Dissonanz

Wenn deine Empathie dir Worte mit einem Feenstaubglitzergeräusch auf einem Silbertablett serviert und gleichzeitig mit der rostigen Kettensäge, an der noch – ausgesprochen zahlreich – die gar nicht mal so vergammelten Reste deiner eigenen Gefühle kleben, durch die Eingeweide  fleischt, weißt du wieder ziemlich genau, warum du eigentlich Expertin im Social Distancing bist.

Skizze

Ich stolpere über ein gar nicht so kleines Puzzlestück, welches mir zum fortwährend eher diffusen Bild, warum ich insbesondere in familiär assoziierter Kommunikation Schwierigkeiten, habe, bisher fehlte. Nämlich die ebenso offensichtliche wie aussagekräftige Tatsache, dass Kommunikation im gesamten verwandtschaftlichen Kontext neben Alltagserzählungen nicht bedeutet, eigene Handlungen und Gefühle zu ebenjenen zu reflektieren – oder gar bei Gesprächs- und Handlungsbeteiligten zu eruieren – , sondern sich ausgesprochen weitschweifig über nicht anwesende Personen, die meist nicht einmal den Beziehungsstatus einer Bekanntschaft innehaben, zu unterhalten. Im Wortsinn.
Denn schließlich berechtigt die bloße Existenz mancher Menschen im kleinstädtischen Umfeld meine Familie, nicht nur – wahlweise aus erster oder auch dritter Hand erfahrene – Geschichten zu kommentieren, weil man das schließlich nicht so oder anders oder halt gar nicht macht, sondern zusätzlich auch die personengebundene Physis, sofern nicht dem internalisierten Schönheitsideal entsprechend, zu be- und verurteilen. Das Praktische daran ist, dass man dadurch nicht in die Verlegenheit gerät, Spiegelbildern zu begegnen, die einem unter anderem die patriarchal installierte wie inhalierte Misogynie vor Augen führen könnte. 

Quantum

Mein Gehirn schmeißt – natürlich ungefragt – eine ebenso spontane, wie exzessive Botenstoffparty und schüttet in Körper mal alles aus, was es gerade so findet. Da ist es vollkommen unerheblich, dass die Nachricht, die diese mir unangemessen erscheinende Maßlosigkeit auslöst, eine positive ist, auf die ich seit geraumer Zeit hoffte. Also gehe ich exorbitant euphorisiert in den Feierabend und bin viel zu overwhelmed, diesen inneren Zustand auch nur irgendwie zu verbalisieren. Erst nach dem Fitnessstudio mit BeastMode-Musik statt Podcast und einer kalten Dusche finde ich ein paar Hirnzellen, die mir sprachlich nützlich erscheinen, wenn sie auch nur dazu ausreichen, eine grobe Umschreibung des bunten Nachmittags zu zeichnen, der mir zuteilt wurde.
Derweil geht die Aftershowparty munter weiter und Grenzlinien stellen sich wieder einmal als deutlich verschoben dar.

Pygmalion

Vor mir liegt ein Haufen Steine. Hinter mir ebenfalls. Ich weiß nicht, ob diese rein konstruktivistischer Natur sind oder (oder und?) ob ich sie mir selbst heimlich von hinten nach vorn in den Weg räume – beides führt aber dazu, dass ich mir schlicht nicht mehr über den Weg traue bei der Frage, ob der nicht nur berechtigte, sondern notwendige gelbe Schein von vergangenem Montag an dem Kommenden einer Verlängerung bedarf oder lediglich eine sommerliche Flause darstellt.

Auch wenn ein Teil meines Gehirns denkt, dass  es nur eine richtige Antwort auf die Frage nach °Montag wieder arbeiten, weil Funktionieren funktioniert schon oder lieber noch ne Woche Pause und Leben funktioniert mit etwas Glück auch wieder ein bisschen?° gibt, denkt ein anderer Teil, dass Erstgenannter bloß krankheitsgewinnorientiert Argumente konstruiert.

Lia möchte bitte aus dem Bällebad abholt werden.

Konvulut

Ich habe Körper spazieren gehen geschickt – gut, andere Leute walken langsamer als ich gerade-noch-nicht-renne -, aber leider vergessen, meinen Kopf zuhause zu lassen. Stattdessen rennt er mit, was wenig verwunderlich ist, wenn er seine freie Zeit am Wochenende und auch sonst damit verbringt, auditiv und visuell vollgemüllt zu werden, sobald er gerade nicht mit Notwendigkeiten wie Haushalt oder sportlicher Koordination beschäftigt ist. Die Blase aus Noise-gecancelleder Musik beeindruckt ihn auch nicht besonders und sobald ich nicht hinschaue – also immer – verspannt er Zunge und Kiefer zu einem festen Klumpen, der mich heute Abend an mich erinnern wird, sobald ich etwas trinken will.
Die zwei Tage, die ich noch alleine mit mir in meinem Kopf verbringen muss, sind akribisch durchgeplant und drehen endlose Ehrenrunden in meinen Gehirnwindungen. Das verbliebene halbe Benzodiazepin ist inzwischen auf dem Weg in ebenjene, weil ungerichtet-wütend-angespanntes gerade-noch-Gehen so ziemlich nichts ausgerichtet hat, als mich weiter in mir selbst zu verlaufen.