Kinematik

Seit mehr oder weniger 6 Tagen fluten multiple Substanzen meinen Körper, von denen bei Schatz schon eine halbe Einzelsubstanz ausreicht, um ihn für 2 Tage ins Bett zu reduzieren.
Ich löse stattdessen Sudokus und vergesse nur gelegentlich, wie ich eigentlich vom Schreibtisch zum Klo komme. Aber da ist die viel wesentlichere Frage, ob ich morgen noch weiß, dass ich es heute nicht wusste, besteht mein Erinnerungsvermögen doch gerade aus vielen geschwärzten Zeilen.
Alternative Eskalationsreaktionen hätte ich aus reinem Effizienzgedanken heraus vorgezogen, aber offene Arme haben eine deutlich ausgeprägtere Halbwertszeit.
Also sitze ich hier multifakoriell begünstigt in meinem zerflauschten Wochenende und habe Fragen.

Legalisierung

Die Entflechtung meiner Leidensfähigkeit von der korrespondierenden –willigkeit erscheint mir enorm wichtig, um den leider nötigen verfrühten Feierabend nicht als persönliches Versagen zu werten, sondern den freien Nachmittag als genau das zu fühlen, was er sein soll.
Zugegeben, ich bin selbst erstaunt, als nach neuem Framing am Ende sogar ein paar Prozent mehr auf meiner Akkuanzeige stehen – ein Grund mehr, meine verringerten Wochenstunden schlichtweg zu feiern.

Bekekst starte ich ins Wochenende, und auch wenn die Dosis dieses Mal dann doch zu hoch war, um es noch alltags(wochenend)tauglich zu nennen und finde den Effekt auf meine Synapsen am nächsten Tag einfach phänomenal. So müssen sich normale* Menschen fühlen, es ist einfach irgendwie aufgeräumter in meinem Kopf.

* gibt’s nicht, weiß ich. aber you know what I mean.

Hysterie

Der patriarchalgesellschaftlich vorinstallierte Keimling meines Selbstverständnisses ist wie zu erwarten beschämend gut mitgewachsen und trägt seine Früchte. Und auch, wenn ich ein paar Faule erkannt und reseziert habe, sind viele einfach derart verwoben mit meinem ganzen Sein, dass sie entweder nur mit großem Aufwand entfernt werden könnten oder sogar frei von jeder Infragestellung schlicht wuchern. Rosa mag dieses üppige Grün, weil es prima zum möglichst minimalistischen Ergebnis ihres Kontrollzwangs passt und zu widersprüchlich breitem in- wie externen Zuspruch führt, der nicht nur ihr schmeichelt.

Die als Akzeptanz getarnte Resignation gegenüber meiner mentalen Fluktuation manifestiert sich in anhaltender Therapiemüdigkeit und der Suche nach physiologisch beeinflussbare(re)n Faktoren, die gerade präperifuckmenopausal in Anarchie verfallen und dem wuchernden Ungetüm (siehe oben) als hochintensive Nährlösung dienen.

Der neonfarbene, penetrant blinkende Leuchtpfeil, der mein gesellschaftliches Stattfinden als Beendet erklärt, während mein Ablaufdatum gerade einmal Halbzeit ankündigt und eifrig ein Fähnchen mit der Aufschrift Feminismus! schwenkt, führt gemeinsam mit dem ganzen endokrinen Rotz zu Brainfuck, der seinesgleichen sucht.

Ich, weit entfernt von Erwachsen, in (m)einem einundvierzigjährigen Körper, der jetzt dann per Definition alt ist.

Paralyse

Musik rauscht gemeinsam mit anderen Substanzen durch meinen Körper und beides zusammen hüllt mich in eine flauschig weiche Wolke aus Babyeinhornfell, die ich seit drei Tagen suche und heute endlich finde. Und ich liebe alles daran.
Gestern erwähne ich beiläufig meine erfolgte Selbstmedikation (ohne den Hinweis der doppelten Dosis im Vergleich zum Vortag, die einfach mal so gar nicht zündete) – zum Glück vor dem Filmriss, der erst einsetzt, als ich bereits schlafe, später angelöffelt werde und Schatz daraufhin mit Unsinnigkeiten vollquatsche.
Als ich heute immerhin schon einen Hauch der antreibenden Wirkung der von Ratio verordneten Glüxbarchi-Erhöhung zu verspüren meine, hoffe ich auf ein baldiges Mehr, als mir mein Suchtgedächtnis in den Rücken und ich aus versehen mit wühlenden Händen in den Medischrank falle – die Beiden am Boden befindlichen vergessenen Überreste füttern nun das Einhorn.
Ratios Blick ist ziemlich eindeutig not amused. Und das nicht nur wegen Flausch, sondern auch wegen Rosa, die aufgrund der Anzeige auf der Waage ein Dauergrinsen aufgesetzt hat und Grau, die ihr dauernd im Weg liegt – einfach weil sie es kann.

Pharma

Den zweiten Tag in Folge die pharmazeutische Bremse in meine Synapsen zu integrieren, mag gestern durchaus eine berechtigte Notwendigkeit gewesen sein, dient heute dagegen eher dem wenig schmeichelhaften °weil ich halt Bock auf weiteren Fluff hab° Und ich liebs.
Der Mix aus Feier-, Urlaubs- und Arbeitstagen mit glücklicherweise geringsten familiären Verpflichtungen und vielen aus Überzeugung boykottierten und dennoch internalisiert nagenden gesellschaftlichen Erwartungen fordert trotz aufrechterhaltener Routinen seinen psychischen Tribut, dessen Aufarbeitung mir gerade nicht ferner liegen könnte.
Und so sehr auch °keine Lust° auf den ab morgen wieder regelmäßigen Wecker aus jeder meiner Hirnzellen trieft und mein Bewusstsein verklebt, herrscht die Hoffnung vor, dass es genau das ist, was ich brauche.

Elegie

Tristesse kann wohl als definierendes Merkmal der aktuellen Lunation festgehalten werden, betrachtet man den mindestens zu zwei Drittel herrschenden Novembernebel und andere Dinge. Neben kopfschüttelndem Weltschmerz-möv´q ist Wetter-möv´q immerhin etwas, dem ich dank naheliegender Orogenese immerhin zeitweise entkommen kann, so dass nicht all meine Ressourcen dafür draufgehen, nicht draufzugehen.
Dabei ist es an Tagen wie heute, an denen die Hummeln in meinem Hintern das Aufheitern der hiesigen Beleuchtungssituation offensichtlich bedeutend eher ahnten und schon am Morgen ein nervöses, ungerichtetes Summen in Körper verursachten, eigentlich ja ganz okay, so mit Unbesiegbarkeitsüberzeugung durch die Gegend zu laufen – wäre da nicht auch Ratio, die meine Getriebenheit gerne sezieren würde, nur um mir dann das Ergebnis mit °kümmerDichdrum!° um die Ohren zu hauen. Dabei zeigt sie vorwurfsvoll auf das Resultat des nicht mehr so kürzlich stattgefundenen, intensiven und visuell aufwändigen schematischen Aktivismus und drängt auf Neufokussierung.