Spelz

Wir besprechen also mein Körperbild (= 🐳), der Herr Vertretungseinzeltherapeut und ich. Und dass er mich nervt gerade. Also Körper. Nicht nur, weil 🐳, sondern auch weil er keine Gelegenheit auslässt, weh zu tun – oder ganz neu, meine Finger einschlafen lässt. Nach dem Aufstehen – also wa(h)lweise morgens, aber auch wenn ich länger gesessen habe – schreien mir meine Füße und meine Hüften entgegen, dass ich entgegen meiner biologischen Überzeugung doch schon weit über 80 bin, und meine Schultern sind der gleichen Meinung, wenn ich Körper an- oder ausziehe.
Rosa findet das garnicht witzig. Aber sie ist froh, dass es besser wird, je länger wir laufen. Und das tun wir, schon allein des mehr als weitläufigen Klinikgeländes wegen.

Nachdem wir festgehalten haben, dass ich zu Körper in letzter Zeit nicht besonders nett war und er es deshalb wahrscheinlich gerade auch nicht zu mir ist, kommen wir zur nicht unerheblichen Diskrepanz zwischen Spiegel und Foto. Und Fotos von Rosa. Die ich am besten löschen soll. Und zwar alle. Rosa schaut mich entsetzt an und ich überlege, ob ich heulen oder gehen soll. Alles in mir schreit NEIN.
„Das trennt die Spreu vom Weizen“ sagt er so nebenbei.

9 Kommentare zu „Spelz“

  1. Liebe Lia, es tut mir leid, dass ich wegen: „Wir besprechen also mein Körperbild (= 🐋)“ und: „WALweise“ erstmal einfach nur *lachen* musste. 😆

    Es ist schlichtweg eine so akkurate Beschreibung des damit verbundenen Gefühls/mentalen Zustandes! Und dem kann ich gelegentlich nur mit nervösem Sarkasmus begegnen.

    Jedenfalls. „Das trennt die Spreu vom Weizen“, sagte… Der Therapeut? Was meinte er denn, oder hab ich da was nicht gerafft? 🤔

    Zum empfundenen WALzustand- Wenn ich fragen darf: wollten die in der Klinik, dass du ihn (als eines der Therapieziele) erreichst? So kenne ich das, auch als verknüpfte Bedingung für bewilligte Weiterbehandlung-

    Pass auf dich auf… VVN

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    1. Lieber Valentin,

      manches lässt sich auch nur mit Humor überhaupt ertragen 😀

      Genau, der Therapeut sagte das im Zusammenhang mit der Aufgabe, die Bilder von Rosa zu löschen bzw. darüber nachzudenken. Er meint, das sei eine absolute Notwendigkeit und zeige, ob ich es ernst meine mit dem Wunsch, gesund zu werden, oder nicht.
      Dazu könnte ich nun wahrscheinlich einige Seiten mit Gedanken füllen. Am Ende läuft alles auf „Nein“ hinaus. Vielleicht bin ich noch nicht so weit, vielleicht werde ich es nie sein, vielleicht halte ich es auch garnicht für notwendig, außerdem bin ich (Hobby-)Fotografin, ich lösche nicht einfach so Bilder – für jede Betrachtungsweise finde ich genügend Argumente und fühle mich überfordert.
      Abgesehen davon hält sich ganz tief in mir drin der Wunsch, wirklich gesund zu werden, sehr in Grenzen – und das hängt nicht nur (aber trotzdem auch) am 🐋-Gefühl, sondern auch an sehr viel mehr, von dem ich nur einen Bruchteil überhaupt benennen kann. Problem: ich vertraue tatsächlich niemandem in der Klinik wie auch in meinem sonstigen Umfeld genug, um das zu thematisieren. Das wurde mir auch gestern erst so richtig klar.

      Zum WALzustand: man bekommt hier zu Beginn eine sog. Gewichtskurve mit einem Ziel-BMI-Bereich (dessen untere Grenze ich aktuell erreicht habe), auf den man hinarbeiten bzw. -essen muss. Man fliegt zwar nicht, wenn man dauerhaft unter seiner Kurve liegt, aber gegängelt wird man schon. Ich kann es zwar nachvollziehen, aber auch hier bin ich die Ambivalenz in Person. Für manche mag es funktionieren, aber für mich heißt es gerade, dass mein fester Plan nach dem Aufenthalt hier erst einmal wieder Reduktion sein wird – vielleicht ändert sich meine Ansicht im Verlauf noch, aber derzeit ist das für mich die einizge Option.

      Daher ist und bleibt es schwierig, ich bin ständig hin- und hergerissen zwischen „wollen“ und „wollen sollen“, Schuldgefühle gibts gratis dazu.

      lg Lia

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      1. So, liebe Lia. Da bin ich… Eben drückte ich „Gefällt mir“, dabei gefällt mir der Inhalt deiner Antwort eigentlich gar nicht- 🤔

        Ah. Es ist schwierig, korrekt zu formulieren, was ich dazu denke, OHNE dabei wie ein völlig therapiedesillusionierter Mensch, oder wie einer dieser „ATTE“-Idioten zu klingen (= von denen ich keiner bin!).

        Aber… Ich HASSE dieses wertende System (= und den Kommentar vom Thera): löscht du Rosas Bilder bist du guuut, tust du es nicht, bist du nur pseudo und weniger (Lob und Bestätigung) wert, wie die brav Mitarbeitenden- Ich finde das emotional erpressend, unterdrückend und gar nicht gesund! 🐙

        Ebensowenig unterstütze ich diesen unsäglichen Behandlungsansatz mit der BMI-Kurve, weil er lediglich dazu führen kann, was gerade mit dir passiert: du schmiedest jetzt schon Pläne, den Ballast wieder loszuwerden und fühlst dich eher unwohler, als wohler- Kenn ich (= wenn auch nur aus ambulanter Behandlung) und mach ich daher nicht nochmal. Für mich ist das mega kontraproduktiv gewesen, weil der WALzustand direkt erneut abgelenkt hat von allem, womit ich mich eigentlich hätte befassen *müssen*. 😒

        Zumal! Ich den Zwang, in einem Körper zu leben, den man so nicht gern hätte, gleichfalls für schädlich halte. Entscheidet man sich eines Tages SELBST für die Veränderung und das Normalgewicht, dann ist damit ja alles gut! Aber alles Erzwungene sehe ich grundsätzlich als problematisch an, konkret lebensrettende Maßnahmen ausgenommen.

        Drücke ich mich verständlich aus? 😮

        Und: dass es seitens vieler Theras nur diesen EINEN Weg gibt, der als lobenswert gilt, nämlich die Essstörung komplett wegzukriegen – der ist ebenfalls 🐙🐙🐙. Meines Erachtens. So kann man nämlich in Therapie nur „verlieren“, solange jeder berechtigte Einwand/Zweifel sofort wieder als: „Da spricht die ES!“ abgetan wird. Unsinn.

        Schlussendlich kennst du meinen Lebensentwurf: lieber untergewichtig, aber mit Spaß am Essen/Trinken/LEBEN, anstatt erzwungen normalgewichtig und ständig nur am Kämpfen. 🐙🐋🐙🐋

        Klar ist dorthin kommen schwer, und eine Gratwanderung ist es definitiv- Allerdings klingst du so, als bräuchtest du gerade als Allerletztes Druck und Schuldgefühle, sondern vielmehr Sicherheit (= in deiner Umgebung UND in dir selbst!), und bergeweise damit verbundenes Vertrauen. 😟

        Das vorerst dazu- Halt die Ohren steif und hör auf *dich*…

        VVN

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      2. Lieber Valentin,

        vielen Dank für deine Gedanken dazu. Ich fühle mich von dir gesehen (und verstanden!), das bedeutet mir sehr viel!

        Am Freitag hatte ich ja einen weiteren Termin beim Herrn Vertretungseinzeltherapeut, und mein Fazit lautet: scheiße, ist der gut.

        Ich bin noch dabei, die Erkenntnisse für mich selbst zu sortieren und einzuordnen – ganz zu schweigen davon, sie zu be- oder verarbeiten. Ich bin jedenfalls ein ganzes Stück weiter gekommen, auch wenn ich gestern so viele Stunden mit Heulen verbracht habe, dass ich heutefrüh aussah wie ein gescheiterter Boxer >.<

        Dadurch ist das Körperthema gerade EXTREM in den Hintergrund gerückt, aber ich stimme dir zu in dem, was du schreibst. Ich muss sehen, wie sich das nun weiter entwickeln wird – Donnerstag war ich jedenfalls kurz davor, meine Sachen zu packen und zu gehen. Nur dass ich Schatz nicht enttäuschen wollte, hielt mich davon ab (und das klingt jetzt so ganz anders als es eigentlich ist, denn Schatz ist so viel mehr und das komplette Gegenteil einer fordernden Erwartungshaltung – dennoch wäre ich ohne ihn gegangen, weil es mir unmöglich schien, hier auch nur noch eine einzige Mahlzeit zu essen).

        Ich wünsche dir ein schönes (sonniges? hier jedenfalls scheint sie in strömen) Wochenende – auch wenn es sich pandemiebedingt nur unwesentlich von einem beliebige Wochentag unterscheiden mag.

        lg Lia

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  2. Ich musste über den Titel deines Beitrages grinsen 😉 Spelz oder Spelzen haben bei uns eine wichtige Bedeutung! Wir essen nämlich gerne „Bauländer Spelz“, das ist eine Grünkernart. Und meine dicke Katze „spelzt“ gerne: sie hat ein mit Spelzen gefülltes kleines Plüschherz, mit dem sie oft spielt, das nennen wir dann „spelzen“.
    Hach ja…. Wal…. so fühle ich mich auch wieder momentan. Wanda schreit mich ständig an deshalb und je mehr Stress ich auf Arbeit habe, desto lauter schreit sie auch noch in das allgemeine Tohuwabohu hinein. Zeitweise ist es kaum auszuhalten 😦

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