Lucifer

In blinder Verzweiflung habe ich nach dem Ketamin und der nicht feststellbaren Wirkung unter nunmehr gynäkologischer Anleitung – die aus Gründen schon länger in der Pipeline stand – und laborgestützter Analyse, statt einer wie von mir angedachten endokrinologischen Breitseite eine großzügige Salve an Essentials ins Cerebrum geschmissen. Und siehe da, es ward Licht.
Allerdings zeigten sich die Glühwürmchen als ausgesprochen kurzlebig und verwesen seit eineinhalb Wochen wieder, während ich mir die Frage nach einem Placebo-Effekt stelle und es damit dann wohl doch selber in der Hand hätte, aber immer wieder loslasse.
Was ist falsch mit mir?
Ich kann das alles nicht mehr.

Vertigo

Mein Belohnungs- & Suchtzentrum verneigt sich ehrfurchtsvoll vor dem K-Hole, während die Grenzen zwischen meinen Sinnen aufweichen und sich Körper in Licht auflöst.
Der Herr Psychiater ist so freundlich, mich bis auf die gelegentliche Kontrolle meiner Werte – Körper ist also doch noch da, so scheint es – einfach nur existieren zu lassen.
Die Hoffnung, zu einer derer zu gehören, bei denen schon nach ein oder zwei solcher Holes das eigentliche Loch weniger tief ist – (-*-=+, oder etwa nicht?!) – verschwindet fast ebenso schnell wie der Drehwurm nach dem entfernen der Nadel aus meinem Arm.
Und auch, wenn diese Erfahrung eine sehr spezielle ist, für die Horizonterweiterung eine nur unzureichende Beschreibung darstellt, frage ich mich, ob ich vielleicht die falsche Kandidatin für diese Art der Therapie bin oder halt einfach keine Depressionen habe. Ersteres erscheint jedoch angesichts der nicht verbalisierten Gedanken, für die mir zu einem Großteil einfach die Worte sowie die angemessene Verarbeitung fehlen, sehr viel plausibler. Und vielleicht findet sich in den nächsten Tagen eine Lexemsammlung, die für die drei noch folgenden Termine etwas mehr Erleuchtung bringt.

Apathie

Ich frage mich, wann genau ich eigentlich so falsch in der Zeitlinie abgebogen bin, um ausgerechnet in dieser  abgefuckten Realität zu stranden.

OB EIGENTLICH ALLE BESCHEUERT SIND, HAB ICH GEFRAGT!!!

Ich würde echt einfach alles daran hassen, wäre mir nicht genauso alles so entsetzlich egal.
So auch die rund 600€ , die ich kommende Woche gegen zwei Beutel potentielle Glückseligkeit eintauschen und OffLabel in meine Venen jagen lassen werde. Ein Seidenpapierstrohhalm, an den ich einfach mal alles hänge, weil sonst kein Haken mehr frei ist.
Ich weiß nicht, ob die Löcher einfach nur tiefer oder ich bedeutend weniger leidensfähig/-willig werde, aber scheiße, ist das scheiße hier unten.
Ob ich Angst vor mir habe, fragt Schatz in diesem Zusammenhang. Habe ich nicht. And that’s the point.

Eskapismus

So rein endokrin gesehen ist Anarchie wohl gerade der heiße Scheiß. Ich habs jetzt mit Ignoranz, neutraler Datenerhebung und externem, synthetischem Gegenschlag versucht – und alles, was ich erreicht habe, sind mattschwarze Sphären mit massiv-gravitativer Wirkung, die mich auf einen winzigen Punkt aus gleißender Dystopie reduziert haben – weitere Dys-* und Dis-* inklusive. Und ich mag das nicht.

Konvergenz

Es ist Anfang Juni und plötzlich Sommer, obwohl doch eigentlich gerade erst Februar war. Ich komme nicht hinterher, also teilen sich Rosa und Grau gerade mein Gehirn. Der Parasit wirft auch etwas zu oft seine Fantasien in den zerebralen Raum und alle 3 zeigen sich nur wenig beeindruckt von 5/4 Glüxbärchi, obwohl es langsam an der Zeit wäre.
Es nervt kolossal – weil es wieder Anfang Juni ist und ich gerne mal ein Jahr ohne bescheinigten Brainfuck verbringen würde. Und weil ich nicht fühlen wollte, muss ich mir nun anhören, wie mir Emotionen die Ohren vollheulen. Und statt sich geordnet hintereinander aufzustellen und zu warten, bis sie an der Reihe sind, machen das natürlich alle auf einmal, so dass ich genau nichts verstehe. Und dann gucken sie wieder so.

Lux

Es ist heller heute. Die Finsternis der letzten Tage war hart an der Grenze dessen, was ich zu ertragen noch bereit bin und schürt die Angst, den pharmakologisch möglichen Spielraum des Glüxbärchis irgendwann zu verlieren, weil ich nicht weiß, was ich dann tue. Also lautet mein Plan, noch eine Woche weiterzumachen und dann in Schritten auf die vorige Dosierung zu gehen – möglichst unbedunkelt. Und vielleicht sollte ich den Herrn Psychiater mal wieder treffen.