Hintergrundrauschen

Rosa sitzt in der Ecke, in die sie sich zurückgezogen hat, wippt langsam mit angezogenen Beinen, die sie mit ihren Armen umschlingt, vor und zurück und schaut mich mit ihren großen dunklen Augen ängstlich an.
Ich sitze auf dem Bett, schaue zu ihr und sehe doch nichts, weil ich die Tränen nicht stoppen kann, die mein Gesicht hinunter laufen und mein Shirt durchnässen.

Es ist nicht so, dass der Herr Vertretungseinzeltherapeut Rosa dorthin verwiesen hätte – dann wäre es einfach. Dann könnte ich die Arme ausbreiten, sie zu mir aufs Bett holen und wir könnten uns weiter aneinanderklammern. Aber so war es nicht – er bat sie in die Mitte des Raums. Mein Blick folgte ihr, doch er trug mir auf, dort hin zu schauen, wo sie noch kurz zuvor gestanden hatte.

Das ist der Moment, in dem ich zusammenbreche.

Ich glaube, das ist Therapie.

Spelz

Wir besprechen also mein Körperbild (= 🐳), der Herr Vertretungseinzeltherapeut und ich. Und dass er mich nervt gerade. Also Körper. Nicht nur, weil 🐳, sondern auch weil er keine Gelegenheit auslässt, weh zu tun – oder ganz neu, meine Finger einschlafen lässt. Nach dem Aufstehen – also wa(h)lweise morgens, aber auch wenn ich länger gesessen habe – schreien mir meine Füße und meine Hüften entgegen, dass ich entgegen meiner biologischen Überzeugung doch schon weit über 80 bin, und meine Schultern sind der gleichen Meinung, wenn ich Körper an- oder ausziehe.
Rosa findet das garnicht witzig. Aber sie ist froh, dass es besser wird, je länger wir laufen. Und das tun wir, schon allein des mehr als weitläufigen Klinikgeländes wegen.

Nachdem wir festgehalten haben, dass ich zu Körper in letzter Zeit nicht besonders nett war und er es deshalb wahrscheinlich gerade auch nicht zu mir ist, kommen wir zur nicht unerheblichen Diskrepanz zwischen Spiegel und Foto. Und Fotos von Rosa. Die ich am besten löschen soll. Und zwar alle. Rosa schaut mich entsetzt an und ich überlege, ob ich heulen oder gehen soll. Alles in mir schreit NEIN.
„Das trennt die Spreu vom Weizen“ sagt er so nebenbei.

Sehnsucht

Seit Dienstag eskaliere ich still und heimlich vor mich hin. Seit 3 Stunden habe ich die Welt mit Musik ausgesperrt – ein Zustand, von dem ich gerade nicht wüsste, warum ich ihn jemals wieder ändern sollte – und allein die Vorstellung, irgendjemanden sehen zu müssen, ist absurd.

Rosa feiert mich.

Splitter

Ich liege in viel zu viele Teile zerstreut am Boden um mich herum. Mich wieder zusammenzusetzen scheitert am nicht vorhandenen Kleber, dem Unwillen, ebenjenen zu suchen und daran, dass kein Teil mehr zum Anderen zu passen scheint.

TabulaRasa

Weißes Rauschen in einem weißen Raum, ich mittendrin. Der Blick durch das Bullauge der Tür, über der die nur schwer zu entziffernde Inschrift Exit prangt, offenbart nur noch mehr Weiß in beängstigend gleichförmiger Unendlichkeit. Ich will dort nicht raus. Ich will nicht hier sein. Das Rauschen dröhnt unerträglich in meinen Ohren und ich kann weder mich selbst, noch irgendetwas sehen. Ich lechze nach Farbe. Rosa wäre schön.