Diametral

Wie zu erwarten zerschellen auch paternal adressierte ungestillte Bedürfnisse an der Realität eines – immerhin selbstfürsorglich aus dem (einseitig) geplanten Juni verschobenen – familiären Besuchs. Auch wenn ich mir Mühe gebe, mein Innenleben verständlich darzulegen, versickern die Informationen fast vollständig unkommentiert, so dass wir am Ende doch wieder bei reinem Austausch über die sichtbare Welt ankommen, der sich an der allgemeinen Introvertiertheit aller Beteiligten totläuft.
Verschwiegenheit auch über die Tatsache, dass auf ebenjene Verschiebung – aus Gründen! Genannten Gründen! – ein weiteres Erkundigen nach meinem Befinden schlichtweg entfiel und auf meine Unzuverlässigkeit, spontane fernmündliche Gespräche anzunehmen geschoben wurde – die AUS GRÜNDEN!!! manchmal oft schlicht weg nicht möglich ist.

argh.

Konfrontation

Ich könnte einen Laden aufmachen mit Schokonikoläusen, Nussmischungen, Pralinen und selbstgebackenem Stollen, die allesamt sicher kartoniert mindestens 700 Kilometer quer durch die Republik zurückgelegt haben, nur um dann in einer Schublade zu enden, die entweder Schatz nach und nach plündert oder deren Inhalt ihren Weg in die Firmenkaffeeküche finden wird. Fraglich ist, ob ich die gut gemeinte Geste meiner Eltern eher schätze oder hasse, aber ich tendiere zu letzterem, einfach aus Prinzip. Dass für mich heute einfach nur Sonntag und eine mehr als willkommene Anhäufung von Feiertagen ist, wird kaum eine Erwähnung finden im angedrohten fernmündlichen Austausch von Oberflächlichkeiten und der natürlich wichtigsten Frage überhaupt „und was gibt es bei euch heute?„, falls ich ihm nicht – zumindest heute – ganz aus dem Weg gehe, was am Ende dann trotzdem nur dazu führt, das sich der Tempus dieser alles entscheidenden Frage ändern wird.
Die derweil geplante innere Auseinandersetzung mit Gegebenheiten scheitert bisher am selbstgewählten audiovisuellen Reiz-Binge, so dass nur frustrierendes Meta-darüber-Nachdenken-dass-man-sollte übrig bleibt, sich aber nicht durchsetzen kann.

Re:Kapitulation

Zweiundvierzigtausend (in Worten: verdammtscheißviele) Stunden. Für jede:n von uns, und damit in Summe nur etwas mehr, als die Asche.
Bewährung (das ist kursiv, weil ich es auskotze, das Wort).
Und zwei Leben, die fast fünf Jahre keine waren und ebenso fast auch keine mehr wären.
Aber es endet. Endlich. Es. Ist. Endlich.
Vorbei!
Die zu Grunde liegende himmelschreiende Ungerechtigkeit ignorieren wir an der Stelle einfach mal großzügig.

Und dass es vorbei ist, sickert nur langsam in unser beider Bewusstsein. Ich schwanke seither zwischen °ichmöchtebitteeinfachnichtsfühlenweilFühlengefährlichist° und °ichmöchtebittebismindestensOsterneinfachnurinEmbryonalstellungheulen°, entscheide mich am Ende aber für °ichbinunfassbarwütendwasfälltmeinemPapaeinaufdieseNachrichteinfachmalNICHTzureagieren° und verharre darin. Weil ich irgendwie nicht weiß, wie ich heulen und dann je wieder aufhören soll, oder wie sich das fucking feiern lässt, oder wie ich je wieder mit Papa reden soll. Oder dem familiären Rest, der sich auch nicht zu mehr als einem Daumen hoch hinreißen ließ.

Ganz anders unsere Lieblingsfreunde. Die vielleicht sogar noch mehr fühlen, als wir gerade, und es auf den Punkt bringen. Jetzt erstmal heulen, dann pennen und dann feiern.

Pleonasmus


Als Kind meiner Eltern bin ich es ja gewohnt, über Klatsch und Tratsch Neuigkeiten aus dem engsten bis entferntesten Umfeld zu plänkeln informiert zu werden, statt Gespräche über persönliches Befinden oder gar psychische Verfassungen zu führen, was das Ganze auf der Metaebene doch irgendwie wieder interessant macht.
Neben einer kollektiven Suchtberatung würde ich zwar schon gerne meinen gesammelten Kopfsalat aus dem letzten Jahr vermitteln – zumal Rosa sich maximal ignoriert fühlt, während ich garnicht so unglücklich darüber bin, nicht permanent dazu gedrängt zu werden, doch Waffeln, Kuchen oder gezuckerten Kaffee zu konsumieren – aber so kann ich einfach lächeln und nicken und metamäßig den Kopf schütteln über all das, was sonst gute 700 Kilometer von mir entfernt stattfindet.

Jetzt, auf dem Rückweg in meine dunkelbunte Fluffblase, bin ich zwar sowas wie dankbar, dass mich die 3 Tage wenigstens vom vergangenen und bevorstehenden Katastrophentermin abgelenkt haben, aber noch viel mehr, dass mich daheim nicht nur drei Flauschemiezen, sondern auch Distanz erwarten.

Achja, außerdem: letzter Krümel SSRI.

Ausgedacht

Irgendwann im Laufe des Tages muss ich einen Tab geöffnet haben, der sich aufgehängt hat und jetzt geht er nicht mehr zu und mir auf den Keks.
Das Beste Mittel gegen solche Überflüssigkeiten wie Gefühle ist ja Konsum. Ablenkung. Wenn das gerade nicht per Arbeit, Sport oder anderweitiger mehr oder weniger körperaktiver Beschäftigung geht, ist Hunger und Essensplanung sehr willkommen, aber wenn das alles hübsch routiniert abgearbeitet ist, bleibt nur … °boingboingboing°

Und da endet mein gestern begonnener Blogpost, weil Schwarz samt ihrer Kreativität gemeinsam mit meiner Konzentration unter einem Bällebad – in eine Hüpfburg geschüttet – untergeht. Es war wohl etwas zu viel Koffein.
Aber weil ja heute immer noch Wochenende ist und damit mein Tagesplan dem gestrigen doch sehr ähnelt – gammeln, bitte nicht denken und noch viel weniger was fühlen – mache ich heute weiter. Mit weniger Koffein und dennoch erschreckend eingeschränktem Denkvermögen.

…, bleibt nur YouTube. Ich konsumiere munter Sinnlosigkeiten vor mich hin und warte darauf, dass der Tag vorüber geht. Aber der Tab ist immer noch offen. Und nervt. Weil da irgendetwas ist, was gedacht werden will, aber ich werfe einfach so viel Input in mich hinein, dass Ratio nicht dazu kommt, sich mal näher damit zu beschäftigen.