Nexus

Das unstillbare Verlangen nach Erfüllung eines jahrzehntealten Bedürfnisses erstickt nicht zum ersten Mal in einem undurchdringlichen Netz an Oberflächlichkeiten, das Schicht um Schicht meinen Geist verklebt und es unmöglich macht, so etwas wie eine echte Verbindung aufzubauen. Stattdessen überfluten mich Reize und Emotionen, die nur zum Teil meine eigenen sind, weil meine Empathie bei familiären Sendern förmlich ausrastet und mich kaum atmen lässt.
Mein Fluchtreflex bettelt um Handlungsvollmacht, während mein Kopf sein Denken zu einem immer dichteren schwarzen Loch zusammen schrumpft, meine verbale Kommunikation auf ein Minimum zurück schraubt und Stacheln ausfährt, die nur denjenigen aufspießen, der sie am wenigsten verdient und am sichersten aushält.

°Es war eine sehr schöne Woche° schreibt sie. Aber sie war ja auch nicht in meinem Kopf.

Persistenz

Es ist fucking acht Tage her, dass ich das letzte Mal beim Sport war, also stand da noch eine 23 am Datumsende. Und nein, das ist keinem beknackten Neujahrsvorsatz geschuldet, sondern einer hartnäckigen Erkältung, die mich erwischt hat, nachdem ich Raus aus dem Teich bin – nicht im eisbadenden, sondern im cineastischen Sinne. Fuck. Nochmal.
Möglicherweise war Psyche an der finalen Ausprägung nicht ganz unschuldig, weil ich aus purer Doofheit rund 5 Jahre Handyfotos einfach mal gelöscht habe – das meiste davon unwiederbringlich. Zwar sind die wirklich guten Fotos immer mit der DSLR entstanden und noch brav da, wo sie sein sollen, aber alles in allem war es wohl ein kleines bisschen viel in letzter Zeit. Mein innerer Sheldon ist jedenfalls gerade nicht sonderlich ausgeglichen und wäre auch mit nur einer der anderen, geplanten Änderungen schon unzufrieden gewesen.
Mit etwas Glück habe ich auf diese Weise immerhin die erste Schwemme an Vorsätzen im Studio verpasst, wenn ich morgen erstmalig im neuen Jahr dort aufschlage und schaue, was von meinen Muskeln übrig ist und den Neujahrskater damit wohl deutlich anders interpretiere, als andere.
Bleibt noch zu erwähnen, dass die wenig professionelle Wiederherstellung der verlorenen Pixel immerhin offenbar die gesamte Galerie von Rosa beinhaltet, was wir beide sehr feiern und sie ein bisschen ablenkt vom dem Umstand, dass Körper die vergangenen Tage ziemlich wundervoll fand.

Konvulut

Ich habe Körper spazieren gehen geschickt – gut, andere Leute walken langsamer als ich gerade-noch-nicht-renne -, aber leider vergessen, meinen Kopf zuhause zu lassen. Stattdessen rennt er mit, was wenig verwunderlich ist, wenn er seine freie Zeit am Wochenende und auch sonst damit verbringt, auditiv und visuell vollgemüllt zu werden, sobald er gerade nicht mit Notwendigkeiten wie Haushalt oder sportlicher Koordination beschäftigt ist. Die Blase aus Noise-gecancelleder Musik beeindruckt ihn auch nicht besonders und sobald ich nicht hinschaue – also immer – verspannt er Zunge und Kiefer zu einem festen Klumpen, der mich heute Abend an mich erinnern wird, sobald ich etwas trinken will.
Die zwei Tage, die ich noch alleine mit mir in meinem Kopf verbringen muss, sind akribisch durchgeplant und drehen endlose Ehrenrunden in meinen Gehirnwindungen. Das verbliebene halbe Benzodiazepin ist inzwischen auf dem Weg in ebenjene, weil ungerichtet-wütend-angespanntes gerade-noch-Gehen so ziemlich nichts ausgerichtet hat, als mich weiter in mir selbst zu verlaufen.

Belong

Mit Schatz ist offensichtlich auch der Kleber in Urlaub geflogen, der mich zusammengehalten hat. Anders ist kaum zu erklären, warum ich seit Dienstagabend zerfalle, in immer mehr Teilen um mich herum liege und dauernd über mich drüber stolper.
Vorher waren da Risse, aber irgendwie habe ich doch aneinander geklebt. Da war Resonanz. Stabilität. Und ich dachte, ich bekomme das gut hin mit dem Alleine sein für zwei Wochen. Mach’s mit nett. Aber vielleicht hätte ich drauf hören sollen, als plötzlich das Licht aus- und eine megaphonunterstützte Stimme anging, die die Idee auf einmal für ganz arg doof hielt.
Wenn ich wenigstens wüsste, was ich von mir will Alkohol. Was ich bräuchte Rasierklingen. Was ich tun kann eskalieren, damit sich nicht jede unbeschäftigte Sekunde anfühlt wie °ichwillaufnArmundLeuteanschreien°. Und jede beschäftigte wie °ichwillbitteumgehendschlafenundDummheitenmachen°.
Ich meine, ganz ehrlich, wie machen das normale Menschen? Einen Haushalt, Miezen, Arbeiten, Sport, nicht durchdrehen, Leben? Und dann auch noch im November bei 4° und Schneeregen?
Ach ja. Die essen vielleicht etwas mehr. Und reden. Mit Menschen.

Determinismus

Der pridinolunterstützte Benzodiazepinmatsch in meinem Kopf sorgt für eine nicht unangenehme Flauschigkeit im ganzen Körper, begrenzt meine Wortfindungsfähigkeiten aber auf ähnlich einschränkende Weise wie das Zuviel an Gedanken, wegen derer ich den Flausch heute Nachmittag induziere und hoffe, dass er mich später noch ins Bett begleitet.
Der unangenehme Geruch aus Schrödingers Kiste lässt sich nicht mehr ignorieren und ich habe die naive Vorstellung, mich des Problems an einem einzigen Tag zu entledigen, nach Anheben des Deckels gleich dazu gelegt und die Kiste wieder zu gemacht.
Ich kann nicht denken und nicht fühlen, Rosa bockt und ich habe keine Energie (ach?!), mich mit irgendetwas davon näher auseinanderzusetzen. Finde den Fehler.

Fluoreszenz

Ich habe ein Nachtlicht gefunden, aber es ist nicht unbedingt bedeutend heller als die Aurora, die sich gestern vor unserer Haustür tummelt und mehr zu erahnen als zu sehen ist. Ich bilde mir dennoch einen roten Schimmer ein, der sich immerhin fotografisch sehr deutlich einfangen und mich vollkommen unbeeindruckt lässt. Nordlichter sehen. Der oberste Eintrag auf meiner nicht vorhandenen BucketList lässt rot schimmernde Süddeutschlandfunzeln nicht gelten und trotzdem frage ich mich, warum jene Seltenheit einfach nüscht in mir auslöst. Also, jaaaa…mich fragen, ich mein, ich weiß schon. Gefühle bräuchten halt ein klitzekleines minibisschen mehr Raum als die winzige Kiste, in der sie vor sich hin verstauben, aber Alter! Die. sind. Gefährlich!