Dissonanz

Wenn deine Empathie dir Worte mit einem Feenstaubglitzergeräusch auf einem Silbertablett serviert und gleichzeitig mit der rostigen Kettensäge, an der noch – ausgesprochen zahlreich – die gar nicht mal so vergammelten Reste deiner eigenen Gefühle kleben, durch die Eingeweide  fleischt, weißt du wieder ziemlich genau, warum du eigentlich Expertin im Social Distancing bist.

Resonanz

Es ist Oktober und unsere Obstbäume blühen ins Angesicht einer munter weiter vor sich hineskalierenden Welt, die ich aller gesellschaftlichen Verantwortung zum Trotz zum Erhalt meiner kleinen Fluffblase schlichtweg zu ignorieren versuche.
Der Spr(i/e)ngteufel und ein Kollege machen mir aber einen Strich durch die Rechnung, gefüttert durch die Blauzahnverbindung im neuen Auto, so dass es nun Lieblingsmusik spielen kann. Das Resultat mag weder die Fluffblase, noch ich, weil es Dinge hochholt, die nicht umsonst – und ohne Beschriftung – in die Kiste gestopft sind.
Mit Einfahrt in die Garage und gezogenem Schlüssel sitzt aber wieder jemand brav auf dem Deckel und ich wiege mich in trügerischer Sicherheit. Bis um 3 Uhr morgens, als mein Gehirn plötzlich der Meinung ist, jetzt wäre doch auch wieder ein hervorragender Zeitpunkt, um weiter über den Kollegen nachzudenken, der gerade wild entschlossen ins Burnout rennt, so dass meine Empathie dabei im Dreieck springt, natürlich wiederholt die Gefühlskiste anrempelt und Inhalt unkontrolliert rausschwappt.
Jetzt bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich ihn oder vielmehr mich retten will, wenn ich im Kreis über Möglich- und Notwendigkeiten nachdenke. Und ob ich nicht doch mal die Kiste aufräumen soll.

Varianz

Sein äußeres Erscheinungsbild als Laune der Natur zu bezeichnen ist nicht nur ausgesprochen oberflächlich, sondern auch hart untertrieben. Und ich frage mich, ob das kleine rote Warnlämpchen in meinem Kopf einem rein urzeitlich begründeten Art(gesund)erhaltungsinstinkt entspringt, oder doch etwas dran ist an dem Gefühl, dass dort nicht nur sprichwörtliche Leichen im Keller liegen könnten. Angesichts meiner generell nicht vorhandenen Reproduktionsabsichten halte ich Möglichkeit Zwei für gar nicht mal so abwegig und bin dennoch diffus überzeugt, dass ich meine Antennen eindeutig überbewerte. Hoffentlich.

Märchenpark

Gibts die eigentlich noch? In meiner Kinheit jedenfalls gab es sie. Kleine, vermeintlich schnuckelige (Wald-)Märchenparks für die ganze Familie, mit kleinen und großen Dioramen, mechanischen Figuren und Lautsprechern, aus denen das passende Märchen erzählt wurde.
Mein Bruder liebte es, meine Eltern waren ganz hingerissen und meine Großeltern ebenfalls. Ich fand sie immer … beklemmend … gruslig … mir fehlt das richtige Wort.
Mein Bruder und meine Familie sahen bunte Geschichten und freuten sich auf jeden Besuch. Für mich war es nicht mehr als ein Pflichtbesuch, und ich sah staubige, vernachlässigte Kulissen, durchgescheuerte Gewänder, hakende Mechanik und hörte dazu das Rauschen und Knistern der Lautsprecher. Ich wollte dort nie sein, aber als Kind hatte ich keine Wahl – oder traute mich nie, zu sagen, dass ich dort nicht hin mochte, weil ich sah, wie jeder funkelnde Augen bekam und ich dachte, dass ich nicht normal bin.

Staub

Märchenparks fielen mir erst vor ein paar Tagen wieder ein, eine Ewigkeit habe ich nicht mehr daran gedacht. Keine Ahnung, warum sie mir jetzt wieder eingefallen sind.

92 – Blind

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Ich frage mich, was mein Gehirn momentan eigentlich die ganze Zeit so tut. Mit Wahrnehmung(sverarbeitung) ist es jedenfalls nicht beschäftigt. Zumindest fühlt es sich seit einigen Tagen so an – als hätte ich einen Tunnelblick und Watte in den Ohren.

Dazu muss ich vielleicht erwähnen, dass ich mich für hochsensibel (HS) halte. Für mich ist das keine Diagnose, sondern lediglich die Beschreibung einiger meiner Eigenschaften, wie es z.B. auch „unmusikalisch“ wäre. Es beschreibt einen Teil von mir – ich trage es ich nicht auf einem blinkenden Schild um den Hals und ist für mich weder Ersatzreligion noch Misssionierungsgrundlage.

Auf das Thema gestoßen bin ich vor rund 3 1/2 Jahren. Ich las eine Zeit lang alles darüber, was ich finden konnte, nachdem das erste Buch eine Offenbarung für mich war. Ich musste weinen, weil ich auf einmal so viel verstand.
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