Phorie

Im schmerzlichen Bewusstsein, durchaus Teil des Problems zu sein, betrachte ich die Pasterze, die sich dem wandelnden Klima nur ergeben kann und nichts als nackten, viel zu warmen Fels hinterlässt. Ich spüre ein Ziehen im Körper und versuche, die Inkongruenz dieser rundum außergewöhnlichen, beeindruckenden und so wunderschönen Landschaft mit der aufkommenden Traurigkeit ins Gleichgewicht zu bringen und bin erstaunt, dass es gelingt.
Die zwei Tage Alpenlandschaft-Dusche fühlen sich an wie fünf und machen die darauffolgenden 130 Liter Regen bei 4 Grad Außentemperatur bisher nachhaltig erträglich, auch wenn sie dafür scheinbar mein Gehirn verstopfen und bisher verhindern, weiter an meinen Käfigtüren zu feilen.

Suppenwetter

Ich fühle mich fiebrig und so müde, dass meine Augen unscharf sind. Beides wird weniger die Folge von zu wenig Schlaf, als von mangelhafter Energieversorgung sein, betrachtet man die im Mittel nur dreistellige Kalorienbilanz der letzten Tage. Gepaart mit der schneefallbedingten Zwangspause in Bezug auf die eigentlich wochenendüblichen ausgedehnten Spaziergänge meint Körper wohl, er bekäme nun tatsächlich eine Pause und fühlt sich trotz oder gerade wegen einem unausgedehnten Spaziergang und der Schneeschaufelei der letzten zwei Tage dazu berechtigt, herunterzufahren.
Immerhin aber scheine ich ihm die Idee, zu menstruieren, vorerst wieder abgewöhnt zu haben, so dass er mich zumindest bisher nicht mit den lästigen Begleiterscheinungen nervt.
Und natürlich kann ich den Schnitt dieser Woche nicht ruinieren, also fange ich – ganz bestimmt – morgen an, Körper wieder mit mehr Energie zu versorgen.

TabulaRasa

Weißes Rauschen in einem weißen Raum, ich mittendrin. Der Blick durch das Bullauge der Tür, über der die nur schwer zu entziffernde Inschrift Exit prangt, offenbart nur noch mehr Weiß in beängstigend gleichförmiger Unendlichkeit. Ich will dort nicht raus. Ich will nicht hier sein. Das Rauschen dröhnt unerträglich in meinen Ohren und ich kann weder mich selbst, noch irgendetwas sehen. Ich lechze nach Farbe. Rosa wäre schön.

Hatte ich erwähnt, dass es schneit?

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Mein freier Tag beginnt unsanft mit dem Geräusch des Frontladers, der über das Pflaster auf unserem Hof schrammt und Schnee räumt. Ich habe Kopfschmerzen und wieder einmal ist einer der ersten Gedanken der an Selbstverletzung.
Es ist viel zu früh, noch nichtmal ganz hell draußen. Ich mag nicht aufstehen, tue es aber doch irgendwann, um mich nicht noch tiefer in meinen Gedanken zu verstricken. Über Nacht sind teils 1,20 Meter hohe Schneewehen entstanden, vom Zaun um den Gemüsegarten sieht man nur noch das obere Viertel. Nicht die schlechteste Entscheidung, heute frei zu nehmen.

Alles in mir schreit nach Kaffee (und anderem, aber Kaffee ist gesellschaftsfähiger), und Schatz kommt schon von der ersten Schaufelaktion rein. Macht mich ganz nervös, weil er neben mir, die ich auf der Couch mit Kaffee und Handy wach zu werden versuche, nach draußen zum Vogelhäuschen knippst und dann in der Küche hantiert. Das Geräusch von Geschirr auf Geschirr tut mir in den Ohren weh.

Es ist fast Mittag, als wir nach über 2 Stunden erneuter und diesmal gemeinsamer Schneeschaufelei wieder reinkommen und duschen gehen. So viel Schnee habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen. Hübsch – wenn man nicht schaufeln muss.
Immerhin, mein Kopfweh ist weg und meine Stimmung ist – etwas – besser. Aber es schneit weiter. Und schneit. Und schneit.