieden vor sich hin und glänzt mit meinem Ego um die Wette, das sie unter den lobend-wohlwollenden Worten meines Chefchefs eifrig aus einer – sehr – verstaubten und vernachlässigten Ecke geborgen hat und fleissig poliert.
Rosa hebt irritiert eine Augenbraue und fragt sich gemeinsam mit mir, warum so ein bisschen Lob mich gleich unbesiegbar und größenwahnsinnig werden lässt, obwohl Rosa den ganzen Termin über nur gelangweilt in der Ecke saß und nichtmal dem Chefchef aus der Ferne zugewunken hat.
Jedenfalls meint mein Ego glänzenderdings nun plötzlich, es sei etwas wert und ich mache tatsächlich nicht alles falsch, was ich so anfasse. Weil mir das aber unheimlich ist, stelle ich es es lieber wieder zurück in seine Ecke, damit es langsam wieder einstauben kann und niemanden blendet.
Das schon vorher bestehende Vakuum in mir drin, was nun noch ein kleines bisschen leerer zu sein scheint, fülle ich mit der Vorfreude und dem schlechten Gewissen für ein neues Handy, was ich nicht wirklich brauche und dessen Füllstoff nach dem Unboxing verpufft – auch wenn es echt schick ist.
anything
i’m hurt. i’m drunk. i’m horny. i’m lost.
Gravastern
In meinem Innersten ist ein Loch. Ein finsteres Vakuum, das wer weiß wann vor sich hin entstanden, im Kern offensichtlich nie verschwunden und langsam wieder kanzerös vor sich hin gewachsen ist. Inzwischen ist es größer als Rosa und der Parasit zusammen. Größer als ich.
Sanft umschlossen von einer watteweichen Glüxbärchi-Wolke fällt die Schwärze des Lochs, die im Innern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben wird, kaum auf. Aber so sehr ich auch hineinschauen, es füllen mag – einfach mit irgend etwas – , ich habe keinen Zugriff. Es verweigert sehr vehement jeden Versuch, es zu ergründen. Weghungern. Funktioniert nicht. Rausschneiden. Auch nicht. Beides zusammen. Ist zwar irgendwie geil, bringt mich aber auch nicht weiter.
Der Parasit redet mir den heimlichen Kauf von Vodka schön, indem er mir verspricht, dass ich dann bestimmt einen Blick hineinwerfen kann, in das Loch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es mich aufsaugt. Und plane, wann ich trinken kann.