In meinem Innersten ist ein Loch. Ein finsteres Vakuum, das wer weiß wann vor sich hin entstanden, im Kern offensichtlich nie verschwunden und langsam wieder kanzerös vor sich hin gewachsen ist. Inzwischen ist es größer als Rosa und der Parasit zusammen. Größer als ich.
Sanft umschlossen von einer watteweichen Glüxbärchi-Wolke fällt die Schwärze des Lochs, die im Innern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben wird, kaum auf. Aber so sehr ich auch hineinschauen, es füllen mag – einfach mit irgend etwas – , ich habe keinen Zugriff. Es verweigert sehr vehement jeden Versuch, es zu ergründen. Weghungern. Funktioniert nicht. Rausschneiden. Auch nicht. Beides zusammen. Ist zwar irgendwie geil, bringt mich aber auch nicht weiter.
Der Parasit redet mir den heimlichen Kauf von Vodka schön, indem er mir verspricht, dass ich dann bestimmt einen Blick hineinwerfen kann, in das Loch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es mich aufsaugt. Und plane, wann ich trinken kann.
Schlagwort: Cravings
Anführungszeichen
Ich frage mich, was sie meint mit Hauptsache, du bist „gesund“ und welchen Unterschied es macht, ob ich gesund oder „gesund“ bin, oder ob es einen geben sollte oder könnte oder müsste? Oder ob es nicht wichtiger wäre, wenn es mir einfach gut ginge?
Da ist sie, meine unangefragte Antwort darauf, warum ich eine Pause von meiner Familie brauche und die bloße geografische Entfernung mehrerer 100 Kilometer nicht ausreichend ist. Abstand ist mehr als physische Distanz.
Und nein, ich bin nichts davon. Nicht gesund – egal in welcher Schreibweise – und gut geht es mir auch nicht.
Und wieder einmal möchte ich eskalieren und dramatisch sein.
Dekompensation
Introducing Ratio.
Ratio ist der Teil von mir, der meist mit hochgezogen Augenbrauen neben mir steht und mich fragt, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Wenn ich überhaupt antworte, dann, dass ich mich nicht traue, nachzuschauen.
Auch wenn sie sich – wie ich auch – eigentlich immer fragt, °was würde ein:e Erwachsene:r jetzt tun?°, hat sie doch ein durchaus vernünftiges Wesen – aber kein wirkliches Durchsetzungsvermögen. Daran hat die Klinik nichts geändert, auch wenn sie da verdammt viel gelernt hat und mich dauernd damit nervt.
Also spiele ich nicht mehr mit ihr und schubse stattdessen lieber Rosa auf der Schaukel an und spendiere dem Parasit Förmchen für den Sandkasten.
Exkret
Körper und ich sind uns ebenso uneins wie Rosa und ich. Und der Parasit und ich.
Körper jongliert wild Hormone durch die Gegend und stellt sich dabei wohl nicht sonderlich geschickt an, denn er entscheidet sich nach den letzten, immer länger werdenden Zyklen, dass doch auch 11 Tage mal ganz lustig wären, von denen nur 4 ohne Schmierblutung waren.
Rosa findet es fantastisch, dass Körper langsam wieder am Untergewicht kratzt und arbeitet mitunter sehr erfolgreich gegen mich, wenn ich mich zumindest in Erhaltung versuche.
Der Parasit, dem ich mit einem permanenten, sozial überwiegend akzeptierten Zeichen ein Denkmal auf meiner Haut gesetzt habe, sieht nicht ein, sich deswegen zur Ruhe zu setzen. Stattdessen nagt er an meinen Nerven, die aufgrund von einfach allem summen und bis zum Zerreißen gespannt sind.
Die Welt könnte dann bitte mal aufhören, so f*cking kaputt zu sein. Meine würde mir ja auch schon reichen. Fürs erste.
Brachland
Der Schlag in die Magengrube treibt mir die Luft aus den Lungen, so dass es nicht für mehr als ein lautloses Wimmern reicht. Mein Kopf dröhnt und ganz viel NichtGefühl verknotet sich zu maximaler Verwirrung, die mich in Ketten legt.
Etwas weint. Verzweifelt, unartikuliert. Kein Wunder, is es doch erst etwas älter als ein Jahr und Sprache ist noch so unbedeutend.
Wieder wird es abgewiesen. Wieder wird es nicht gesehen. Wieder wird es enttäuscht, weil es offensichtlich nichts zu geben scheint, was Beachtung verdient.
Und wieder ist Rot einfach nur so hilflos, dass sie Rosa und den Parasit – vorallem den Parasit – weiter anstachelt und um Sichtbarkeit bettelt.
Wieder stolpere ich über die Dinge, die ich nicht bekomme und nicht artikulieren kann, weil es doch keine Worte dafür gibt. Weil Sprache keine Bedeutung hat. Weil nur und ausschließlich Körperlichkeit zählt.
Ich will flüchten und mich unsichtbar machen, Kontakte beenden und dramatisch und blutüberströmt sein.
Integrität
32,375 Stunden. Mehr braucht es scheinbar nicht, um mich um Monate zurückzuwerfen. Ich fühle mich vergiftet, erschöpft und frustriert und meine innere Anspannung winkt mit dem Zaunpfahl, ohne dass sie dabei besonders dezidiert in eine Richtung deuten würde.
Das beständige BeeDooBeeDoo aus dem Badmülleimer wird langsam anstrengend und Youtube leerschaun ändert auch nur wenig daran. Der Parasit untermalt das Ganze mit forderndem Heulen und wispert mir Verführungen ins Ohr, weil er nicht begreifen will, warum ich die Klinge nicht wie geplant mit unter die Dusche genommen, sondern verbogen und weggeworfen habe. Ich begreife es selbst nicht und habe keine Ahnung, wie ich das tiefdunkle Sehnen ohne sie loswerden soll.
Rosa möchte an dieser und möglichst vielen anderen Stellen unbedingt noch erwähnen, dass jetzt 40% des in der Klinik zugenommenen Gewichts wieder weg sind. Dass das eigentlich nicht zu unserem Deal gehört, ignoriert sie geflissentlich und ist maximal verwirrt, als wir plötzlich mitten am Nachmittag ein kleines Porridge essen.
Jetzt hält sie dem Parasit ein Megafon vor die Nase.