Paralyse

Musik rauscht gemeinsam mit anderen Substanzen durch meinen Körper und beides zusammen hüllt mich in eine flauschig weiche Wolke aus Babyeinhornfell, die ich seit drei Tagen suche und heute endlich finde. Und ich liebe alles daran.
Gestern erwähne ich beiläufig meine erfolgte Selbstmedikation (ohne den Hinweis der doppelten Dosis im Vergleich zum Vortag, die einfach mal so gar nicht zündete) – zum Glück vor dem Filmriss, der erst einsetzt, als ich bereits schlafe, später angelöffelt werde und Schatz daraufhin mit Unsinnigkeiten vollquatsche.
Als ich heute immerhin schon einen Hauch der antreibenden Wirkung der von Ratio verordneten Glüxbarchi-Erhöhung zu verspüren meine, hoffe ich auf ein baldiges Mehr, als mir mein Suchtgedächtnis in den Rücken und ich aus versehen mit wühlenden Händen in den Medischrank falle – die Beiden am Boden befindlichen vergessenen Überreste füttern nun das Einhorn.
Ratios Blick ist ziemlich eindeutig not amused. Und das nicht nur wegen Flausch, sondern auch wegen Rosa, die aufgrund der Anzeige auf der Waage ein Dauergrinsen aufgesetzt hat und Grau, die ihr dauernd im Weg liegt – einfach weil sie es kann.

Phorie

Im schmerzlichen Bewusstsein, durchaus Teil des Problems zu sein, betrachte ich die Pasterze, die sich dem wandelnden Klima nur ergeben kann und nichts als nackten, viel zu warmen Fels hinterlässt. Ich spüre ein Ziehen im Körper und versuche, die Inkongruenz dieser rundum außergewöhnlichen, beeindruckenden und so wunderschönen Landschaft mit der aufkommenden Traurigkeit ins Gleichgewicht zu bringen und bin erstaunt, dass es gelingt.
Die zwei Tage Alpenlandschaft-Dusche fühlen sich an wie fünf und machen die darauffolgenden 130 Liter Regen bei 4 Grad Außentemperatur bisher nachhaltig erträglich, auch wenn sie dafür scheinbar mein Gehirn verstopfen und bisher verhindern, weiter an meinen Käfigtüren zu feilen.

Reminiszenz

Als ich mit Schatz bei ebenjenem Herrn Psychiater bin, der mich vor zwei Jahre mit seiner eher unterdurchschnittlich erfolgreichen Idee, das Glüxbärchi zu wechseln, in die Psychiatrie brachte, um bei ihm einen Termin zu vereinbaren, stellt sich meine Erinnerung an den Behandlungsraum wie vermutet als entfernt dar. Zwar war ich mir vorher schon ziemlich sicher, dass der Stuhl, auf dem ich damals saß, nicht in zehn Metern Distanz zu seinem Schreibtisch steht, sehe mich aber nun bestätigt – auch wenn sich das Bild in meinem Kopf dadurch keinen Millimeter ändert.

Nachdem das jetzige, psychiatriegetestete Glüxbärchi auch aktuell tut, was es soll – wenngleich auch mit etwas weniger Schmackes als am Anfang, was immerhin der Orgasmusthematik entgegenkommt – bedarf es neben einem neuen Rezept auch belastbarer Informationen zur längerfristigen Einnahme, auch wenn ich die in meinem Kopf – natürlich – bereits wieder zu relativieren beginne.

Käfighaltung

Meine Kreativität tobt sich derzeit eher im visuellen statt literarischen Umfeld aus und versucht sich dort in der Darstellung von Modi und Schemata, die mir vorab als DiGA und daraufhin auch in gebundener Form ziemlich erleuchtende Ein- bis Durchblicke in meine mentale Funktionsweise eröffnet haben.
Zuweilen überfordert von regulierter Hirnchemie und damit einhergehendem Verlangen, fremde Menschen zu schütteln und ihnen lauthals meine nicht anders als f*cking hervorragend zu titulierende Stimmung an die Stirn zu tackern, erledige ich plötzlich Dinge, von denen ich garnicht wusste, dass ich sie vorhabe, nur um nicht komplett zu eskalieren – positiverdings.
Die Gefahr, mich in diesem Zustand unbemerkt mit eben jenen Dingen zu überfordern, einfach weil es geht, ist nicht nur realistisch, sondern wahrscheinlich – aber ey, so geil habe ich mich seit ewig nicht gefühlt!

Synapse

Mit einem funktionierenden, medikamentös induzierten Serotoningleichgewicht stellen sich die letzten 6 Monate als ziemlicher Blindflug heraus. Klar wird mir das, als ich zwischen Kühen und Wildblumen auf 1.500 Metern nicht nur einfach rumstehe, sondern den Berg, die Sonne und auch alles andere fühle. Vielleicht wäre es schlau gewesen, doch schon eher wieder mit den Glüxbärchis anzufangen, aber das letzte Mal fühlte es sich irgendwie … anders an. Stumpfer. Und war hoffentlich den Umständen vor rund eineinhalb Jahren geschuldet.
Jedenfalls ist die Akkustandsanzeige inzwischen auf einem deutlich verträglicheren Niveau und reicht hoffentlich, den ab morgen wieder eingeschalteten Wecker länger als ein paar Tage zu tolerieren.

Manko: Meine Kreativität ist kaputt. Und mein Orgasmus.

Pygmalion

Vor mir liegt ein Haufen Steine. Hinter mir ebenfalls. Ich weiß nicht, ob diese rein konstruktivistischer Natur sind oder (oder und?) ob ich sie mir selbst heimlich von hinten nach vorn in den Weg räume – beides führt aber dazu, dass ich mir schlicht nicht mehr über den Weg traue bei der Frage, ob der nicht nur berechtigte, sondern notwendige gelbe Schein von vergangenem Montag an dem Kommenden einer Verlängerung bedarf oder lediglich eine sommerliche Flause darstellt.

Auch wenn ein Teil meines Gehirns denkt, dass  es nur eine richtige Antwort auf die Frage nach °Montag wieder arbeiten, weil Funktionieren funktioniert schon oder lieber noch ne Woche Pause und Leben funktioniert mit etwas Glück auch wieder ein bisschen?° gibt, denkt ein anderer Teil, dass Erstgenannter bloß krankheitsgewinnorientiert Argumente konstruiert.

Lia möchte bitte aus dem Bällebad abholt werden.