Lucifer

In blinder Verzweiflung habe ich nach dem Ketamin und der nicht feststellbaren Wirkung unter nunmehr gynäkologischer Anleitung – die aus Gründen schon länger in der Pipeline stand – und laborgestützter Analyse, statt einer wie von mir angedachten endokrinologischen Breitseite eine großzügige Salve an Essentials ins Cerebrum geschmissen. Und siehe da, es ward Licht.
Allerdings zeigten sich die Glühwürmchen als ausgesprochen kurzlebig und verwesen seit eineinhalb Wochen wieder, während ich mir die Frage nach einem Placebo-Effekt stelle und es damit dann wohl doch selber in der Hand hätte, aber immer wieder loslasse.
Was ist falsch mit mir?
Ich kann das alles nicht mehr.

Friktion

Der nur euphemistisch sanfte Wink mit dem Zaunpfahl aus Rosas Richtung hallt noch Tage später nach. Ungeachtet des jüngst wieder einmal nicht vorhandenen Zyklus streicht sie umgehend alle leichtsinnig nicht abgewogenen Portionen Obst und die eine baumfrische Walnuss am Tag, denn schließlich können wir es nicht tolerieren, dass jemand anderes plötzlich abnimmt und dafür Bestätigung erhascht – selbst wenn es aus einem °hierWertungsneutralenMehrgewichtsbegriffEinfügen° heraus geschieht. Meine vermutlich als woke zu bezeichnende Weigerung, andere Körper aufgrund ihres Aussehens zu kommentieren, kollidiert mit gesellschaftlichen Erwartungen und erzeugt zusätzliche Dissonanz in meinem Innern.
Das gemeinsam anberaumte Mittagessen samt anschließendem kleinen Event mit ebenjener Gesellschaft werden – zumindest in Teilen – unmöglich und führen zu inneren Verstrickungen, die sich nicht in richtig und falsch aufdröseln lassen. In allen bisher denkbaren Szenarien biete ich Angriffsfläche, die intern oder extern angesiedelt ist und deren Auswirkungen auf mein derzeit vulnerableres psychisches Befinden nicht etwa ungewiss, sondern ganz sicher schadhaft ist.

Subduktion

Schatz fragt, ob er mir die Lampe anmachen soll und damn, ich hätte ausgesprochen gerne die Lampe an, also tritt er auf den Schalter und überlässt mich meinem Craving, dessen Begierde nicht mal entfernt mit Photonen zu tun hat.
Urlaub rückt nach und nach in greifbare Nähe und jener ist ebenso nötig wie jedes einzelne Wochenende bis dahin, was den Schluss nahelegt, dass wieder einmal irgendwas schief läuft, auch wenn das zumindest aus Cravings Sicht gesehen leider nichts mit Prozenten oder anderen Dummheiten, die sich aufzudrängen versuchen, zu tun hat.
Unausgesprochen undefinierte Gefühlstsunamis überrollen mich nach wie vor in Gegenwart melodischer Schallwellen und zerreißen mich innerlich, wenn ich sie denn ließe. Weil ich aber sinnvollerweise dann doch nicht mit 180 und einem Nervenzusammenbruch über die Autobahn kacheln sollte, lasse ich sie natürlich nicht.

Suppenwetter

Ich fühle mich fiebrig und so müde, dass meine Augen unscharf sind. Beides wird weniger die Folge von zu wenig Schlaf, als von mangelhafter Energieversorgung sein, betrachtet man die im Mittel nur dreistellige Kalorienbilanz der letzten Tage. Gepaart mit der schneefallbedingten Zwangspause in Bezug auf die eigentlich wochenendüblichen ausgedehnten Spaziergänge meint Körper wohl, er bekäme nun tatsächlich eine Pause und fühlt sich trotz oder gerade wegen einem unausgedehnten Spaziergang und der Schneeschaufelei der letzten zwei Tage dazu berechtigt, herunterzufahren.
Immerhin aber scheine ich ihm die Idee, zu menstruieren, vorerst wieder abgewöhnt zu haben, so dass er mich zumindest bisher nicht mit den lästigen Begleiterscheinungen nervt.
Und natürlich kann ich den Schnitt dieser Woche nicht ruinieren, also fange ich – ganz bestimmt – morgen an, Körper wieder mit mehr Energie zu versorgen.

Samhain

Körper denkt sich, zu Halloween gehört sich gegruselt, also blutet er nach 274 Tagen einfach mal. Super Idee. Nicht.
Rosa und ich werten es einvernehmlich als persönliches Versagen, vor allem weil eigentlich nix anders läuft (außer der Mens) und wir uns fragen, warum? Braucht schließlich kein Mensch und Osteoporose bekommen eh nur die anderen.
Immerhin erklärt sich auf diesem Wege aber mein dermatologisches Aufblühen der letzten Tage und vielleicht auch das schwappende Gefühl in meinen Beinen – beides auf wundersame Weise seit gestern verschwunden.
Nicht verschwunden ist dagegen das ausgeschaltete Licht in mir drin. Pünktlich zum Urlaub hat nämlich jemand auf den Hauptschalter gedrückt und jetzt sitze ich hier im Finstern und finde den fucking bunten Herbst bei Sonnenschein halt ungefähr genauso geil wie die Halloweenüberraschung.

Inapparent

Körper ist on fire. Dass er dabei nicht glüht, finde ich ausgesprochen nett, weil dann wär Sport natürlich so ne Sache. Aber wenn nur die Lymphknoten motzen, dass da wohl was wäre, ist das zwar lästig – zumal ich nicht wusste, dass die in den Achseln derart weh tun können, vorallem wenn man Nachts auf der Seite schläft und die schön einklemmt – aber kein Hinderungsgrund. Sagt übrigens auch Herr Doktor und das Blutbild.
Allerdings gibt es da wohl doch einige Lieferschwierigkeiten heute. Nicht, dass das Rosa und mich davon abhalten würde, das übliche Programm im Fitnessstudio einzufordern, aber sagen wir mal so: könnte mich bitte jemand ins Bett tragen? Gut, Schatz hätte das ausgesprochen gerne schon unter der Dusche in die Wege geleitet, aber das ist ganz sehr nicht das, was ich meine – auch wenn ich mir seiner Intimitätenunterversorgung durchaus bewusst bin und das schlechte Gewissen an mir nagt (nein, er fordert hier nichts von mir, um das klarzustellen).

Immerhin, mit Blick auf die Uhr sagt Rosa, ich darf gleich mein – natürlich schon vorgeplantes und dann abgewogenes – Abendessen haben, auch wenn Körper nicht schon von Weitem aussieht, als wäre sie nach wie vor anwesend. Doof ist nur, dass ich für die Zubereitung stehen muss und Körper das gerade nahezu unzumutbar findet.