Der Vorteil davon, nichts zu fühlen?
Man fühlt nichts.
Der Nachteil davon, nichts zu fühlen?
Man fühlt nichts.
Schlagwort: Leere
Bildungsfern
Konzentration. Ein Fremdwort. Bingewatching und gleichzeitig peripherer Handyexzess. Ich staple die unnützen Informationen in eine Ecke, nur damit ich stapeln kann und nicht denken muss. Oder fühlen. Gut, dass sich letzteres sowieso wie verlernt anfühlt. Ersteres auch. Ersteres aber nicht verlernt, sondern unmöglich, dank Dauerbeschäftigung mit Rosa, Sport, Essen, Nichtessen, Hungerhaben – und dank jeglichem Mangel an anderweitigen Interessen. Wäre zu anstrengend, außerdem.
Drei Wochen Urlaub. Tag 1.
Leicht
Es geht mir scheiße die letzten zwei Tage. Gut, länger eigentlich, aber gestern und heute so richtig. Kein Wunder, halte ich meinen Körper weiterhin im Mangel und zwinge ihm Abbauprozesse auf, die er nicht will. Zusätzlich zum Sport natürlich, der mir jeden Tag schwerer fällt.
Es ist mehr als grenzwertig. Aber ich kenne meinen Körper. Er wird durchhalten, weil er muss. Zwei Wochen noch, so rede ich mir ein, dann geht vielleicht wieder mehr. Mehr Essen, mehr Kalorien. Wenn ich bei meiner Familie vorbeigeschwebt bin,mir das mir zustehende Mitleid und die Sorgen abgeholt habe. Ein Hoch auf die Opferrolle.
Verdunkelung
Minuten. Stunden. Tage. Ganze Wochen und Monate, die in der Bedeutungslosigkeit versickern. Sich nicht erinnern lassen, weil es nichts zu erinnern gibt, außer Gleichförmigkeit und einem diffusen Gefühl von zerronnener Zeit, die um mich herumzufließen, mich aber nicht zu berühren scheint.
Abstrakte Konstrukte von Körper und Funktion werden mir kommuniziert, schließen sich aber der Zeit an. Funktion funktioniert, Körper funktioniert. Das noch wird ignoriert, dem Fluss bedauernd wie gleichgültig zugeschaut. Da ist nichts.
Peripherie

Ich frage mich, was unter all dem Nichts so rumliegt und Staub ansetzt. Aber es ist, wenn überhaupt, nur ein geheucheltes Interesse, denn eigentlich ist es mir ziemlich sehr egal. Der Berg Nichts wird jedenfalls täglich höher, aber das sieht keiner, weil das nunmal in der Natur des Nichts liegt.
Die Woche habe ich wieder einmal auf der Überholspur verbracht, auf dem Zahnfleisch kriechend. Wartend – hoffend – auf den finalen Zusammenbruch, den mir mein Körper vehement verweigert und stattdessen weiter munter vor sich hin funktioniert. Wenn auch mit Abstrichen, so dass ich mitunter allein zu Atmen als unzumutbare Belastung empfinde. Gezeigt wird das natürlich niemandem, der Berg Nichts eignet sich da prima als Versteck für alles.
Während Schatz und andere auf meine Vernunft – und die Ernährungsberaterin – vertrauen, kürze ich unbemerkt meinen Ernährungsplan, beschließe, auch weiterhin keine Therapeutentermine und stattdessen Sport zu machen, verschiebe die EB-Termine, würde am liebsten alles hinschmeißen und mir mit Alkohol und einer Rasierklinge mal wieder einen richtig schönen Abend gönnen.
Ratlosigkeit macht sich breit, wenn ich so mein Leben betrachte, aber mehr als ein Schulterzucken habe ich nicht übrig dafür. Zu anstrengend. Zu egal.
Leere
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