Pygmalion

Vor mir liegt ein Haufen Steine. Hinter mir ebenfalls. Ich weiß nicht, ob diese rein konstruktivistischer Natur sind oder (oder und?) ob ich sie mir selbst heimlich von hinten nach vorn in den Weg räume – beides führt aber dazu, dass ich mir schlicht nicht mehr über den Weg traue bei der Frage, ob der nicht nur berechtigte, sondern notwendige gelbe Schein von vergangenem Montag an dem Kommenden einer Verlängerung bedarf oder lediglich eine sommerliche Flause darstellt.

Auch wenn ein Teil meines Gehirns denkt, dass  es nur eine richtige Antwort auf die Frage nach °Montag wieder arbeiten, weil Funktionieren funktioniert schon oder lieber noch ne Woche Pause und Leben funktioniert mit etwas Glück auch wieder ein bisschen?° gibt, denkt ein anderer Teil, dass Erstgenannter bloß krankheitsgewinnorientiert Argumente konstruiert.

Lia möchte bitte aus dem Bällebad abholt werden.

Divergenz


Das bemerkenswert erfüllende Gefühl, eine Krankmeldung bis einschließlich heute in der Hand zu haben, ist in seiner Amplitude ziemlich identisch mit dem schlechten Gewissen, eine Krankmeldung bis einschließlich heute in der Hand zu haben. Leider tun mir beide nicht den Gefallen, destruktiv miteinander zu interferieren.
Ähnlich verhält es sich mit meinem geradezu schmerzhaft intensiven Bedürfnis nach Verbindung und den inzwischen wiederhergestellten mehreren hundert Kilometern – nicht nur – physischer Distanz, die nicht annähernd auszureichen scheinen, um in so etwas ähnliches wie Gleichgewicht zu kommen.

Ambivalenz ist ein Arschloch.

Subduktion

Schatz fragt, ob er mir die Lampe anmachen soll und damn, ich hätte ausgesprochen gerne die Lampe an, also tritt er auf den Schalter und überlässt mich meinem Craving, dessen Begierde nicht mal entfernt mit Photonen zu tun hat.
Urlaub rückt nach und nach in greifbare Nähe und jener ist ebenso nötig wie jedes einzelne Wochenende bis dahin, was den Schluss nahelegt, dass wieder einmal irgendwas schief läuft, auch wenn das zumindest aus Cravings Sicht gesehen leider nichts mit Prozenten oder anderen Dummheiten, die sich aufzudrängen versuchen, zu tun hat.
Unausgesprochen undefinierte Gefühlstsunamis überrollen mich nach wie vor in Gegenwart melodischer Schallwellen und zerreißen mich innerlich, wenn ich sie denn ließe. Weil ich aber sinnvollerweise dann doch nicht mit 180 und einem Nervenzusammenbruch über die Autobahn kacheln sollte, lasse ich sie natürlich nicht.

Konfrontation

Ich könnte einen Laden aufmachen mit Schokonikoläusen, Nussmischungen, Pralinen und selbstgebackenem Stollen, die allesamt sicher kartoniert mindestens 700 Kilometer quer durch die Republik zurückgelegt haben, nur um dann in einer Schublade zu enden, die entweder Schatz nach und nach plündert oder deren Inhalt ihren Weg in die Firmenkaffeeküche finden wird. Fraglich ist, ob ich die gut gemeinte Geste meiner Eltern eher schätze oder hasse, aber ich tendiere zu letzterem, einfach aus Prinzip. Dass für mich heute einfach nur Sonntag und eine mehr als willkommene Anhäufung von Feiertagen ist, wird kaum eine Erwähnung finden im angedrohten fernmündlichen Austausch von Oberflächlichkeiten und der natürlich wichtigsten Frage überhaupt „und was gibt es bei euch heute?„, falls ich ihm nicht – zumindest heute – ganz aus dem Weg gehe, was am Ende dann trotzdem nur dazu führt, das sich der Tempus dieser alles entscheidenden Frage ändern wird.
Die derweil geplante innere Auseinandersetzung mit Gegebenheiten scheitert bisher am selbstgewählten audiovisuellen Reiz-Binge, so dass nur frustrierendes Meta-darüber-Nachdenken-dass-man-sollte übrig bleibt, sich aber nicht durchsetzen kann.

Konvulut

Ich habe Körper spazieren gehen geschickt – gut, andere Leute walken langsamer als ich gerade-noch-nicht-renne -, aber leider vergessen, meinen Kopf zuhause zu lassen. Stattdessen rennt er mit, was wenig verwunderlich ist, wenn er seine freie Zeit am Wochenende und auch sonst damit verbringt, auditiv und visuell vollgemüllt zu werden, sobald er gerade nicht mit Notwendigkeiten wie Haushalt oder sportlicher Koordination beschäftigt ist. Die Blase aus Noise-gecancelleder Musik beeindruckt ihn auch nicht besonders und sobald ich nicht hinschaue – also immer – verspannt er Zunge und Kiefer zu einem festen Klumpen, der mich heute Abend an mich erinnern wird, sobald ich etwas trinken will.
Die zwei Tage, die ich noch alleine mit mir in meinem Kopf verbringen muss, sind akribisch durchgeplant und drehen endlose Ehrenrunden in meinen Gehirnwindungen. Das verbliebene halbe Benzodiazepin ist inzwischen auf dem Weg in ebenjene, weil ungerichtet-wütend-angespanntes gerade-noch-Gehen so ziemlich nichts ausgerichtet hat, als mich weiter in mir selbst zu verlaufen.

Determinismus

Der pridinolunterstützte Benzodiazepinmatsch in meinem Kopf sorgt für eine nicht unangenehme Flauschigkeit im ganzen Körper, begrenzt meine Wortfindungsfähigkeiten aber auf ähnlich einschränkende Weise wie das Zuviel an Gedanken, wegen derer ich den Flausch heute Nachmittag induziere und hoffe, dass er mich später noch ins Bett begleitet.
Der unangenehme Geruch aus Schrödingers Kiste lässt sich nicht mehr ignorieren und ich habe die naive Vorstellung, mich des Problems an einem einzigen Tag zu entledigen, nach Anheben des Deckels gleich dazu gelegt und die Kiste wieder zu gemacht.
Ich kann nicht denken und nicht fühlen, Rosa bockt und ich habe keine Energie (ach?!), mich mit irgendetwas davon näher auseinanderzusetzen. Finde den Fehler.